3/1997
Forum Wirtschaftsethik

 
Editorial
Deutschland, Land der Theoretiker! Darin steckt Lob für Theoriefähigkeit und Tadel für Praxisunfähigkeit. Die Unternehmensethik scheint ein glänzender Beleg für den Satz zu sein. Während Amerika über Code of Ethics und deren Implementierung mittels Ethics Offices redete, kreuzten in Deutschland die Pros und Cons der kommunikationstheoretischen Begründung der Möglichkeit einer nichtinstrumentalistischen Unternehmensethik die Klinge. Wir alle lieben Karrikaturen.
Freilich ändert sich gegenwärtig der Charakter der unternehmensethischen Diskussion in Deutschland. Banken implementieren Compliance Programme. Die bayrische Bauwirtschaft hat ein EthikManagementSystem entwickelt. Etwa 20 ihrer Unternehmen haben sich bisher einem EthikAudit unterzogen. Die Liste solcher Ereignisse wäre verlängerbar.
Auch daran hat die unternehmensethische Diskussion des letzten Jahrzehnts offensichtlich ihren Anteil. Wichtiger aber ist, daß neue theoretische und praktische Fragestellungen auftauchen. Unternehmenskommunikation, Interne Revision, Controlling und Qualitätsmanagement etwa sind etablierte Themen der Betriebswirtschaft über die Unternehmensethik gegenwärtig in Unternehmen praktisch wird. Wie geht so etwas genau? Wer setzt Standards und kontrolliert sie? In den Antworten wird sich die Relevanz der theoretischen Unternehmensethik und auch des DNWE erweisen.

Josef Wieland