3/1998
Forum Wirtschaftsethik

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Editorial
Darf die Redaktion von Forum Wirtschaftsethik einen Wunsch äußern? Wir würden es begrüßen, wenn die Zeitschrift stärker ein Organ der Mitglieder im Netzwerk und der Leser werden könnte. Wir möchten Sie auffordern, kontroverse Positionen in das Heft einzubringen und auszutragen. Greifen Sie in die Tastatur und setzen Sie in der gebotenen Kürze von nicht mehr als 7000 Zeichen die Themen auf die Tagesordnung, die nach Ihrer Auffassung in einem Netzwerk Wirtschaftsethik diskutiert müssen. Agenda setting! Wir wissen aus Reaktionen von Lesern, daß sie auf interessante Fragestellungen aufmerksam gemacht werden wollen. Sie wollen im Forum Wirtschaftsethik die "Hits" der Zunft entdecken, seien es praktische Dilemmata oder theoretische Kontroversen. Wir erwarten Ihre Beiträge!

Die Themen dieser Ausgabe sind bereits Ergebnis einer Leserintervention: "Das Netzwerk Wirtschaftsethik darf sich doch nicht um ordnungspolitische Fragen herumdrücken!" Ist es nicht gerade das Geldsystem, das die Akteure der Marktwirtschaft in die ethischen Probleme treibt? Werden nicht die Arbeitsplätze vernichtet, weil mit spekulativem Geld mehr verdient ist als durch Investitionen in Arbeit? Geld regiert die Welt, aber nach welchen Regeln? Johannes Schmidt stellt in dieser Ausgabe Theorie und die Reformvorschläge der Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell vor, die derzeit eine gewisse Wiederbelebung erfahren.

"Der systematische Ort der Wirtschaftsethik ist die Rahmenordnung", so lautet das allseits bekannte Diktum von Karl Homann. Wer gestaltet aber diese Rahmenordnung? Dem Nationalstaat zerinnen im Globalisierungsschwung die Instrumente. Schlimmer noch, wer auf der politischen Bühne den Staat rhetorisch demontiert, kann auf Beifall hoffen. Udo Di Fabio, den die Teilnehmer der Jahrestagung kennengelernt haben, weist dem Staat seine Rolle in der globalen Wettbewerbsordnung zu. Wir sind auf Ihre Reaktionen gespannt und erwarten Ihre Texte.

Rainer Öhlschläger