Das Deutsche Netzwerk
Wirtschaftsethik ist seit seiner Gründung 1993 kontinuierlich gewachsen
und hat heute etwa 400 Mitglieder. Es sind in den letzten Jahren in schneller
Folge eine Reihe von regionalen Arbeitskreisen und fachbezogenen Arbeitsgruppen
entstanden, die mit ihrer eigenständigen Programmgestaltung (und zum Teil
auch schon eigener Finanzierungsbasis) wesentlich zur Entlastung des Vorstandes
beitragen. Alle diesen Gruppen sollen in Zukunft aber auch umgekehrt durch den
Vorstand inhaltliche Unterstützung erfahren, indem die Fach- und
Regionalkreise matrixartig vernetzt werden und eine Liste von Referenten
aufgestellt wird, die bereit sind, auf ihrem jeweiligen Spezialgebiet die
Arbeit der Basisgruppen zu unterstützen. Auch das FORUM
Wirtschaftsethik hat sich zu einer innerlich und
äußerlich doch beachtlichen Mitgliederzeitschrift
entwickelt, die von einem eigenständigen Redaktionsteam betreut wird. In
dem Maße, wie sich die Arbeit der Basisgruppen intensiviert, wird diese
Arbeit auch in unserer Mitgliederzeitschrift sicherlich einen noch deutlicheren
Niederschlag finden. Ferner ist hervorzuheben, daß in unserer
Schriftenreihe bereits die Folgen 6 und 7 in Vorbereitung sind.
Schlußendlich haben auch unsere Jahrestagungen eine immer
größere Attraktivität entfaltet; die diesjährige Tagung
war mit 150 Teilnehmern nicht nur Mitgliedern gut besucht und ist
auf ein außerordentlich positives Echo gestoßen. Und nicht zu
vergessen: Das Zentrum für Wirtschaftsethik ist als wissenschaftliches
Forschungsinstitut gegründet und hat seine Arbeit aufgenommen. Alles in
allem so denke ich können wir eine recht positive Bilanz
unserer bisherigen Arbeit ziehen. Dieses rasche Wachstum des Netzwerkes und
seine interne Ausdifferenzierung im Hinblick auf Arbeitsgruppen und
Leistungsspektrum bringt aber zwangsläufig auch Probleme mit sich. Wir
haben nunmehr unsere Gründungsphase hinter uns gelassen und eine
Entwicklungsstufe erreicht, wo ähnlich wie bei neugegründeten
und rasch wachsenden Unternehmen eine ressourcenmäßige und
organisatorische Konsolidierung immer unabweisbarer wird, ohne daß wir
dabei unsere Wachstumsziele aus den Augen verlieren dürfen. Die Arbeit des
Vorstandes wurde bisher ehrenamtlich wahrgenommen und das wird auch in Zukunft
so bleiben müssen. Problematisch wird jedoch die Belastung der
Geschäftsstelle, die bisher in großem Umfange durch die
Fachhochschule Konstanz unterstützt wurde, wofür ausdrücklich
Dank gesagt sei. Wir müssen aber versuchen, Schritt für Schritt eine
breitere personelle Basis zu schaffen. Die Möglichkeiten, Spenden
einzuwerben, sind beschränkt, obwohl wir hier seit Jahren eine beachtliche
Unterstützung erfahren haben, insbesondere durch Herrn Dr. Schmidt von der
Stiftung Apfelbaum. Dafür gilt es an dieser Stelle ausdrücklich Dank
zu sagen. Es muß jetzt jedoch vermehrt darum gehen, Unternehmen für
unser Netzwerk zu gewinnen. Ich glaube, daß unsere Arbeit inzwischen so
attraktiv geworden ist, daß es in Zukunft leichter sein müßte,
Zugang zu Unternehmern und Unternehmen zu finden, die unserer Arbeit
nahestehen. Die formelle Gründung der Fachgruppe Compliance bei
Banken hat klar gezeigt, wie hier ein fruchtbarer wechselseitiger
Leistungsaustausch zwischen Netzwerk und den Compliance Abteilungen der Banken
aussehen kann. Dieses Beispiel macht auch deutlich, daß überall
dort, wo im Bereich der Unternehmensethik Professionalisierungsprozesse
einsetzen, die Chancen steigen, neue Mitglieder zu werben. Das ist auch die
Erfahrung in den USA, wo seit Jahren eine ständig wachsende
Ethics-Officer- Association (mit mehr als 140 Unternehmen als
Mitgliedern) existiert.
Trotz dieser wachstumsbedingten Schwierigkeiten bin ich aber zusammen mit den
übrigen Vorstandsmitgliedern der Meinung, daß unser Netzwerk eine
gedeihliche Zukunft vor sich hat. Dem neugewählten Vorstand gehören
die Herren Dr. Dr. Bausch und Dr. Öhlschläger aus eigenem
Entschluß nicht mehr an. Es ist mir ein großes Bedürfnis,
beiden Herren für ihre langjährige uneigennützige und
nachhaltige Unterstützung des Netzwerkes zu danken. Sie haben mit
großem Einsatz ganz wesentlich dazu beigetragen, daß wir die
schwierigen ersten Jahre der Anlaufphase erfolgreich bewältigen konnten.
Gleichzeitig begrüße ich als neue Vorstandsmitglieder Herrn Dr.
Michael Heinrich, Vorstandsmitglied bei der Müller Weingarten AG, und
Herrn Stefan Jepsen, von Daimler-Benz InterServices AG in Berlin. Wie in der
Vergangenheit werden wir alle im Vorstand unsere Arbeit auch in Zukunft der
praktischen Fortentwicklung und theoretischen Verbreitung der Wirtschafts- und
Unternehmensethik widmen. Bitte helfen Sie uns dabei!
Prof. Dr. Dr. h.c. Horst Steinmann |