|
| Forum Wirtschaftsethik |
| Kann Wirtschaft böse
sein? Das hat man von der Behauptung, Unternehmen seien moralische Akteure. Ein Veranstalter aus der Zunft der Psychologen bat mich um einen Vortrag zu eben diesem Thema: "Das Böse in der Wirtschaft, böse Unternehmen". Freilich kann ich mir manche bösen Menschen in Unternehmen vorstellen, die andere mit Absicht und planend schaden wollen. Den Terminus "Böse" auf die Wirtschaft oder auf einzelne Unternehmen übertragen zu wollen, erscheint mir dagegen ungeheuer pathetisch. Dazu kann ich nicht reden und will es auch nicht. Ich bin immer noch der Auffassung, dass all die moralischen Probleme der Unternehmen präziser beschrieben werden können: etwa mit Korruption, Umweltverschmutzung, mangelnder Lohngerechtigkeit etc. Dabei möchte ich persönlich bleiben. In den siebziger Jahren erschien ein Buch des politischen Publizisten Peter Bender, in dem er das Ende des Ost-West-Konfliktes überschrieb mit dem Titel "Das Ende des ideologischen Zeitalters". Die Sprachwaffen der (Wirtschafts-)Systeme wurden abgerüstet. Bleibt es dabei? Ich meine, die Lust mancher öffentlicher Menschen zu verspüren, wieder wortgewaltiger auftreten zu wollen. Dazu gibt es - zugegeben- in Wirtschaft und Politik Anlass; Anlass zur Empörung. Mir wäre dennoch unwohl, wenn unser Netzwerk Wirtschaftsethik, das sich um Standards ethischen Verhaltens bemüht, die Plattform für selbsternannte "Gutmenschen" böte, ein Label "Böse-Siegel" für Unternehmen und Wirtschaftsstrukturen zu verleihen. "Kann denn Wirtschaft Sünde sein?..." Wie geht es Ihnen mit solchen Begriffen? Rainer Öhlschläger |
© Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Impressum