Darf die Redaktion
von Forum Wirtschaftsethik einen Wunsch äußern? Wir würden
es begrüßen, wenn die Zeitschrift stärker ein Organ der
Mitglieder im Netzwerk und der Leser werden könnte. Wir möchten
Sie auffordern, kontroverse Positionen in das Heft einzubringen und
auszutragen. Greifen Sie in die Tastatur und setzen Sie in der gebotenen
Kürze von nicht mehr als 7000 Zeichen die Themen auf die
Tagesordnung, die nach Ihrer Auffassung in einem Netzwerk
Wirtschaftsethik diskutiert müssen. Agenda setting! Wir wissen aus
Reaktionen von Lesern, daß sie auf interessante Fragestellungen
aufmerksam gemacht werden wollen. Sie wollen im Forum Wirtschaftsethik
die "Hits" der Zunft entdecken, seien es praktische Dilemmata
oder theoretische Kontroversen. Wir erwarten Ihre Beiträge!
Die Themen dieser Ausgabe sind bereits Ergebnis einer
Leserintervention: "Das Netzwerk Wirtschaftsethik darf sich doch
nicht um ordnungspolitische Fragen herumdrücken!" Ist es nicht
gerade das Geldsystem, das die Akteure der Marktwirtschaft in die
ethischen Probleme treibt? Werden nicht die Arbeitsplätze
vernichtet, weil mit spekulativem Geld mehr verdient ist als durch
Investitionen in Arbeit? Geld regiert die Welt, aber nach welchen
Regeln? Johannes Schmidt stellt in dieser Ausgabe Theorie und die
Reformvorschläge der Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell vor,
die derzeit eine gewisse Wiederbelebung erfahren.
"Der systematische Ort der Wirtschaftsethik ist die
Rahmenordnung", so lautet das allseits bekannte Diktum von Karl
Homann. Wer gestaltet aber diese Rahmenordnung? Dem Nationalstaat
zerinnen im Globalisierungsschwung die Instrumente. Schlimmer noch, wer
auf der politischen Bühne den Staat rhetorisch demontiert, kann auf
Beifall hoffen. Udo Di Fabio, den die Teilnehmer der Jahrestagung
kennengelernt haben, weist dem Staat seine Rolle in der globalen
Wettbewerbsordnung zu. Wir sind auf Ihre Reaktionen gespannt und
erwarten Ihre Texte.
Rainer Öhlschläger |