Geschichte

Veranstaltungen

Vortragsreihe "Revolution! Aufstände und Protestbewegungen in Oberschwaben"

Rote Fahnen über Oberschwaben

Revolution und Räte 1918/19

Vortrag von Dr. Elmar L. Kuhn (Meersburg)

Oberschwaben galt und gilt als konservative Landschaft. Vor dem Ersten Weltkrieg erhielt die katholische Zentrumspartei in allen oberschwäbischen Oberämtern mehr als 80 Prozent der Wählerstimmen. Dennoch wehten im November und Dezember 1918 rote Fahnen von den Rathäusern in Friedrichshafen, Ravensburg, Leutkirch, Wangen und Waldsee, in Friedrichshafen sogar "von den Zinnen des Schlosses". Friedrichshafen wurde neben Stuttgart, Kiel und München als "Hochburg des revolutionären Vortrupps" bezeichnet. Hier wurden am frühesten im Reich revolutionäre Forderungen erhoben, hier wurde einer der ersten Arbeiterräte gewählt. In den anderen oberschwäbischen Städten dauerte es länger.
Radikalität und zeitweiliger Einfluss der Räte hingen von der Stärke der Arbeiterschaft in den einzelnen Oberämtern und Städten ab. Das Spektrum reichte von den Revolutionsführern der KPD und USPD in Friedrichshafen bis zu vom Zentrum geführten Räten in Leutkirch, Riedlingen und Wangen. Mit dem Ergebnis der Revolution war auch in Oberschwaben niemand zufrieden: die Arbeiter nicht, weil sie wenigstens mehr Reformen erwartet hatten; Bürger und Bauern nicht, weil sie zwar Frieden, aber keine Republik wollten.
Der Vortrag schildert die Ereignisse in Oberschwaben, das Wirken der Räte und das Verhalten der Arbeiter, der kommunalen Verwaltungen, der Bürger, Bauern und Soldaten.

Dr. Elmar L. Kuhn
war von 1979 bis 2009 Kreisarchivar und Leiter des Kulturamtes Bodenseekreis und von 2010 bis 2014 Vorsitzender der Gesellschaft Oberschwaben.

Eintritt frei - Spenden willkommen.

Programm der Vortragsreihe


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Arbeitskreis für hagiographische Fragen

Der Wert des Heiligen

Spirituelle, materielle und ökonomische Verflechtungen

Heiligkeit, verstanden als Wert, manifestiert sich im ‚Verdienst' eines Heiligen. Der materiell-spirituelle Doppelsinn dieses Begriffs hat das Heiligkeitsverständnis der Kirche geprägt: Heiligkeit ist ethisch begründet und zugleich materiell verrechenbar. Oft wird das Wesen des Heiligenkultes auf die materielle Komponente reduziert. Statt nach der Ökonomisierung des spirituellen Heils fragt die Tagung präziser nach den Wertbezügen des Sacrum im Spannungsverhältnis von Spiritualität, Materialität und Ökonomie.
In Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für hagiographische Fragen

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Öffentlicher Vortrag im Rahmen des Bodenseefestivals

101 Jahre Russische Revolution

Geschichte, Erinnerung und aktuelle Politik

Im Jahr 1917 erschütterte die Russische Revolution das Zarenreich und die ganze Welt. Auch über hundert Jahre später sind ihre Nachwirkungen in Gesellschaft, Politik und Kultur noch spürbar. Der Slawist Ulrich Schmid (St. Gallen) wagt einen Blick auf die langfristigen Folgen der Revolution und fragt unter anderem: Wer erinnert (sich) wie an die Ereignisse des Jahres 1917? Welche Rolle spielt die Russische Revolution in der aktuellen russischen Geschichtspolitik?

Eintritt frei - Spenden willkommen.

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Veranstaltungs-Dokumentationen

22.03.2018, 19:00 Uhr - 22:00 Uhr, Weingarten
Vortragsreihe "Revolution! Aufstände und Protestbewegungen in Oberschwaben"

Doppelvortrag zu 1848 in Oberschwaben

1848. Politischer Aufbruch in Oberschwaben
Vortrag von Dr. Nikolaus Back (Filderstadt)

Nach einem langen Reformstau im Vormärz überstürzten sich im März 1848 die Ereignisse. Auch in Oberschwaben kam es in dieser Zeit zu zahlreichen politischen Versammlungen und teilweise auch zu Unruhen. Die Politisierung 1848/49 erreichte auch die Kleinstädte und ländlichen Gebiete. Seit der Aufhebung der Zensur erlebten Zeitungen einen Aufschwung; politische Vereine wurden gegründet, die aufmerksam das politische Geschehen verfolgten. Trotz der Niederlage der Revolution 1848/49 blieb die für Oberschwaben bedeutsame Ablösung von Zehnt und Grundherrschaften bestehen. Zum langfristigen Erbe der Revolution von 1848 zählen vor allem die Grund- und Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat.

Eine lokale Fallstudie ergänzt den regionalhistorischen Vortrag:

Die Bürgerrevolution von 1848/49 am Beispiel von Stadt und Landkreis Lindau
Vortrag von Karl Schweizer (Lindau)

Waren es in Bayerns einziger Bodenseestadt Lindau zu Beginn eher Vertreter der bürgerlichen Oberschicht, welche die rebellischen Verlautbarungen und Aktionen prägten, so änderte sich dies bis zum Frühjahr 1849. Die Gründung eines Lindauer Märzvereins 1849 war personell deutlich durch das handwerklich geprägte Kleinbürgertum der Stadt bestimmt. Nun tauchten in Flugblättern auch Aussagen zur Gleichberechtigung der Jüdinnen und Juden und zur Lage der Arbeiter auf. Eine große regionale Kundgebung sollte helfen, die März-Errungenschaften von 1848 zu retten.


Dr. Nikolaus Back
leitet das Stadtarchiv Filderstadt und das FilderStadtMuseum.

Karl Schweizer
ist Lokalhistoriker in Lindau und Herausgeber der Edition Inseltor Lindau.

Eintritt frei - Spenden willkommen.

Programm der Vortragsreihe

20.03.2018, 19:00 Uhr - 22:00 Uhr, Stuttgart-Hohenheim
Offene Veranstaltung

Warum Frauenbewegungen in Vergessenheit geraten oder auch nicht

Die Rolle von aktivem Gedenken und Medien

Öffentlicher Vortrag von Prof. Dr. Susanne Kinnebrock (Augsburg) im Rahmen der Fachtagung "Verzicht auf Traditionsstiftung und Erinnerungsarbeit?"

200 Jahre Karl Marx, 100 Jahre Novemberrevolution oder 50 Jahre 1968: Die Massemedien werden sich auch dieses Jahr überschlagen mit Beiträgen, die das Gedenken an zentrale Figuren und Prozesse der deutschen Geschichte wachhalten. Wichtige historische Ereignisse der Frauenbewegung - wie 125 Jahre "Die Frau", 100 Jahre Frauenwahlrecht oder 50 Jahre Tomatenwurf - werden mutmaßlich deutlich weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sie sind im hiesigen kollektiven Gedächtnis weniger fest verankert.
Im Vortrag wird dargelegt, was das kollektive Gedächtnis auszeichnet, welche Inhalte darin bevorzugt bewahrt werden und vor allem welche Rolle Medien dabei spielen. Denn es sind die Massenmedien, die immer wieder Öffentlichkeit für gesellschaftliche Themen herstellen, bestimmte Aspekte der Vergangenheit reaktualisieren, andere dafür aber ausblenden. Dabei orientieren sich Massenmedien weniger an der historischen Bedeutsamkeit bestimmter Figuren und Prozesse, sondern vor allem an aktuellen Relevanzstrukturen und grundlegenden Medienlogiken. Wie das genau funktioniert ,wird anhand einiger Fallbeispiele aus der ersten deutschen Frauenbewegung illustriert. Dabei wird aufgezeigt, wie eine bewusste Erinnerungsarbeit und ein frühzeitiger "Gedenkaktivismus" mediale Darstellungen und kollektives Gedächtnis beeinflussen können.

Anschließend kleiner Imbiss.

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19.03.2018, 12:00 Uhr - 21.03.2018, 14:00 Uhr, Stuttgart-Hohenheim
Veranstaltungen für ExpertInnen

Verzicht auf Traditionsstiftung und Erinnerungsarbeit?

Narrative der europäischen Frauenbewegung im 19. und 20. Jahrhundert

Als sich in den 1970er Jahren die zweite Frauenbewegung auf den politischen Bühnen Europas Gehör verschaffte, verstand sie sich weitgehend als neue Bewegung ohne historische Vorläufer. Wie kam es dazu? Auf welche Weise wurde die erste Frauenbewegung tradiert? Wo liegen die (verschleierten) Schnittstellen zwischen den Frauenbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts?
In Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg, der Universität der Bundeswehr München und dem Verein Frauen und Geschichte Baden-Württemberg

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