Bernd Rettberg und
Ulrike Niedergesäß Der HAGE II Dialog von Procter &
Gamble - Analyse eines Unternehmensdialogs
1. Dialog braucht Evaluation
Eine Unternehmensethik, die sich als "Verfahrenslehre für
Dialogprozesse" versteht und darauf abzielt, konsensfähige bzw.
sozialverträgliche Strategien des Unternehmens zu entwickeln, muß in
geeigneten Foren bzw. durch geeignete Instrumente in der Praxis umgesetzt
werden. Nur so kann der eigene Anspruch eingelöst werden.
Präsenzveranstaltungen, in denen "argumentative Dialoge" mit
gesellschaftlichen Meinungsführern, Bürgern, Kritikern usw. in praxi
stattfinden können, spielen hierbei eine zentrale Rolle. In der Literatur
zur Unternehmensethik oder auch zum gesellschaftsorientierten Management oder
Marketing werden solche Verfahren nahezu durchgehend gefordert und gerade in
jüngster Zeit wurde auch der systematische Stellenwert von Dialogverfahren
deutlich herausgearbeitet.1 Es mangelt jedoch an
theoretisch fundierten Hinweisen zur Gestaltung solcher Verfahren. Neben der
Planung und Durchführung ist es vor allem die Evaluation, die in den Fokus
der Forschung rückt. Der Ausspruch von Karl Homann "Ethik ohne Kontrolle
ist nichts wert"2 kann auch mutatis mutandis als
Aufforderung gedeutet werden, ethisch motivierte Aktivitäten von
Unternehmen prozeß- und ergebnisorientiert zu kontrollieren bzw. zu
evaluieren. Betrachtet man nun Unternehmensdialoge, wie sie bspw. Procter
& Gamble seit zehn Jahren aus unterschiedlichen Anlässen
durchführt, so werden an diese aus normativer Perspektive besondere
Ansprüche gestellt. Unternehmensdialoge erfordern gewissermassen ein
"dialogisches" Management inklusive einer "dialoggerechten" Evaluation. Der
vorliegende Beitrag will vor diesem Hintergrund beispielhaft den Ablauf eines
Unternehmensdialogs kursorisch beschreiben und erste Ansätze und
ausgewählte Ergebnisse einer prozeß- und ergebnisorientierten
Evaluation aufzeigen, auf deren Grundlage vorsichtige Überlegungen zu
Gestaltungsimplikationen für Unternehmensdialoge angestellt werden.
2. Hautpflege und Gesundheit - Unternehmensdialog zur Zukunft von
Haut- und Haarpflegeprodukten
Mit dem Unternehmensdialog HAGE II - Hautpflege und Gesundheit -
wollte Procter & Gamble der vielfältigen gesellschaftlichen
Meinungsbildung in einem geplanten und wissenschaftlich unterstützten
Dialog ein Forum bieten. Damit wurde die seit 10 Jahren von Procter &
Gamble gepflegte Dialogtradition (ERBE, WAGE, HAGE) fortgesetzt.3 HAGE II stellte in diesem Zusammenhang eine
Weiterführung des HAGE I Dialogs - Haarpflege und Gesundheit - dar, der im
Juni 1993 stattfand. Inhaltlich setzte sich HAGE II mit dem Themenfeld Haut
bzw. Hautpflege auseinander, das Aspekte von Haar und Haarpflege mit einbezieht
und war somit gegenüber HAGE I thematisch sehr viel weiter gefaßt
worden. Für HAGE II als erneute Dialoginitiative von Procter &
Gamble gab es - im Gegensatz zu HAGE I - keine akuten und speziellen
Kontroversen zwischen P & G und einzelnen Marktpartnern oder kritischen
Teilen der Öffentlichkeit und damit keinen aktuellen Anlaß.
HAGE II sollte ein Kommunikationsverfahren bieten, in dem sich Experten und
Meinungsführer über grundlegende Aspekte und Problematiken in
bezug auf Haut- und Haarpflege der Zukunft zusammenfinden und austauschen
können. Der Workshop selbst fand am 27. und 28.02.1996 in Hannover statt
und wurde von Frau Prof. Dr. Ursula Hansen moderiert und verantwortlich
durchgeführt.
3. Anspruch und Wirklichkeit - Ausgewählte Ergebnisse der
Evaluation des HAGE II Dialogs
3.1 Begriffsbestimmung von Unternehmensdialogen Im
Rahmen eines DFG-Projektes, das vom Lehrstuhl für Markt und Konsum in
Kooperation mit dem imug e. V. Hannover durchgeführt wird, wurde mit HAGE
II erstmalig ein Unternehmensdialog wissenschaftlich begleitet und evaluiert.4 Wir definieren Unternehmensdialoge wie folgt:5 Unternehmensdialoge sind besondere Verfahren,
in denen Unternehmen mit den relevanten gesellschaftlichen Interessengruppen
situative und strukturelle Probleme thematisieren, die sich aus der
unternehmerischen Leistungserstellung und -verwertung ergeben haben oder
ergeben könnten, mit dem Ziel, wechselseitig Positionen und Interessen zu
verstehen und wenn möglich umsetzbare Lösungsansätze zu
erarbeiten.6 Wenn es darum geht,
Unternehmensdialoge in die Praxis umzusetzen, sind eine Reihe von
Gestaltungskriterien zu beachten. Diese Kriterien müssen während des
gesamten Prozesses "dialogisch orientiert" sein.7
So hat beispielsweise Procter & Gamble die Organisation der
Unternehmensdialoge nahezu komplett fremdvergeben, um zu unterstreichen,
daß es sich hier nicht um eine gewöhnliche PR-Maßnahme
handelt. Deutet man Unternehmensdialoge von ihren Ergebnissen her als
potentiell strategiekritisch, ist dies eine bemerkenswerte Vorgehensweise.8 Anliegen der Forschung war die Frage nach
Gestaltungskriterien für Unternehmensdialoge. Anhaltspunkte sollten
gefunden werden, wie Dialogverfahren erfolgsfördernd auszugestalten sind
und welche Gestaltungselemente bzw. -prozesse sich dabei als kritisch
andeuten.9 Ein besonderes Augenmerk galt dabei
der Zufriedenheit der Beteiligten mit dem HAGE II Dialog. Hierzu wurden im
Vorfeld Interviews mit den Teilnehmern durchgeführt, die Veranstaltung
selbst wurde teilnehmend beobachtet und im Nachhinein wurden die
Dialogteilnehmer schriftlich mit einem Fragebogen oder in erneuten Interviews
befragt. Ein Ausschnitt der Ergebnisse wird im folgenden vorgestellt. Der
Schwerpunkt lag also auf qualitativen Evaluationsverfahren, bei denen die
Interpretationsleistung im Vordergrund steht. 3.2 Aspekte der
Beurteilung durch Teilnehmer und Unternehmensvertreter In diesem Punkt
sollen lediglich einige Charts präsentiert werden, die auf der Grundlage
der Auswertung der schriftlichen Befragung der Dialogteilnehmer erstellt
wurden. Die Beurteilung der befragten Unternehmensvertreter wich nicht
signifikant von der hier festgestellten Beurteilung ab. Positiv zu vermerken
ist allerdings, daß die Unternehmensvertreter mit dem Verfahren und sich
selbst sehr streng ins Gericht gegangen sind. Eine ausführliche
Interpretation findet sich in dem demnächst erscheinenden Berichtsband zum
HAGE II Dialog.10 Am HAGE
II Dialogworkshop haben 47 Personen teilgenommen. Sie wurden unter dem
Gesichtspunkt der Betroffenheit mit dem Ziel ausgewählt, das gesamte
Meinungsspektrum der relevanten Anspruchsgruppen abzudecken.
Die folgenden Abbildungen zeigen, welche Ziele die Teilnehmer für den HAGE
II Dialog hatten und wie sie mit den Ergebnissen des HAGE II Workshops
zufrieden waren. Hierzu ist anzumerken, daß die Befragung ca. zwei Wochen
nach dem Workshop durchgeführt wurde. Es ist zu vermuten, daß sich
die Zufriedenheiten im Zeitablauf noch verändern können, da sich
zeigen muß, ob die Ergebnisse auch praktische und wahrnehmbare
Konsequenzen haben.
Abbildung 1: Ziele für den HAGE II
Dialogworkshop.
Abbildung 2: Gesamtzufriedenheit mit den
Ergebnissen des HAGE II Workshops.
4. Gestaltungsimplikationen für Unternehmensdialoge
Auch wenn es keine "Patentrezepte" für die Initiierung und
Durchführung von Unternehmensdialogen gibt, vermuten wir doch, daß
es bei der Gestaltung solcher Verfahren bestimmte Kriterien gibt, die ihren
Erfolg befördern. Im folgenden sollen daher potentiell
erfolgsfördernde Gestaltungsimplikationen gegeben werden, die aus den
Ergebnissen der schriftlichen und mündlichen Befragung abgeleitet wurden.
Die Suche nach solchen Dialogerfolgsfaktoren soll ansetzen:
- bei der Bereitstellung von Potientialen zu denen
Merkmale der Beteiligten, d. h. der Interessengruppen, der
Unternehmensvertreter und der Moderation gehören,
- bei der Gestaltung des Dialogumfeldes, womit vor allem
das initiierende Unternehmen gemeint ist.
- bei der Gestaltung des Dialogprozesses. Hier sei nicht
nur der Ablauf des Dialogforums oder der Dialogforen gemeint, sondern der
gesamte Prozeß des Dialogs von der ersten Idee bis zur Umsetzung der
Ergebnisse.
4.1 Die Bereitstellung von Potentialen Bezogen
auf die Interessengruppen bzw. die Teilnehmer lassen sich aufgrund der
Ergebnisse der Begleitforschung die folgenden Faktoren als
erfolgsbegünstigend vermuten:
- Zusammensetzung der Teilnehmer
- fachliche und kommunikative Kompetenz der Teilnehmer
- Status der Teilnehmer
- Dialogbereitschaft der Teilnehmer
Hinsichtlich der Zusammensetzung der Teilnehmer erscheint
es als bedeutsam, ein ausgewogenes und vollständiges Spektrum von
Repräsentanten meinungsbildender Institutionen für den Dialog zu
gewinnen, die über Kompetenzen in fachlicher und kommunikativer
Hinsicht verfügen. Die Teilnehmer haben hinsichtlich ihres Status eine
eigene Attraktionswirkung aufeinander. Dies erweist sich möglicherweise
vor allem in der Vorbereitungsphase als wichtig, wenn es gilt, den als relevant
erachteten Vertretern Anreize für die Teilnahme zu bieten. Hier wiederum
ist es u. U. aus Sicht des Unternehmens vorteilhaft, bereits ein existierendes
Netzwerk zu haben, aus dem heraus Personen mit "Magnetcharakter" rekrutiert
werden können. Als wichtig eingestuft wurde - sowohl in der Umfrage
als auch in den Äußerungen der interviewten Personen - die
grundsätzlicheDialogbereitschaft der Teilnehmer. Dies heißt
nicht, daß permanent dialogisch kommuniziert werden soll, sondern
unterstreicht die grundsätzliche Bereitschaft, sich mit den Meinungen
anderer auseinanderzusetzen und die Regeln des Dialogs einzuhalten sowie eine
positive Einstellung gegenüber dem Dialog an sich. Die folgenden
potentiellen Dialogerfolgsfaktoren lassen sich bezogen auf die
Unternehmensvertreter formulieren:
- Ernstnahme des Dialogs durch die anwesenden
Unternehmensvertreter
- Entscheidungskompetenz der Unternehmensvertreter
- fachliche und kommunikative Kompetenz der Unternehmensvertreter
Die Teilnehmer des HAGE II Dialogs erachteten die Ernstnahme des
Dialogs durch die anwesenden Unternehmensvertreter als besonders wichtig; dicht
gefolgt von der Entscheidungs- und Fachkompetenz und anderen Items ("sich auf
andere einlassen", "Kritikfähigkeit"), die sich mit kommunikativer
Kompetenz beschreiben lassen. "Dialoggerechte" Einstellung und
situativ angemessene Kompetenzen der Unternehmensvertreter sind u. E. wichtig
für den Erfolg des Unternehmensdialogverfahrens. Genauso wie bei den
anderen Teilnehmern übt auch der Status der erwarteten
Unternehmensvertreter eine Anziehungswirkung auf die Teilnehmer aus und
fungiert somit in der Vorbereitungsphase als Anreiz. Insgesamt läßt
sich bezogen auf die Unternehmensvertreter festhalten, daß sie eine
exponierte Rolle spielen, die über eine reine Präsenz hinausgeht. Sie
werden von den anderen als, so formulierte es die Moderatorin in einem
Interview, "Vertreter der Dialogkultur" wahrgenommen und sollten sich
selbst als ebensolche begreifen. Bezogen auf die Moderation lassen sich
folgende Faktoren als erfolgsförderlich vermuten:
- sozialer Status
- Neutralität und Akzeptanz des Moderators
- Moderationskompetenzen
Der soziale Status des Moderators übt im Vorfeld
vielleicht die stärkste Attraktionswirkung aus, verleiht dem Moderator
während des Dialogforums ein gewisses Durchsetzungsvermögen und kann
auch die bei der Verbreitung der Dialogergebnisse hilfreich sein. Weiterhin
sollte die Person neutral sein. Ein Moderator sollte die
entprechenden sozialen und kommunikativen Kompetenzen haben. Darüber
hinaus sind jedoch auch solche Kompetenzen erforderlich, die es ihm
ermöglichen, den Prozeß insgesamt zu organisieren. Die Person des
Moderators scheint besonders wichtig zu sein und sollte daher mit
größter Sorgfalt ausgewählt werden. 4.2 Die
Gestaltung des Dialogumfeldes Ein Unternehmensdialogverfahren - mit
definiertem Anfang und Ende - sollte Teil eines langfristigen Dialogkonzeptes
sein. Dieses findet seinen Bezugspunkt in der Unternehmensstrategie und
letztlich in einer dialogorientierten Unternehmenspolitik. Ein möglicher
Erfolgsfaktor hinsichtlich des Dialogumfeldes ist:
- Einbindung des Unternehmensdialogverfahrens in ein
strategisches Unternehmenskonzept Aus Sicht der Beteiligten läßt
eine zielorientierte Herangehensweise des Unternehmens vermuten,
daß der Dialog mit der notwendigen Ernsthaftigkeit geführt wird. In
der Begleitforschung zu HAGE II wurde deutlich, daß Zielorientierung
und "Flagge zeigen oder Farbe bekennen" des Unternehmens P & G von den
Dialogteilnehmern durchaus als positiv angesehen wird. Die Bedeutung
derEinbindung von Unternehmensdialogen in ein strategisches Konzept kann
auch dadurch begründet werden, daß Strategieanbindung dem
Unternehmensdialog einen langfristigen Charakter gibt, der - so wurde in
mehreren Interviews vermutet - dazu beiträgt, daß sich auf
gesellschaftlicher Ebene die Entwicklung einer positiven Atmosphäre bzw.
einer positiven Konfliktkultur als langfristiger Erfolg einstellen kann.
Den Einfluß der Ergebnisse des HAGE II Dialogworkshops auf
die Unternehmenspolitik von Procter & Gamble schätzten die Befragten
wie folgt ein:
Abbildung 3: Vermuteter Einfluß der
Ergebnisse des HAGE II Workshops auf die Unternehmenspolitik von P & G.
4.3 Gestaltung des Dialogprozesses Die
professionelle Gestaltung des Dialogprozesses kann nach unserer Auffassung
maßgeblich dazu beitragen, daß sich während der
Dialogveranstaltung selbst die vorhandenen Potentiale entfalten können und
ein erfolgreicher Dialog möglich wird. Als Kriterien erscheinen uns hier
vor allem Elemente im Rahmen der Vorstrukturierung relevant zu sein:
- Thematik
- frühzeitige Einbindung der Teilnehmer
- Spielregeln
- Workshopsequenzen
- Rahmenbedingungen
Besondere Sorgfalt muß bei einem Dialogverfahren
offensichtlich auf die Eingrenzung des Themas gelegt werden. Versteht
man einen Sensibilisierungsdialog wie HAGE II als "Such- und
Entdeckungsprozeß", in dem das Thema zwar grob vorgegeben ist, jedoch im
Verlauf des Workshops erst konkretisiert und ausgeleuchtet wird, verlagert sich
die Eingrenzung möglicherweise zum großen Teil in die Veranstaltung
selbst. Eine frühzeitige Einbindung der Teilnehmer in den
Dialog erscheint uns als weiterer Erfolgsfaktor für Unternehmensdialoge.
Gerade in Sensibilisierungsdialogen scheint dies von großer Bedeutung.
Die Spielregeln des Dialogs sollen gewährleisten, daß
eine solche Veranstaltung den normativen Dialogansprüchen genügen
kann. Sie wurden von den befragten Personen als wichtig erachtet.
Bezüglich der Workshopsequenzen - d. h. der Aneinanderreihung und
der zeitlichen Gewichtung - mit denen die ganze Veranstaltung entscheidend
vorstrukturiert wird, ist das Verhältnis von Input in Form von
Vorträgen usw. und Aktivität der Teilnehmer und Gruppen- und
Plenumssequenzen zu bedenken. Inputs sollten vorher darauf geprüft werden,
ob sie einen direkten Nutzen für den Verlauf des Workshops haben bzw.
sinnvoll einzubinden sind. Deutlich wurde aus den Antworten aller Beteiligten,
daß der "Dialog" selbst im Zentrum stehen muß. Arbeitsgruppen,
Plenumsdiskussionen und auch die Möglichkeit zu informellen Kontakten sind
integraler Bestandteil und von daher mit besonderer Sorgfalt zu durchdenken und
konsequent in ein Gesamtkonzept zu integrieren. Die Einschätzung der
Rahmenbedingungen als Erfolgsfaktor ist insofern unsicher, als diese von
den Teilnehmern als vergleichsweise wenig wichtig eingeschätzt wurden. Es
kann vermutet werden, daß es sich bei den Rahmenbedingungen um sogenannte
"Hygienefaktoren" handelt, die zwar - wenn sie als positiv eingeschätzt
werden - keine Zufriedenheit bewirken, die aber - wenn sie negativ
eingeschätzt werden - durchaus zu Unzufriedenheit führen
können.11
5. Dialog braucht Kreativität
Zusammenfassend läßt sich vermuten, daß eine
Beachtung der genannten Faktoren zum Erfolg von Unternehmensdialogen
beiträgt. Dennoch ist jeder Unternehmensdialog ein Unikat, ein Kunstwerk.
Es kann für die Durchführung von Unternehmensdialogen keinen "one
best way" geben. Unternehmensdialoge sind vor allem kreative und
unkonventionelle Verfahren, ausgezeichnet durch Ergebnisoffenheit und
Ergebnisorientierung durch Prozeßoffenheit und Prozeßsteuerung.
Wohlverstandene und kompetent durchgeführte Unternehmensdialoge sind
geeignet, eine Unternehmensethik, die sich als präskriptive
Verfahrensethik versteht, zu fördern. Durch das Aufeinandertreffen des
Unternehmens mit wichtigen Interessengruppen und der Veröffentlichung der
Ergebnisse können bestehende Strategien legitimiert oder modifiziert und
zukünftige Strategien gemeinsam formuliert werden. Nicht immer werden
Unternehmensdialoge solche Ansprüche einlösen können. Je nach
Anlaß kann daher auch lediglich ein Kennenlernen der Dialogpartner oder
ein Austausch von bislang zurückgehaltenen Informationen o. ä. Erfolg
im Sinne der Ziele eines ethisch motiviert handelnden Unternehmens sein.
Unterschiedliche Formen brauchen daher unterschiedliche
Erfolgsmaßstäbe, die sich im Verfahren wiederum ändern
können. "Wer Akzeptanz will, darf sie nicht wollen."12 Dieses Zitat, in dem Akzeptanz auch durch Legitimation ersetzt
werden könnte, kommt einer Handlungsaufforderung an Unternehmen gleich,
nämlich nicht (monologisch) um Verständnis zu werben und Positives
herauszustellen, sondern im Gespräch (dialogisch) in einem gemeinsamen
Erfahrungsraum Transparenz zu schaffen, neue Wege zu entdecken und somit
Akzeptanz und Legitimation zu erlangen. Einen solchen Erfahrungsraum, in dem
letztlich Kreativität und Dialogorientierung im Zentrum stehen, bilden
Unternehmensdialoge. Wann dieser Raum zu betreten ist und wie er auszugestalten
ist, muß dann im Einzelfall entschieden werden. Kontrolle zeigt dann, ob
die Aktivitäten in dem Erfahrungsraum mit den Zielen der Beteiligten in
Einklang zu bringen sind und wo noch Entwicklungspotentiale für
zukünftige Verfahren liegen. Anmerkungen:
1 Vgl. hierzu die Nürnberger Dissertation
von Ansgar Zerfaß, 1996. 2 Homann,
1996, S. 126. Es handelt sich hierbei um eine Äußerung im Rahmen
eines Interviews mit dem Managermagazin. 3
Vgl. v. Weizsäcker, 1988, 1989, 1991; Steinmann/Zerfaß; 1991,
Hansen/Schoenheit, 1994. 4 Das DFG Projekt
"Der Unternehmensdialog als besonderes Verfahren im Rahmen der Gestaltung der
Umweltbeziehungen" läuft seit April 1995 am Lehrstuhl für Markt und
Konsum der Universität Hannover in Kooperation mit dem imug e. V.
(Institut für Markt Umwelt Gesellschaft), Hannover. Vgl. Hansen et al.
1994. 5 Vgl. Hansen et al., 1996, S. 311. In
der dortigen Begriffsbestimmung findet sich noch der Passus "..von Unternehmen
initiiert...". Dieser hat sich mittlerweile als nicht zentral für die
Definition herausgestellt, da das Feld der Erkenntnisobjekte dadurch zu sehr
eingeengt wird und die Initiationsaktivität im Einzelfall nur schwer zu
erkennen ist. 6 Eine Charakterisierung der
einzelnen Elemente und eine Einordnung des Unternehmensdialogverfahrens im
Kontext von Unternehmensstrategie und -philosophie kann hier nicht vorgenommen
werden. Vgl. dazu ausführlich Hansen et al. 1996 u. 1995, Zerfaß
1996, S. 438 ff., Zerfaß/Scherer, 1995, S. 502 ff.,
Steinmann/Zerfaß, 1993. 7 Vgl.
Hansen/Schoenheit 1994, Im Rahmen des HAGE I Dialogs wurden die sog. DOFIN
Prinzipien der gesellschaftlichenUnternehmenskommunikation formuliert, die u.
a. diese Anforderung beinhalten. 8 So wurde
bspw. während der HAGE II Dialogtagung eine von der Moderatorin angewandte
Technik (Punktabfrage zur Gewichtung unterschiedlicher Problemfelder) von
einigen Teilnehmern kritisch beurteilt. Aus der Situation heraus wurde
entschieden, die Ergebnisse der Abfrage nicht im Plenum zu thematisieren. Vgl.
Rettberg/Niedergesäß, 1996. 9
Vgl. Zerfaß, 1996, S. 457. Die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit
der praktischen Ausgestaltung von Unternehmensdialogen wurde zuletzt von Ansgar
Zerfaß festgestellt. 10 Vg. Hansen,
1996. 11 Vgl. Herzberg, 1968, S. 55ff.
12 Röglin, 1995, S. 68.
Literatur: Hansen, U. (1996) (Hrsg.): HAGE II
- Hautpflege und Gesundheit - was künftig unter die Haut geht? In
Vorbereitung. Hansen, U./Niedergesäß, U./Rettberg, B. (1996):
Dialogische Kommunikationsverfahren zur Vorbeugung und Bewältigung von
Umweltskandalen: Das Beispiel des Unternehmensdialoges, in: Bentele,
G./Steinmann, H./Zerfaß, A. (Hrsg.): Dialogorientierte
Unternehmenskommunikation, Grundlagen - Praxiserfahrungen - Perspektiven,
Berlin, 1996, S. 307 - 331. Hansen, U./Niedergesäß,
U./Rettberg, B./Schoenheit, I. (1994): Der Unternehmensdialog als besonderes
Verfahren im Rahmen der Gestaltung der Umweltbeziehungen.
Unveröffentlichter Projektantrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft
(DFG), Hannover. Hansen, U./Niedergesäß, U./Rettberg,
B./Schoenheit, I. (1995): Unternehmensdialoge als besondere Verfahren im Rahmen
des Interessenausgleichs zwischen Unternehmen und Gesellschaft, in: Hansen, U.
(Hrsg.): Verbraucher- und umweltorientiertes Marketing, Stuttgart 1995, S. 109
- 125. Hansen, U.; Schoenheit, I. (1994): HAGE. Haarpflege und Gesundheit
- ein haariges Thema. Grundlagen und Ergebnisse eines Dialogprogramms,
Hannover. Herzberg, F. (1968): One more time: How do you motivate
employees? in: Harvard Business Review, S. 53 - 62. Homann, K. (1996):
Ethik ohne Kontrolle ist nichts wert. Interview abgedruckt im Managermagazin
August 1996, 26. Jg., S. 126 - 129. Rettberg, B./Niedergesäß,
U. (1996): Der Dialog: Besonderes Verfahren oder schlichte Kosmetik?, in
Hansen, U. (Hrsg.): HAGE II: Hautpflege und Gesundheit - was künftig unter
die Haut geht. Röglin, H.-C. (1996): Die Öffentlichkeitsarbeit
und das Konzept der kühnen Konzepte, in: Bentele, G./Steinmann,
H./Zerfaß, A. (Hrsg.): Dialogorientierte Unternehmenskommunikation,
Grundlagen - Praxiserfahrungen - Perspektiven, Berlin, 1996, S. 229 - 244.
Steinmann, H./Zerfaß, A. (Hrsg.) (1991): Selbsmedikation bei
Erkältungskrankheiten. Grundlagen und Ergebnisse eines Dialogprogramms,
Stuttgart. Steinmann, H./Zerfaß, A. (1993): Privates Unternehmertum
und öffentliches Interesse, in: Wagner, G.R. (Hrsg.): Betriebswirtschaft
und Umweltschutz, Stuttgart, S. 3 - 26. Weizsäcker, E. U. v. (Hrsg.)
(1988): Waschen und Gewässerschutz, 2. Auflage, Karlsruhe.
Weizsäcker, E. U. v. (Hrsg.) (1989): Gutes Trinkwasser - wie
schützen?, Karlsruhe. Weizsäcker, E. U. v. (Hrsg.) (1991):
Weniger Abfall - Gute Entsorgung, Karlsruhe. Zerfaß, A. (1996):
Unternehmensführung und Öffentlichkeitsarbeit. Grundlegungen einer
Theorie der Unternehmenskommunikation und Public Relations, Opladen.
Zerfaß, A./Scherer, A.G. (1995): Unternehmensführung und
Öffentlichkeitsarbeit, in: Die Betriebswirtschaft, 55. Jg., Heft 4, S. 427
- 554. Bernd Rettberg, Ulrike Niedergesäß;
Institut für Markt, Umwelt, Gesellschaft e.V. (imug), Escherstraße
23, 30159 Hannover; Tel: 0511/91115-0, Fax: 0511/91115-95; Email:
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