1/1999
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Ethik-Preis für Josef Wieland
Ministerpräsident Teufel hielt die Festrede

Über eine weitere bundesweite Anerkennung kann sich nicht nur die Fachhochschule Konstanz freuen: Prof. Dr. habil. Josef Wieland, der 2. Vorsitzende des DNWE, wurde mit dem "Max-Weber-Preis für Wirtschaftsethik 1998" ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand am 9. November 1998 am Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln statt, die Festrede hielt der baden- württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel.

Der mit 10.000 Mark dotierte Preis wird vom Wuppertaler Unternehmer Klaus Tesch gestiftet und alle zwei Jahre vergeben. Damit sollen nicht nur herausragende Veröffentlichungen zur Wirtschaftsethik ausgezeichnet werden, der Preis soll auch "einen Beitrag zur Erinnerung an das geistige Erbe Max Webers unter besonderer Berücksichtigung des unternehmerischen Handelns zwischen ökonomischer und sozialer Verantwortung" leisten, so der Ausschreibungstext.

Herr Wieland erhielt den Preis für seine Habilitationsschrift und für sein Wirken insgesamt auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Unternehmensethik. Seit 1995 lehrt er dieses Fach an der Fachhochschule Konstanz. Es ist die erste und in diesem Profil bisher einzige Professur für Wirtschafts- und Unternehmensethik an einer bundesdeutschen Hochschule.

Die Laudatio beim Festakt in Köln hielt Prof. Dr. Karl Homann von der Katholischen Universität Eichstätt. Der Preisträger habe sich "große Verdienste bei der Einführung amerikanischer Business Ethics in die deutsche Diskussion erworben". Sein "groß angelegter Theorieentwurf" lasse Raum für die "Abstützung der Unternehmensethik durch die traditionelle Ordnungspolitik und Ordnungsethik, für die wachsende Bedeutung von Organisationen, die Moral integrieren, und für die Erprobung von Problemlösungen" in der wettbewerblichen Praxis, sagte Laudator Homann. Neu an den Forschungen Wielands sei "die theoretische Integration" ethischer Maximen "in die ökonomische Theorie: Sie erlaubt es, die Sachverhalte diskursiv zu entwickeln, sie der kritischen Diskussion zu unterwerfen und auf diese Weise die künftigen Führungskräfte schon in ihrer akademischen Ausbildung mit solchen Überlegungen vertraut zu machen".

Josef Wieland, 1951 in Bedburg bei Erfurt geboren, studierte nach einer zehnjährigen Tätigkeit als Industriekaufmann Ökonomie und Philosophie an der Universität Wuppertal. Er promovierte 1985, die Habilitation erfolgte 1995. Zwischen 1985 und 1990 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter in Wuppertal im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, von 1990 bis 1995 leitete er die Forschungsstelle für Wirtschaftsethik an der Universität Münster. Er ist Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften und Kommissionen und leitet auch die Geschäftsstelle des "Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik" mit Sitz an der Fachhochschule Konstanz. Zu seinen neuesten Forschungsprojekten zählen die Ausarbeitung von Ethik-Management- und Ethik-Audit-Systemen für die Industrie. Das von ihm ausgearbeitete Ethik-Management-System für die bayrische Bauindustrie hat mittlerweile bundesweit Modellcharakter. Derzeit erarbeitet er im Auftrag der Jabloko-Fraktion der russischen Duma einen wirtschaftsethisch untermauerten Maßstabskatalog zur "Vertrags- und Vertrauenskultur in deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen".

In Konstanz leitet Herr Wieland weiterhin das "KIEM - Konstanz Institut für WerteManagement" und als Forschungsdirektor das soeben gegründete "ZfW - Zentrum für Wirtschaftsethik", das wissenschaftliche Forschungsinstitut des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik. Durch seine Initiative wurde auch 1996 das 1999 zum dritten Mal stattfindende "Ethikforum Euregio Bodensee" etabliert, auf dem Vertreter aus Unternehmen, Hochschulen, Politik und Verbänden die neuesten Trends auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Unternehmensethik analysieren und ihre Umsetzung in die Praxis überprüfen.

Darüber hinaus engagiert sich Professor Wieland im Rahmen des Weiterbildungsprogramms des Studienzentrums Schloß Langenrain: Sowohl im "Kontaktstudium Management" als auch im Kontaktstudium "Master of Business Communication" hält er Vorlesungen über Unternehmensethik, Unternehmenskultur und Interkulturelle Kommunikation. Für das DNWE organisiert und leitet er zudem noch die jährliche "Herbstakademie für Wirtschaftsethik", eine Institution, die der Förderung des besonders begabten und interessierten wissenschaftlichen und ökonomischen Nachwuchses durch gesponsorte Teilnahme dient und in den Räumen der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Weingarten stattfindet.

Die Fachhochschule Konstanz reagiert mit Freude und Genugtuung auf die Verleihung des "Max-Weber-Preises" an Professor Wieland. Man sei "stolz, seinerzeit den Mut gehabt zu haben, eine solche Professur für Wirtschafts- und Unternehmensethik eingerichtet zu haben und ausgesprochen glücklich, daß Professor Wieland dieses Fach an unserer Hochschule lehrt", sagt Rektor Professor Olaf Harder. Das Fach sei von den Studierenden "ausgesprochen gut angenommen worden".