Der Forderung nach einer
ethischen Orientierung der Unternehmensführung wird durch zwei besondere
Umstände Nachdruck verliehen. Zum einen bringen die Konsumenten bei ihren
Kaufentscheidungen ihre ethischen Werthaltungen verstärkt zur Geltung. Sie
fragen solche Produkte nach, die ihren Vorstellungen von einem ethisch
verträglichen Wirtschaften genügen, und meiden solche, die unter
sozial oder ökologisch bedenklichen Produktionsbedingungen entstanden
sind. Zum anderen läßt sich beobachten, daß viele
Kapitalanleger bei ihren Investitionsentscheidungen die
ethisch-ökologische Qualität der Kapitalanlagen in ihr Kakül
ziehen.
Zwei Beiträge im vorliegenden Heft berichten von Initiativen, die als
Anwort auf diese Entwicklungen zu verstehen sind. Johannes Hoffmann, Lucia
Reisch und Gerhard Scherhorn erläutern den Hintergrund des sogenannten
Frankfurt-Hohenheimer Leitfadens, mit dessen Hilfe ein
ethisch-ökologisches Rating von Unternehmen als Orientierungshilfe
für Kapitalanleger ermöglicht werden soll. Johannes Merck berichtet
über die Zertifizierungsinitiative SA 8000 (Social Accountability) und die
Teilnahme des Otto Versand an dieser Initiative, die dazu dienen soll,
weltweite Standards zur sozial- und umweltverträglichen Beschaffung zu
etablieren und zu kontrollieren.
Thomas Beyer und Michael Kläver kommentieren den Beitrag von Udo Di Fabio
aus dem letzten Heft und stellen ein Staatsverständnis zur Diskussion, das
nicht auf einem inhaltlichen Katalog von Staatsaufgaben beruht, sondern die
Aufgaben des Staates formal definiert. Die Redaktion des FORUM Wirtschaftsethik
freut sich über diesen Kommentar und fordert die Leser wie schon im
letzten Heft wieder dazu auf, zu den Heftbeiträgen Stellung zu beziehen.
-Was kann dem Netzwerkgedanken besser Rechnung tragen als die aktive Teilnahme
der Leser?
Andreas Georg Scherer |