Susanne Schneid, Anja
Krezdorn
Business Excellence als Ziel Qualitätsmanagement
bei der Mercedes-Benz Lease Finanz (MBLF)
Wertemanagement ist eine
Qualitätsfrage. Werte können in Unternehmen nicht paral lel zu den
tagtäglichen Management- bzw. Controllingprozessen abgehandelt werden, son
dern sind ins Qualitätsmanagement zu integrieren. Fast zwangsläufig
taucht der modische Terminuns ganzheitlich auf. So auch im
folgenden Artikel. Er stellt den ganzheit lichen TQM-Ansatz bei der
Mercedes-Benz Lease Finanz (MBLF) vor, der den Anspruch erhebt, definierte
Leitbilder und Werte zum Ausgangspunkt der Unternehmenspolitik und -strategie
machen zu wollen und zu können. Die Redaktion von Forum Wirtschaftsethik
freut sich über Beiträge aus der Praxis des Ethikmanagements.
Menschen, die qualifizierte Arbeit leisten, wollen sich mit ihrem Tun
identifizieren und auf ihre Leistungen stolz sein können.
Arbeitsteilige Organisationsstrukturen mit ihren fragmentierten
Leistungsbeiträgen lassen hingegen häufig den Bezug des Einzelnen zum
eigentlichen Unternehmenszweck verblassen. Der Wandel hin zur Knowhow
Gesellschaft, deren Output immer weniger aus physisch greifbaren oder
sichtbaren Produkten besteht, erfordert neue Orientierungsrahmen für
Mitarbeiter, die die Qualität ihrer Arbeit nicht mehr an einem konkreten
Gut messen können. Die fortschreitende Konzentrationswelle in
einer globalisierten Wirtschaft birgt die Gefahr der Entwurzelung aus
bestehenden Unternehmenskulturen und Zugehörigkeitsgefühlen. Aufgabe
des Managements ist hierbei, Instrumente zur Verfügung zu stellen, die den
Einzelnen den Wert seiner Arbeit und seinen individuellen Beitrag zum Erreichen
der Unternehmensziele ermessen lassen.
Wer Mercedes fährt, will höchste Qualität auch bei
seiner Finanzierungslösung
Mit den hohen Qualitätsansprüchen, welche die Marke Mercedes-Benz
seit über einem Jahrhundert an ihre Fahrzeuge selbst stellt, hat sich bei
ihren Kunden der berechtigte Anspruch nach bester Qualität entwickelt.
Diese Forderung ist auch für unsere Finanzdienstleistungen verpflichtend.
Dieser Verantwortung gegenüber dem Kunden und der Marke Mercedes-Benz muss
sich jeder Mitarbeiter bewusst sein, und er muss spüren können, dass
sein persönliches Engagement das Erreichen unserer
Qualitätsansprüche mitbestimmt.
Ausgehend von der Erkenntnis, dass nach Jahren rasanter
Geschäftsentwicklung die weiteren Wachstums-und Qualitätsziele nur
durch ein ganzheitliches, instrumentalisiertes Qualitätsmanagement zu
erreichen sind, initiierte Heinz W. Kiefer, Vorsitzender der
Geschäftsführung der MBLF, 1995 persönlich den Total Quality
Management Prozess im Unternehmen. Von Anfang an war klar, dass
Qualitätsmanagement als permanenter Prozess Bestandteil unseres
Unternehmensselbstverständnisses werden sollte und wir die erforderlichen
Kapazitäten zur Verfügung stellen werden. TQM sollte uns aber auch
als konkrete Messlatte für den Erfolg unseres Einsatzes dienen, denn
what you cant measure you cant manage. Daher führt
die MBLF seit Beginn des TQM-Prozesses 1995 jährlich eine Selbstbewertung
nach EFQM durch, um so die Entwicklung der Unternehmensleistung und damit die
Effizienz der umgesetzten Verbesserungsmaßnahmen zu messen.
Der ganzheitliche Ansatz Total Quality Management nach EFQM Die
European Foundation for Quality Management (EFQM) hat sich zum Ziel gesetzt,
Qualitätsmanagement für alle Wirtschaftsbereiche und
Unternehmensgrößen europaweit zu etablieren. Dazu entwickelte die
EFQM ein Modell zur Bewertung der Unternehmensleistung, das bestehend aus neun
Kriterien das gesamte Spektrum des unternehmerischen Handelns umfaßt.
Das Schlüsselkonzept des Modells basiert auf der Erkenntnis, dass die
Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern sowie eine allgemein positive Wirkung
auf die Gesellschaft durch eine entsprechend verantwortliche
Unternehmensführung, -politik und -strategie, Mitarbeiterführung,
vernünftigen Umgang mit Ressourcen und die Konzentration auf
wertschöpfende Prozesse erreicht und so letztlich die
Geschäftsergebnisse nachhaltig positiv beeinflusst werden. Daraus folgt,
dass nur die gesamtheitliche Optimierung aller Kriterien zum gewünschten
Ziel führt: zur business excellence.
Kernpunkt des EFQM-Modells ist eine jährliche Selbstbewertung des
Unternehmens durch das Management. Auf Basis der Ergebnisse werden
Unternehmensstärken und -schwächen extrahiert und
Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet. Die Ergebnisse der Selbstbewertung
sind auch Grundlage für eine Bewerbung um den European Quality Award
(EQA), den die EFQM jährlich an Wirtschaftsunternehmen und Organisationen
aus dem öffentlichen Bereich vergibt.
Der 2-Phasen Plan Verantwortung geht sukzessive über in die
Linie
Bereits beim Start 1995 war der TQM-Prozess der MBLF in seiner ersten Phase als
ca. 3-jähriges Projekt angelegt, der sich nach einem Anfangsschub, der
Schaffung der organisatorischen Voraussetzungen und der mentalen und
emotionalen Verankerung bei den Mitarbeitern, anschließend in
Selbstverantwortung auf die Linie überträgt.
Phase 1: TQM als Projekt (1995-1997)
Heinz W. Kiefer als Vorsitzender der Geschäftsführung gab
persönlich im Herbst 1995 den Startschuß für TQM in der
Mercedes-Benz Lease Finanz. Während eines ganztägigen Kick-offs mit
allen Mitarbeitern wurden spielerisch in Teams TQM Grundgedanken erlebbar
gemacht. Der Titel der Veranstaltung hieß Jump, und bewusst
sollten alle Mitarbeiter für die TQM-Ziele emotionalisiert und ihre
Bereitschaft, den großen Sprung zu wagen, gefördert
werden. Diese positive Emotionalisierung gleich zu Anfang ist für TQM von
größter Bedeutung, weil im laufenden Prozess von allen hohes
Engagement und die Bereitschaft zu Verhaltensänderungen verlangt wird. Ist
TQM bereits in der Startphase von Zweifeln bei den Mitarbeitern belegt, ist die
Gefahr des Scheiterns groß. Bei unserem Kick-off-Tag ist es uns gelungen,
den Funken der Begeisterung auf die Mitarbeiter zu übertragen. Noch heute
schwärmen viele von diesem ereignisreichen Tag.
In der ersten Phase der Begeisterung darf nicht der Eindruck entstehen, dass
großen Worten keine Taten folgen. Wir haben die Zeit nach dem TQM
Kick-off sofort genutzt, um die organisatorischen Voraussetzungen für TQM
im Unternehmen zu verankern und den Mitarbeitern zu beweisen, dass TQM ein
täglich spürbarer und dauerhafter Begleiter unseres Unternehmens
wird.
Für die dreijährige Projektphase wurden von der
Geschäftsführung unter den Mitarbeitern sechs Prozessberater und ein
interner Trainer ausgewählt, die speziell für ihre Aufgaben
ausgebildet wurden. Sie sollten während der Projektphase
Hauptantriebsmotoren für den TQM-Prozess sein und wurden zu 100 Prozent
von ihren bisherigen Aufgaben freigestellt. Zusätzlich wurden in 43 Teams
TQM-Multiplikatoren demokratisch gewählt, die in enger
Zusammenarbeit mit den Prozessberatern Informations-und Koordinationsaufgaben
in ihrem Team übernahmen. Unterstützt wurden die Prozessberater zudem
von einem externen Unternehmensberater, der die MBLF während der
Projektphase ständig begleitet und unterstützt hat. Ende 1995 war die
MBLF startklar für den Marathon der permanenten
Qualitätsverbesserung.
Noch vor der organisatorischen Vorbereitung haben Mitarbeiter und
Führungskräfte aller Unternehmensbereiche und die
Geschäftsführung unser Unternehmensleitbild und die Unternehmenswerte
entwickelt. Leitbild und Werte wurden den Mitarbeitern beim TQM Kick-off
vorgestellt.
Leitbild und Werte sind seither Ausgangspunkt unserer Unternehmenspolitik und
-strategie. Für einen erfolgreichen TQM-Prozess ist es erforderlich, dass
Mitarbeiter und Führungskräfte von Anfang an verstehen, dass TQM
zielorientiertes Denken und Handeln bedeutet. Im Herbst 1995 hat in einer
großen Schulungsoffensive z.B. das Seminar Visionäres
Management allen Führungskräften bewusst gemacht, welche Kraft
und Energie in Visionen und Zielen steckt und wie wichtig es ist, dass das
Management durch Zieldefini tionen zum Erfolg führt. Die gleichen Inhalte
wurden allen Mitarbeitern im Seminar Erfolgspotentiale erkennen
vermittelt. Insgesamt hat die MBLF 670 Trainingstage für die
Führungskräfte und 1600 Tage für die Mitarbeiter investiert.
Grundlegender Denkansatz bei TQM ist, sich im großen wie im kleinen immer
wieder folgende Fragen zu stellen: Was läuft gut, was stört bzw.
behindert und was können wir besser machen? Vor diesem Hintergrund haben
alle Mitarbeiter gleich im Anschluss an den TQM-Kick-off eine
Arbeitsplatzanalyse durchgeführt und so erlebt, was tatsächlich durch
TQM-Denken an jedem Arbeitsplatz konkret und schnell verbessert werden kann.
Die Analyse beinhaltete die Themengebiete Arbeitsplatz, Kundenorientierung,
Teamarbeit und Motivation. Gemeinsam im Team wurden
Verbesserungsvorschläge beschlossen, die eigenverantwortlich in die Tat
umgesetzt wurden. Von 1.000 Verbesserungsvorschlägen wurden 800 direkt
umgesetzt. 500 teamübergreifende Ideen wurden zusätzlich in einem
Ideenspeicher gesammelt, der bis heute einen Fundus weiterer Verbesserungen
bildet.
Fazit nach der Start phase 95: Die Steine geraten ins Rollen
Durch die begeisternde Kick-off Veranstaltung, ausführliche TQM-Schulungen
und praktische erste TQM-Verbesserungen an den Arbeitsplätzen ist es uns
gelungen, die Mitarbeiter für TQM zu öffnen und Anfangserfolge zu
verbuchen.
Die für 1995 erstmals durchgeführte Selbstbewertung nach EFQM legte
deutlich unsere Stärken und Verbesserungspotentiale offen. Wichtigste
Erkenntnis dabei war, dass uns für die Kriterien Kundenzufriedenheit und
Mitarbeiterzufriedenheit die Messinstrumente für eine fundierte Bewertung
fehlten. Beide Kriterien konnten somit nicht bewertet werden.
Als direkte Konsequenz der Selbstbewertung 1995 wurden 1996 mit
Unterstützung externer Marktforschungsinstitute Messinstrumente zur
Verkäufer-, Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit entwickelt. Wichtigster
Fokus war hierbei, die relevanten Informationen transparent zu machen und sie
denjenigen im Unternehmen zur Verfügung zu stellen, die aktiv
Verbesserungen umsetzen können. Mit unserer Kunden- und
Mitarbeiterzufriedenheitsbefragung haben wir bis heute vorbildliche Instrumente
im DaimlerChrysler Konzern geschaffen. Parallel zur Entwicklung der
Messinstrumente haben wir durch Training der eigenen Vertriebsmannschaft und
durch eine groß angelegte Schulungsoffensive für die Verkäufer
der Vertriebsorganisation von Mercedes-Benz Deutschland Maßnahmen
entwickelt, um die Kundenzufriedenheit präventiv zu verbessern.
Die Ausdehnung der Fahrzeugpalette von Mercedes-Benz und die damit verbundene
Erschließung neuer Kundensegmente verlangten von uns eine differenzierte
Marktbetrachtung. Seit 1996 unterscheiden wir die Geschäftssegmente
Mercedes-Benz Einzelfahrzeuge, Flotte PKW, Flotte Nutzfahrzeuge und das
non-automotive Geschäft mit jeweils genau definierten Ergebnis-, Markt-
und Abwicklungsverantwortungen. Gleichzeitig setzten wir uns in den einzelnen
Segmenten individuelle, ambitionierte Ziele.
Führungsqualität und Mitarbeiterorientierung gehen Hand in Hand
Damit Führungskräfte Mitarbeiter erfolgreich zur Zielerreichung
führen, benötigen sie das entsprechende Instrumentarium und Wissen.
Deshalb besuchen seit 1996 alle Führungskräfte das Seminar
Führung in der Praxis, bei dem intensiv und realitätsnah
die Herausforderungen einer Führungskraft durchgespielt und
Führungsqualitäten weiterentwickelt werden.
Um die Erreichung unserer Ziele besser planen zu können und jedem
Mitarbeiter transparent zu machen, welchen Beitrag er/sie zur Erreichung der
Unternehmensziele leisten kann und soll, haben wir das Instrument der
Zielvereinbarung eingeführt. Dabei werden die Unternehmensziele
kaskadenartig top-down bis auf Mitarbeiterebene heruntergebrochen. Im Gegenzug
werden bottom-up die zur Zielerreichung notwendigen Rahmenbedingungen und
Ressourcen geplant. Wesentlich in diesem Prozess ist, dass der Vorgesetzte die
Verantwortung für das Ziel übernimmt und der Mitarbeiter die
Verantwortung für den Weg zur Zielerreichung. In unterjährig
stattfindenden Zielüberprüfungsgesprächen zwischen
Führungskraft und Mitarbeiter wird der Zielerreichungsgrad
überprüft und gegebenenfalls werden Ziel- oder
Maßnahmenkorrekturen vereinbart.
Der Chef ist für das Ziel, der Mitarbeiter für den Weg dorthin
verantwortlich. Dies bedeutet zwangsläufig und durchaus gewollt eine
enorme Freiheit. Den Umgang mit dieser Freiheit mussten viele Mitarbeiter erst
lernen. Deshalb haben wir 1996 unsere TQM-Schulungsoffensive auf
Mitarbeiterebene forciert, z.B. mit dem Seminar Erfolgreich im
Team.
Eine Konsequenz des gekonnten Umgangs mit Freiheit und Eigenverantwortung ist
der Wunsch nach Weiterentwicklung. Um die Mitarbeiter dabei zu
unterstützen, haben wir ein Personalentwicklungs- Konzept erarbeitet und
eine Qualifikationsdatenbank aufgebaut. Diese Qualifikationsdatenbank
ermöglicht uns den Abgleich zwischen dem Anforderungsprofil einer Stelle
und dem Qualifikationsprofil eines Mitarbeiters. Das Prinzip dabei: Der
richtige Mensch am richtigen Platz. Anforderungsprofile einer Stelle
können aber nur dann sinnvoll erstellt werden, wenn die dahinterliegenden
Prozesse klar sind.
Durch Transparenz Prozesse optimieren
Prozessanalysen waren zentrales Thema unserer TQM-Maßnahmen 1996. Durch
die ARIS-Prozessdokumentation gewannen wir Transparenz in unseren Kernprozessen
Leasing und Finanzierung und haben in Workshops auf Basis dieser Ist-Analysen
Verbesserungspotentiale aufgedeckt und Soll-Konzepte generiert.
Als Ergebnis wurden im Einklang mit der differenzierten Marktbearbeitung
strategische Projekte aufgesetzt, die z.B. die effizientere Abwicklung unseres
Privatkundengeschäftes oder die Neuausrichtung des Forderungsmanagements
zum Inhalt hatten und mittlerweile erfolgreich in der Linie umgesetzt sind.
Elementar bei der Optimierung von Prozessen ist für uns deren
ganzheitliche Betrachtung anhand der vier Ebenen der Prozessgestaltung:
1. Zeitliche Abfolge / Ablauf
2. Arbeitsmittel
3. Mensch
4. Ort.
Das Ziel und die Kunst besteht darin, die Prozesse iterativ über die vier
Ebenen zu optimieren und diese in Einklang zu bringen.
Fazit nach 1996: Man che Steine gerieten ins Wanken und wir schufen damit
das neue Fundament.
Insbesondere mit unserer Prozessanalyse und der Strategie der differenzierten
Marktbearbeitung haben wir die Weichen für die Zukunft gestellt und
deutliche Verbesserungsmaßnahmen eingeläutet. Wir hinterfragten aber
auch gewohnte Arbeitsabläufe und Zuständigkeiten und stellten dadurch
Anforderungen an die Bereitschaft unserer Mitarbeiter, sich auf neue Wege
einzulassen. Die Zielrichtung für 1997 war damit vorgegeben: Wir mussten
durch die konsequente Umsetzung konzipierter Projekte und die weitere
Verbesserung bereits eingeführter Instrumente beweisen, dass TQM unserem
Unternehmen und seinen Mitarbeitern die versprochenen Vorteile auch
tatsächlich bietet.
Der Beweis wird angetreten
Direktes Ergebnis der Strategie der differenzierten Marktbearbeitung und der
optimalen Prozessgestaltung ist die 1997 gegründete MBLF direct. Die
Mitarbeiter dieses Service Centers betreuen unser Privatkundengeschäft.
Gegenüber unseren bisherigen Abläufen konnten wir die Vertragskosten
in diesem Kundensegment um 60 % reduzieren. Mit der Ansiedlung der MBLF direct
in Saarbrücken haben wir seit 1997 in einer strukturschwachen Region neue
Arbeitsplätze geschaffen. Ebenfalls als Ergebnis der differenzierten
Marktbearbeitung ist die 1997 gegründete debis Car Fleet Management GmbH
für das PKW-Flottengeschäft verantwortlich.
1997 haben wir erstmalig zusätzlich zu Volumen- und Ertragszielen auch
explizit Qualitätsziele in unse rer Strategischen Planung definiert. Diese
werden im Zielvereinbarungsprozess top-down heruntergebrochen und bis auf
Teamebene vergütungsrelevant festgelegt.
Seit 1997 entwickeln und fördern wir Potentialträger unter den
Mitarbeitern gezielter. Mit Hilfe einer Potentialanalyse
identifiziert jede Führungskraft jährlich Potentialträger in
ihrem Team und erarbeitet mit ihnen individuelle Entwicklungs- und
Karrierepläne. Das aus den leitenden Führungskräften der
wichtigsten Unternehmensbereiche bestehende Personalentwicklungsteam
koordiniert die unternehmensübergreifenden
Personalentwicklungsinstrumente.
Messinstrumente wie unsere Endkundenbefragung machen natürlich umso mehr
Sinn, je detaillierter sie aufzeigen, was und vor allem durch wen etwas
verbessert werden kann. Seit 1997 werten wir deshalb unsere Verkäufer- und
Endkundenbefragung analog der Mitarbeiterbefragung bis auf Regional- und
Teamebene aus. Damit erhält jedes Team die Möglichkeit, gezielt
Maßnahmen zur eigenen Ergebnisverbesserung zu ergreifen.
Fazit 1997: Wir stehen auf sicherem Fundament - ein deutlich positiver
Trend ist erkennbar
Ende 1997 war die Projektphase von TQM abgeschlossen, und wir zogen mit Hilfe
der nunmehr dreimal durchgeführten EFQM-Selbstbewertung Zwischenbilanz.
Von einem durchschnittlichen Erfüllungsgrad aller Kriterien von
anfänglich 35% haben wir uns auf 61% gesteigert. In absoluten Zahlen ist
dies bei 1000 möglichen Punkten eine Verbesserung von 265
auf 490 Punkte. Ein Vergleich ermög licht die Einordnung dieses
Ergebnisses. So liegen EQA-preisverdächtige Unternehmen bei ca. 650
Punkten und EQA Gewinner müssen im Schnitt etwa 700 bis 750 Punkte
erringen. Die möglichen 1.000 Punkte hat noch kein Unternehmen
erreicht.
Im März 1998 haben wir unsere erste Bewerbung für den EQAeingereicht.
Ziel dieser Bewerbung war es dabei keineswegs, den EQAbereits zu gewinnen
das wäre vermessen gewesen aber wir wollten unsere internen
Selbstbewertungen durch eine externe Prüfung verifizieren, die Erfahrungen
und die Kompetenz von speziell ausgebildeten EFQM-Assessoren für unseren
Verbesserungsprozess nutzen und uns schließlich mit der Vielzahl an
europäischen Unternehmen vergleichen, die sich jährlich bei der EFQM
bewirbt. Verglichen mit anderen Bewerbern liegen wir im oberen Drittel des
Bewerberfeldes. Die Assessoren nannten uns unsere Stärken, aber auch
weitere Verbesserungspotentiale, die wir teilweise noch 1998 umgesetzt oder in
die Wege geleitet haben. Eine für uns positive Erkenntnis war, dass unsere
eigene Bewertung weitgehend der Einschätzung der Assessoren entsprach.
Phase 2: TQM geht über in die Linie
Mit der Gewissheit, seit 1995 mit Hilfe von TQM unser Unternehmen in allen
Kriterien deutlich nach vorne gebracht zu haben, konnten wir Anfang 1998 den
Prozess der kontinuierlichen Verbesserung auf die Linie übertragen. Ab
sofort war jeder einzelne Mitarbeiter für die Qualität an seinem
Arbeitsplatz verantwortlich, jede Führungskraft für Qualität in
ihrem Team.
Als organisatorische Instanz fungiert der Qualitätsmanagerkreis als Motor
und Promotor für den Verbesserungsprozess. Bei der Erarbeitung neuer
Methoden und Instrumente sowie bei deren Umsetzung unterstützen die Teams
Personalbetreuung und -entwicklung und Unternehmensentwicklung. Jeder
Qualitätsmanager nimmt eine Matrixfunktion wahr: zum einen als
Führungskraft, die für die Qualität in ihrem Bereich
verantwortlich ist, und zudem als Kriterienverantwortlicher, der für
unternehmensweite Qualitätsverbesserungen in seinem EFQM-Kriterium
zuständig ist. Der Qualitätsmanagerkreis wird auch weiterhin die
jährliche Selbstbewertung nach EFQM durchführen.
Einer der Schwerpunkte 1999 liegt auf der Umsetzung der variablen
Vergütung bis auf Mitarbeiterebene innerhalb des debis
Tarifergänzungsvertrages. Als Basis dazu dienen u.a. die sowohl für
die Vertriebs- als auch die Zentralbereiche MBLF-weit für jeden
Mitarbeiter definierten Qualitätskenngrößen.
Weiter werden wir in Zusammenarbeit mit einem externen Unternehmen im ersten
Step deutschlandweit, dann europaweit Benchmarking betreiben, v.a. im Bereich
Prozessmanagement.
Die zunehmende Anzahl und Komplexität häufig parallel laufender
Projekte erfordert ein leistungsstarkes Multiprojektmanagement, das wir im
ersten Quartal 1999 mit Unterstützung einer externen Beratungsgesellschaft
optimieren werden.
Um die Mitarbeiter zeitnah und umfassend über die Aktivitäten im
Unternehmen zu informieren, jedem einen einheitlichen Informationsstand zu
ermöglichen und den Dialog zu fördern, werden wir zudem ein Konzept
zur internen Kommunikation entwickeln und umsetzen.
Vier Jahre TQM - das wird nicht das Ende sein Begibt sich ein
Unternehmen auf den wirklich langen Weg der Kontinuierlichen Verbesserung, muss
sich vor allem das Top-Management darüber im klaren sein, dass TQM nicht
als modisches Kurzfrist-Instrument verwendet werden kann. Bei TQM handelt es
sich mehr um eine innere Einstellung als um ein Wundermittel für
angeschlagene Unternehmen. Die Mercedes-Benz Lease Finanz hält sich mit
TQM aus einer überaus gesunden Position heraus fit für die Zukunft.
Die Vor-bildfunktion, das Commitment der gesamten Führung eines
Unternehmens ist dabei entscheidend, denn sie zeigt den Mitarbeitern durch
gutes Beispiel, dass der individuelle Einsatz letztendlich Voraussetzung
für die Verbesserung des ganzen Teams ist. Das EFQM-Modell ist für
TQM ein enorm hilfreiches Werkzeug, aber es liefert selbst keine Lösungen.
Bei allen Instrumenten, die zur Messung von Leistungen entwickelt werden,
dürfen die Messenden nicht das Instrument in den Vordergrund stellen,
sondern müssen sich immer bewusst sein, dass das, was gemessen wird, das
Ergebnis menschlichen Einsatzes ist. Bei TQM steht der Mensch im Mittelpunkt
und sein Wunsch, sich ständig zu verbessern. Aber der Mensch hat auch
Trägheitsmomente in sich, in Phasen des Gutgehens ist er nicht
immer bereit, sich nach vorne zu bewegen. Und so ist nach vier Jahren TQM nach
unserer Erfahrung das T für Total einzuschätzen. Es ist
der Ansporn, die Vision, die uns vorschwebt, auch wenn uns bewusst ist, dass
wir sie nie ganz erreichen. Denn dann hätten wir keinen Ansporn mehr.
Unternehmenssteckbrief Mercedes-Benz Lease Finanz
Gründung der Mercedes-Benz Finanz GmbH im Jahre 1987
Marktauftritt zusammen mit der Mercedes-Benz Leasing GmbH als
Mercedes-Benz Lease Finanz (MBLF)
Vorsitzender der Geschäftsführung und Gründungs mitglied
der MBLF: Heinz W. Kiefer
Weitere Geschäftsführer: Klaus Entenmann (Vertrieb /
Marketing), Michael Kempa (Kredit, Informationsmanagement, Finanzen), Wolfgang
Panni (debis leasing)
primärer Auftrag: Absatzunterstützung für Mercedes- Benz
Fahrzeuge durch kundenorientierte Finanzdienst leistungen
Resümee der MBLF im Jahr
1998:
Anstieg der Mitarbeiterzahl von 112 auf 629
Erhöhung des Vertragsbestands von 1,2 Mrd. DM auf 13,2 Mrd. DM
Anstieg des Fahrzeugbestandes von 37.000 auf 316.000 Einheiten
zweitgrößte Leasinggesellschaft Deutschlands bezogen auf das
Neugeschäft
breiteste Finanzdienstleistungspalette einer Fahrzeugmarke auf dem
deutschen Markt
Einbindung in die DaimlerChrysler AG über den
Finanzdienstleistungsbereich der debis AG. |
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