|
| Forum Wirtschaftsethik |
| Ronald
Brügmann Verstehen und Verständigung - Die Rolle der Ethik im Austausch der Kulturen Björn Engholm und Dr. Klaus Murmann diskutieren bei der Gründungssitzung der Regionalgruppe/Sektion Nord des "Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik" in Kiel "Wer nicht mehr naiv ist, ist für das Leben verloren!", konterte Björn Engholm die Vorhaltungen seiner Mitstreiter auf dem prominent besetzten Podium. Der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident war gestern gemeinsam mit Dr. Klaus Murmann, dem langjährigen BDA-Präsidenten, Dr. Annette Kleinfeld, Vorstandsmitglied des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) und Roland Bickmann, Unternehmensberater und Publizist aus Hamburg zu einer Diskussionsveranstaltung nach Strande (bei Kiel) gekommen. Über 70 interessierte Gäste folgten dem Diskurs "Verstehen und Verständigung - Die Rolle der Ethik im Austausch der Kulturen". Im Mittelpunkt stand die Vereinbarkeit von ethischen Grundsätzen und wirtschaftlicher Realität. Wie Frau Dr. Kleinfeld einleitend bemerkte, finden sogenannte "Business-Ethics-Initiativen" als originär amerikanischer Trend in Form von Ethik-Kodizes, Ethik-Programmen und Ethik-Audits auch in Deutschland zunehmend Beachtung. Der Zeitverzug ist schwer nachvollziehbar, liegen doch laut Engholm die Wurzeln dieser Bewegung bei den deutschen Ethikern Kant, Jonas und Weber. Unabhängig davon konstatierte er ein Versagen der imperativen Ethik durch nationale Gesetze und Richtlinien im Zeitalter der Globalisierung. Engholm sieht hier jedoch eine Chance für Unternehmen und Unternehmer, das entstandene Vakuum mit eigenen ethischen Standards zu füllen. Murmann, obwohl in der Analyse mit Engholm einig, widersprach dessen Optimismus bezüglich der Akzeptanz von ethischem Überlegungen in der Wirtschaft, insbesondere im weltweiten Maßstab. Auch Bickmann riet aus seiner Erfahrung als Unternehmensberater zur Differenzierung: "Der Verhaltensunterschied zwischen einem mittelständischen, persönlich haftenden Gesellschafter und einem Raffzahn-Manager mit Zeitvertrag' innerhalb einer Aktiengesellschaft ist enorm!". Mit der aktuellen Diskussion über die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter sowie dem Dauerthema Bauindustrie (Bickmann: "Deutsche Baukonzerne sind Marktführer in Sachen Korruption") hatte er zwei prägnante Antibeispiele zum Thema Unternehmensethik parat. Dennoch, es gab auch Positives zu vermelden: Engholm nannte die Lübecker Draegerwerk AG als gutes Beispiel für ethisch orientierte Unternehmensführung, Kleinfeld führte das "EthikManagementSystem" des Verbandes der bayerischen Bauindustrie ins Felde und Murmann lobte den ethischen Konsens zwischen Management und Gewerkschaften bei der von ihm betreuten Sanierung des Bielefelder Maschinenbauers Gildemeister. Laut Murmann wird sich dieser weitgehende gesellschaftliche Konsens in Sachen Moral, Verantwortung und Ethik in Deutschland längerfristig nicht nur in den Unternehmen durchsetzen, sondern sich gar zunehmend als Wettbewerbsvorteil erweisen. Ein führender japanischer Manager habe ihm bei seinem Abschied aus Deutschland verraten, dass japanische Unternehmen vor allem deshalb kaum in Ostdeutschland investierten, weil sie Angst hätten, sich dem Wettbewerb mit ihren Lehrmeistern zu stellen. "Die vielgerühmten japanischen Tugenden stammen eigentlich aus Deutschland und sind folglich bei uns Deutschen ohnehin genetisch verankert", so sein hoffnungsvolles, wenn auch leicht ironisches Resümee. |
| Kontakt /
Autorenanschrift DNWE Nord c/o Bickmann & Collegen Unternehmensberatung Theodorstraße 42 - 90, Haus 4a - I D-22761 Hamburg-Bahrenfeld Tel.: +49 40 89 71 25-0, -24, Fax.: -55 e-mail: Mail@Bickmann.de Internet: http://www.Bickmann.de |
© Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Impressum