2/1999
Forum Wirtschaftsethik

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Markus Eisele / Johann-Peter Regelmann
Pressekonferenz zur Gründung des Zentrum für Wirtschaftsethik (ZfW) am 3. März 1999 in Frankfurt

Am 19.11.1998 hat das Deutsche Netzwerk Wirtschaftsethik - EBEN Deutschland e.V. ein wissenschaftli-ches Forschungsinstitut als Tochter-gesellschaft mit dem Status einer gGmbH und Sitz in Konstanz gegründet. Die Gründung wurde ermöglicht durch großzügige Spenden von Unternehmen der Wirtschaft. Als Geschäftsführer wurde Dr. Rainer Öhlschläger (Weingarten) und als Wissenschaft-licher Direktor Prof. Dr. habil. Josef Wieland (Konstanz) bestellt.
Das DNWE versammelt derzeit knapp 400 Mitglieder, darunter Fir-men wie AEG, HypoVereinsbank, Dresdner Bank, Commerzbank, DG Bank, Bosch, KPMG, Pricewater-houseCoopers, DaimlerChrysler, Procter&Gamble, Lufthansa und Siemens. Das Netzwerk vertritt den gesamten deutschsprachigen Raum im European Business Ethics Net-work (EBEN). Diese europäische Orientierung spiegelt sich auch in der Aufgabenstellung des ZfW wider. Zu seinen Arbeitsschwer-punkten werden gehören
– die Erarbeitung, Erforschung und Formulierung von Mindestanfor-derungen für die Entwicklung, Implementierung, Umsetzung und Auditierung unternehmens- und branchenspezifischer Ethikpro-gramme insbesondere auf der Ebe-ne der anwendungsorientierten Forschung in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und ihren Verbänden in Deutschland und Europa, – die Unterstützung und Beratung von Unternehmen, Verbänden und stattlichen Organisationen in Deutschland und der Europäischen Union bei der Konzipierung und praktischen Umsetzung spezi-fischer Ethikprogramme (z.B. EthikManagementSystem),
– die Entwicklung von Standards für die Seriosität solcher Program-me und ihrer Validierung (z.B. Ethi-cal Accounting, EthikAuditSystem) in Zusammenarbeit mit der in-ternationalen Wirtschaft, ihren Verbänden und Aus- und Fortbil-dungsinstituten,
– die Betreibung der Entwicklung und Durchführung von anwen-dungsorientierten Trainings- und Weiterbildungsprogrammen für Firmen, Verbände und Behörden in allen europäischen Staaten, und
– die Sammlung, Systematisierung und informationale Aufbereitung (als Bibliothek, Info-, Recherche-und Onlinedienst) der nationalen und internationalen unternehmen-sethischen Erfahrungen und Bestre-bungen aus Wirtschaft und Politik. Mit der Gründung des ZfW unter-streicht das DNWE seine Funktion als Netzwerk zur Generierung und zum Austausch von praxisorien-tiertem Wissen und Erfahrungen. Zugleich leistet es damit einen Bei-trag zur Lösung gesellschaftlicher und unternehmerischer Probleme, die sich aus der Globalisierung der Wirtschaft ergeben.
Ein erstes Projekt in diesem Bereich „Fairneß und Vertragstreue in deutsch-russischen Wirtschafts-beziehungen“ wird derzeit in Ko-operation mit der Körber-Stiftung (Hamburg) durchgeführt.
Zu den weiteren Startprojekten des ZfW zählen die Ver-anstaltung regelmäßiger Seminare zum Wertemanage-ment von Unternehmen und Organisationen im Bereich sozialer Dienstleistungen, eine ständige Arbeitsgruppe ‘Standards guter Unternehmensführung’ und die Vergabe eines von PricewaterhouseCoopers gestifteten Promotionsstipendiums zu den Auswirkungen des am 1. Mai 1998 in Kraft getretenen ‘Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG)’. Außerdem lobt das ZfW durch eine eigene Kommission den vom Evolutionsfond Apfelbaum gestifteten jähr-lichen ,Preis für praktische Wirtschaftsethik’ aus.
Dieser Text lag auf dem Pressegespräch des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik (DNWE) am 3. März 1999 vor, das auf Interesse bei den führenden Wirtschafts-zeitungen in Deutschland stieß. Im Frankfurter Presse-club stellten Professor Horst Steinmann und Professor Josef Wieland das ZfW vor. Als weitere Referenten waren Dr. Peter Wesner von der KPMG und Dr. Heiko Lange von der Lufthansa gewonnen worden. So wurde der Anspruch des ZfW auf eine enge Zusammenarbeit von Vertretern aus Theorie und Praxis auch im Presse-gespräch dokumentiert.
Mit wenigen Stichworten ließ sich den Journalisten der Problemdruck aus der Praxis deutlich machen: Umweltschutz, Korruption, Kinderarbeit oder humane Arbeitsbedingungen. Viele seriöse Unternehmen haben ein vitales Eigeninteresse daran, ethische Normen einzuhalten. Wie aber können Firmen regelkonformes Verhalten ihrer Mitarbeiter erreichen? Wie kann es gelin-gen, Ethik als integrales Management-Instrument zu etablieren? Während in den USAbusiness ethics schon seit langem in der Unternehmenspraxis eine Rolle spielt, gewinnt die Entwicklung in Deutschland mit dem DNWE und dem ZfW jetzt erst an Dynamik. Und Prof. Dr. Horst Steinmann betonte: „Das DNWE hat das Zentrum für Wirtschaftsethik (ZfW) mit Sitz in Konstanz gegründet, um Firmen bei praktikablen Lösungen in diesen Fragen zu unterstützen.“ Dem ZfW gehe es dabei um pragmatische Konzepte.
Professor Dr. Josef Wieland als Wissenschaftlicher Direktor des ZfW führte aus, die Komplexität der globalisierten Wirtschaft mache es zunehmend schwe-rer, die Implikationen des eigenen Handelns zu überblicken. Daraus resultierten eine Vielzahl von Problemen. Eine Hilfe für Unternehmen sieht Wieland in Ethikprogrammen.
Die Vernachlässigung von ethischer Orientierung sei nicht nur fragwürdig, sondern vor allem ökonomisch kontraproduktiv, betonte Dr. Peter Wesner, Vorstands-mitglied der KPMG Deutschland. In einer komplexeren Wirtschaftswelt würden Werte wie Vertrauen und Ver- läßlichkeit zu wertvollen Gütern. Durch eine ethisch umstrittene Unternehmensentscheidung könne die Reputation eines Unternehmens schnell zerstört wer-den. Angesichts des Beratungsbedarfs auf diesem Feld ist für Wesner ein Austausch von Theorie und Praxis unerläßlich. Deswegen unterstütze KPMG Deutschland das ZfW.
Dr. Heiko Lange, Vorstand der Deutschen Lufthansa AG und Kuratoriumsmitglied des DNWE, hob hervor, dass bei international agierenden Unternehmen auch kultu-relle Fragen eine wichtige Rolle spielten. Die Firmen sollten ihren Mitarbeitern in aller Welt verlässliche ethi-sche Grundlinien für ihr geschäftliches Handeln vorge-ben. Er sehe im DNWE und im ZfW einen notwendigen Sparringspartner für die Wirtschaft. Das Institut könne wertvolle Hilfe leisten bei dem schwierigen Versuch, eine verantwortungsbewußte Führung im Unterneh-men, aber auch ein verantwortungsvolles Handeln in den Geschäftsbeziehungen weltweit zu erreichen, so Lange.
In den Medien schlug sich die Veranstaltung in Berich-ten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, des Handels-blatt, der Süddeutschen Zeitung und der Welt nieder. Tenor: „Moral und Ethik gewinnen in der Weltwirt-schaft an Bedeutung“. Trotzdem stecke die Wirtschafts-ethik in Deutschland noch „in den Kinderschuhen“. Kritisch angemerkt wurde, dass sich dem DNWE „ge-rade mal 20 Unternehmen angeschlossen“ haben. Der Nutzen einer Mitgliedschaft sei den meisten Firmen „offenbar zu wenig greifbar, zu schwer messbar“, so die Welt. Die Süddeutsche Zeitung konstantierte denn auch, nach Ethik werde erst gefragt, „wenn es schmerzt“.
Das Pressegespräch war ein Erfolg insofern, als die führenden Wirtschaftszeitungen darüber berichteten. Zugleich zeigte sich, dass noch einiges an Aufklärungs-arbeit nötig ist, um den Wirtschaftsvertretern die Rele-vanz von Ethik plausibel zu machen. Aber darin besteht ja auch die Aufgabe des Zentrums für Wirtschaftsethik. Hier haben das DNWE und sein wissenschaftliches Institut ZfW noch eine wichtige Kommunikationsauf-gabe vor sich.


Markus Eisele
Ahrens & Behrent Agentur für Kommunikation GmbH
Stiftsstraße 8-10
D-60313 Frankfurt
Tel.: 069 - 92010-119
Fax: 069 - 92010-200 E-Mail Agentur@a-b.de

Dr. Johann-Peter Regelmann
(Anschrift wie Impressum)






Wir begrüßen als neue Mitglieder im Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik:

Arthur Andersen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mbH, Stuttgart

Bankgesellschaft Berlin AG, Berlin

Bayerische Landesbank, München

Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Köln

Wolfgang Bareiss, Kronhagen

Michael Behrent, Frankfurt

Markus Breuer, Köln

Franz-Josef Buller, Josef Buller GmbH Hamburg

Dr. Heinz-Horst Deichmann, Deichmann-Schuhe GmbH & Co Vertriebs KG, Essen

André Dörfler, Organisations- und Personalentwicklung, Wiesbaden

Andrea Eickmeier, München

Andreas Ersfeld, Eitorf

Bernd Hümmer, Roland Berger & Partner, Fürth

Dr. Hermann Josef Kirch, Wachenheim/Weinstrasse

Mi-Yong Lee, Heidelberg

Marcus Maier, Bamberg

Thorsten Milenz, Bremen

Juliane Pochowski, Search Partner Services, Frankfurt

Anja Poesch, Gemmrigheim

Martin Priebe, Stuttgart

Dr. Bruno Refisch, Betriebswirtschaftliches Institut der Bauindustrie Düsseldorf

Claus Rosenkranz, BRIDGE - Bremer Ideenforum Geisteswissenschaften e.V., Bremen

Dipl. Theol. Stephan Schirm, Würzburg

René Schmidpeter, Ingolstadt

Kerstin Schreiber, Niederkrüchten

Michaela Striebich, - Beratung, Training, Prozessbegleitung -, Heidelberg

Prof. Günter Thiele, Kath. FH Freiburg, Freiburg

Anka Vollmann, Berlin

Michaela Weber, Washington D.C.
 






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