4/1998
Forum Wirtschaftsethik

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Editorial
Der Forderung nach einer ethischen Orientierung der Unternehmensführung wird durch zwei besondere Umstände Nachdruck verliehen. Zum einen bringen die Konsumenten bei ihren Kaufentscheidungen ihre ethischen Werthaltungen verstärkt zur Geltung. Sie fragen solche Produkte nach, die ihren Vorstellungen von einem ethisch verträglichen Wirtschaften genügen, und meiden solche, die unter sozial oder ökologisch bedenklichen Produktionsbedingungen entstanden sind. Zum anderen läßt sich beobachten, daß viele Kapitalanleger bei ihren Investitionsentscheidungen die ethisch-ökologische Qualität der Kapitalanlagen in ihr Kakül ziehen.

Zwei Beiträge im vorliegenden Heft berichten von Initiativen, die als Anwort auf diese Entwicklungen zu verstehen sind. Johannes Hoffmann, Lucia Reisch und Gerhard Scherhorn erläutern den Hintergrund des sogenannten Frankfurt-Hohenheimer Leitfadens, mit dessen Hilfe ein ethisch-ökologisches Rating von Unternehmen als Orientierungshilfe für Kapitalanleger ermöglicht werden soll. Johannes Merck berichtet über die Zertifizierungsinitiative SA 8000 (Social Accountability) und die Teilnahme des Otto Versand an dieser Initiative, die dazu dienen soll, weltweite Standards zur sozial- und umweltverträglichen Beschaffung zu etablieren und zu kontrollieren.

Thomas Beyer und Michael Kläver kommentieren den Beitrag von Udo Di Fabio aus dem letzten Heft und stellen ein Staatsverständnis zur Diskussion, das nicht auf einem inhaltlichen Katalog von Staatsaufgaben beruht, sondern die Aufgaben des Staates formal definiert. Die Redaktion des FORUM Wirtschaftsethik freut sich über diesen Kommentar und fordert die Leser wie schon im letzten Heft wieder dazu auf, zu den Heftbeiträgen Stellung zu beziehen. -Was kann dem Netzwerkgedanken besser Rechnung tragen als die aktive Teilnahme der Leser?

Andreas Georg Scherer