Ethik-Preis
für Josef Wieland
Ministerpräsident Teufel hielt die Festrede
Über eine weitere bundesweite Anerkennung kann sich nicht nur die
Fachhochschule Konstanz freuen: Prof. Dr. habil. Josef Wieland, der 2.
Vorsitzende des DNWE, wurde mit dem "Max-Weber-Preis für
Wirtschaftsethik 1998" ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand am 9.
November 1998 am Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln statt, die
Festrede hielt der baden- württembergische Ministerpräsident Erwin
Teufel.
Der mit 10.000 Mark dotierte Preis wird vom Wuppertaler Unternehmer Klaus Tesch
gestiftet und alle zwei Jahre vergeben. Damit sollen nicht nur herausragende
Veröffentlichungen zur Wirtschaftsethik ausgezeichnet werden, der Preis
soll auch "einen Beitrag zur Erinnerung an das geistige Erbe Max Webers
unter besonderer Berücksichtigung des unternehmerischen Handelns zwischen
ökonomischer und sozialer Verantwortung" leisten, so der
Ausschreibungstext.
Herr Wieland erhielt den Preis für seine Habilitationsschrift und für
sein Wirken insgesamt auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Unternehmensethik.
Seit 1995 lehrt er dieses Fach an der Fachhochschule Konstanz. Es ist die erste
und in diesem Profil bisher einzige Professur für Wirtschafts- und
Unternehmensethik an einer bundesdeutschen Hochschule.
Die Laudatio beim Festakt in Köln hielt Prof. Dr. Karl Homann von der
Katholischen Universität Eichstätt. Der Preisträger habe sich
"große Verdienste bei der Einführung amerikanischer Business
Ethics in die deutsche Diskussion erworben". Sein "groß
angelegter Theorieentwurf" lasse Raum für die "Abstützung
der Unternehmensethik durch die traditionelle Ordnungspolitik und
Ordnungsethik, für die wachsende Bedeutung von Organisationen, die Moral
integrieren, und für die Erprobung von Problemlösungen" in der
wettbewerblichen Praxis, sagte Laudator Homann. Neu an den Forschungen Wielands
sei "die theoretische Integration" ethischer Maximen "in die
ökonomische Theorie: Sie erlaubt es, die Sachverhalte diskursiv zu
entwickeln, sie der kritischen Diskussion zu unterwerfen und auf diese Weise
die künftigen Führungskräfte schon in ihrer akademischen
Ausbildung mit solchen Überlegungen vertraut zu machen".
Josef Wieland, 1951 in Bedburg bei Erfurt geboren, studierte nach einer
zehnjährigen Tätigkeit als Industriekaufmann Ökonomie und
Philosophie an der Universität Wuppertal. Er promovierte 1985, die
Habilitation erfolgte 1995. Zwischen 1985 und 1990 war er wissenschaftlicher
Mitarbeiter in Wuppertal im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, von 1990 bis
1995 leitete er die Forschungsstelle für Wirtschaftsethik an der
Universität Münster. Er ist Mitglied in zahlreichen
wissenschaftlichen Gesellschaften und Kommissionen und leitet auch die
Geschäftsstelle des "Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik" mit
Sitz an der Fachhochschule Konstanz. Zu seinen neuesten Forschungsprojekten
zählen die Ausarbeitung von Ethik-Management- und Ethik-Audit-Systemen
für die Industrie. Das von ihm ausgearbeitete Ethik-Management-System
für die bayrische Bauindustrie hat mittlerweile bundesweit
Modellcharakter. Derzeit erarbeitet er im Auftrag der Jabloko-Fraktion der
russischen Duma einen wirtschaftsethisch untermauerten Maßstabskatalog
zur "Vertrags- und Vertrauenskultur in deutsch-russischen
Wirtschaftsbeziehungen".
In Konstanz leitet Herr Wieland weiterhin das "KIEM - Konstanz Institut
für WerteManagement" und als Forschungsdirektor das soeben
gegründete "ZfW - Zentrum für Wirtschaftsethik", das
wissenschaftliche Forschungsinstitut des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik.
Durch seine Initiative wurde auch 1996 das 1999 zum dritten Mal stattfindende
"Ethikforum Euregio Bodensee" etabliert, auf dem Vertreter aus
Unternehmen, Hochschulen, Politik und Verbänden die neuesten Trends auf
dem Gebiet der Wirtschafts- und Unternehmensethik analysieren und ihre
Umsetzung in die Praxis überprüfen.
Darüber hinaus engagiert sich Professor Wieland im Rahmen des
Weiterbildungsprogramms des Studienzentrums Schloß Langenrain: Sowohl im
"Kontaktstudium Management" als auch im Kontaktstudium "Master
of Business Communication" hält er Vorlesungen über
Unternehmensethik, Unternehmenskultur und Interkulturelle Kommunikation.
Für das DNWE organisiert und leitet er zudem noch die jährliche
"Herbstakademie für Wirtschaftsethik", eine Institution, die der
Förderung des besonders begabten und interessierten wissenschaftlichen und
ökonomischen Nachwuchses durch gesponsorte Teilnahme dient und in den
Räumen der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Weingarten
stattfindet.
Die Fachhochschule Konstanz reagiert mit Freude und Genugtuung auf die
Verleihung des "Max-Weber-Preises" an Professor Wieland. Man sei
"stolz, seinerzeit den Mut gehabt zu haben, eine solche Professur für
Wirtschafts- und Unternehmensethik eingerichtet zu haben und ausgesprochen
glücklich, daß Professor Wieland dieses Fach an unserer Hochschule
lehrt", sagt Rektor Professor Olaf Harder. Das Fach sei von den
Studierenden "ausgesprochen gut angenommen worden".
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