2/1999
Forum Wirtschaftsethik

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Editorial
Das DNWE – Wo stehen wir heute?
Das Deutsche Netzwerk Wirtschaftsethik ist seit seiner Gründung 1993 kontinuierlich gewachsen und hat heute etwa 400 Mitglieder. Es sind in den letzten Jahren in schneller Folge eine Reihe von regionalen Arbeitskreisen und fachbezogenen Arbeitsgruppen entstanden, die mit ihrer eigenständigen Programmgestaltung (und zum Teil auch schon eigener Finanzierungsbasis) wesentlich zur Entlastung des Vorstandes beitragen. Alle diesen Gruppen sollen in Zukunft aber auch umgekehrt durch den Vorstand inhaltliche Unterstützung erfahren, indem die Fach- und Regionalkreise matrixartig vernetzt werden und eine Liste von Referenten aufgestellt wird, die bereit sind, auf ihrem jeweiligen Spezialgebiet die Arbeit der Basisgruppen zu unterstützen. Auch das „FORUM Wirtschaftsethik“ hat sich zu einer „innerlich“ und „äußerlich“ doch beachtlichen Mitgliederzeitschrift entwickelt, die von einem eigenständigen Redaktionsteam betreut wird. In dem Maße, wie sich die Arbeit der Basisgruppen intensiviert, wird diese Arbeit auch in unserer Mitgliederzeitschrift sicherlich einen noch deutlicheren Niederschlag finden. Ferner ist hervorzuheben, daß in unserer Schriftenreihe bereits die Folgen 6 und 7 in Vorbereitung sind. Schlußendlich haben auch unsere Jahrestagungen eine immer größere Attraktivität entfaltet; die diesjährige Tagung war mit 150 Teilnehmern – nicht nur Mitgliedern – gut besucht und ist auf ein außerordentlich positives Echo gestoßen. Und nicht zu vergessen: Das Zentrum für Wirtschaftsethik ist als wissenschaftliches Forschungsinstitut gegründet und hat seine Arbeit aufgenommen. Alles in allem – so denke ich – können wir eine recht positive Bilanz unserer bisherigen Arbeit ziehen. Dieses rasche Wachstum des Netzwerkes und seine interne Ausdifferenzierung im Hinblick auf Arbeitsgruppen und Leistungsspektrum bringt aber zwangsläufig auch Probleme mit sich. Wir haben nunmehr unsere Gründungsphase hinter uns gelassen und eine Entwicklungsstufe erreicht, wo – ähnlich wie bei neugegründeten und rasch wachsenden Unternehmen – eine ressourcenmäßige und organisatorische Konsolidierung immer unabweisbarer wird, ohne daß wir dabei unsere Wachstumsziele aus den Augen verlieren dürfen. Die Arbeit des Vorstandes wurde bisher ehrenamtlich wahrgenommen und das wird auch in Zukunft so bleiben müssen. Problematisch wird jedoch die Belastung der Geschäftsstelle, die bisher in großem Umfange durch die Fachhochschule Konstanz unterstützt wurde, wofür ausdrücklich Dank gesagt sei. Wir müssen aber versuchen, Schritt für Schritt eine breitere personelle Basis zu schaffen. Die Möglichkeiten, Spenden einzuwerben, sind beschränkt, obwohl wir hier seit Jahren eine beachtliche Unterstützung erfahren haben, insbesondere durch Herrn Dr. Schmidt von der Stiftung Apfelbaum. Dafür gilt es an dieser Stelle ausdrücklich Dank zu sagen. Es muß jetzt jedoch vermehrt darum gehen, Unternehmen für unser Netzwerk zu gewinnen. Ich glaube, daß unsere Arbeit inzwischen so attraktiv geworden ist, daß es in Zukunft leichter sein müßte, Zugang zu Unternehmern und Unternehmen zu finden, die unserer Arbeit nahestehen. Die formelle Gründung der Fachgruppe „Compliance bei Banken“ hat klar gezeigt, wie hier ein fruchtbarer wechselseitiger Leistungsaustausch zwischen Netzwerk und den Compliance Abteilungen der Banken aussehen kann. Dieses Beispiel macht auch deutlich, daß überall dort, wo im Bereich der Unternehmensethik Professionalisierungsprozesse einsetzen, die Chancen steigen, neue Mitglieder zu werben. Das ist auch die Erfahrung in den USA, wo seit Jahren eine ständig wachsende „Ethics-Officer- Association“ (mit mehr als 140 Unternehmen als Mitgliedern) existiert.

Trotz dieser wachstumsbedingten Schwierigkeiten bin ich aber zusammen mit den übrigen Vorstandsmitgliedern der Meinung, daß unser Netzwerk eine gedeihliche Zukunft vor sich hat. Dem neugewählten Vorstand gehören die Herren Dr. Dr. Bausch und Dr. Öhlschläger aus eigenem Entschluß nicht mehr an. Es ist mir ein großes Bedürfnis, beiden Herren für ihre langjährige uneigennützige und nachhaltige Unterstützung des Netzwerkes zu danken. Sie haben mit großem Einsatz ganz wesentlich dazu beigetragen, daß wir die schwierigen ersten Jahre der Anlaufphase erfolgreich bewältigen konnten. Gleichzeitig begrüße ich als neue Vorstandsmitglieder Herrn Dr. Michael Heinrich, Vorstandsmitglied bei der Müller Weingarten AG, und Herrn Stefan Jepsen, von Daimler-Benz InterServices AG in Berlin. Wie in der Vergangenheit werden wir alle im Vorstand unsere Arbeit auch in Zukunft der praktischen Fortentwicklung und theoretischen Verbreitung der Wirtschafts- und Unternehmensethik widmen. Bitte helfen Sie uns dabei!

Prof. Dr. Dr. h.c. Horst Steinmann






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