Die "Soziale
Marktwirtschaft" ist in die Jahre gekommen. Als Müller-Armack diesen
Begriff im Jahre 1946 in die nationalökonomische Debatte einbrachte, um
damit einen von Deutschland einzuschlagenden "dritten Weg" zwischen
Kapitalismus und Kommunismus zu benennen, da konnte er nicht ahnen, wie
langlebig und erfolgreich dieses Ordnungskonzept einmal sein würde. Der
Begriff "Soziale Marktwirtschaft" wurde zum Synonym für die
bundesdeutsche Wirtschaftspolitik nach dem Kriege.
Über den wahren Einfluß dieses Konzeptes kann man freilich streiten.
Die wirtschaftswissenschaftliche Diskussion wird durch die angelsächsische
neoklassiche Theorie beherrscht. In den siebziger Jahren gelangte der
Keynesianismus zu erheblicher Bedeutung. Über viele Jahre hinweg setzten
sich daher nur wenige Forscher intensiv mit den geistigen Grundlagen der
"Sozialen Marktwirtschaft" auseinander.
Nach der "Wende" änderte sich dies schlagartig. Die
"Soziale Marktwirtschaft" wurde zum "Exportschlager"
für die neuen Bundesländer. Auch die wissenschaftliche Diskussion hat
in dieser Zeit wieder verstärkt eingesetzt und hält bis heute an.
Dabei stellt sich die zentrale Frage, ob das Konzept "Soziale
Marktwirtschaft" auch fünfzig Jahre nach seiner ersten Formulierung
soviel Gestaltungspotential in sich birgt, daß mit seiner Hilfe
Zukunftsfragen sachgerecht und menschengerecht bearbeitet werden können.
Die Redaktion des Forum Wirtschaftsethik freut sich, kompetente Autoren
gefunden zu haben, die die Zukunftsfähigkeit des Konzeptes von
verschiedenen Seiten her beleuchten und kritisch hinterfragen. Sie hofft,
daß diese Beiträge zum Weiterdenken anregen und vielleicht auch
kritische Stellungnahmen evozieren. Der "Sozialen Marktwirtschaft"
kann dies nur guttun.
Eckart Müller |