Projekt

„Schatz des Orients“
Begegnung mit den altorientalischen und orthodoxen Christen und Kirchen in Baden-Württemberg

In Deutschland leben fast zwei Millionen orthodoxe und altorientalische Christen. Obwohl sie zum großen Teil aus Ländern kommen, die auch als „Wiege des Christentums“ bezeichnet werden, gibt es in unserer Gesellschaft eine breite Unkenntnis ihres Glaubens, ihrer Kultur und ihrer Bräuche. Die Präsenz dieser Christen gibt uns allen Anlass, unseren etwas einseitigen ökumenischen Blick über die Kirchen der Reformation hinaus zu richten und diese Menschen, ihre Kultur und ihr religiöses Selbstverständnis in der direkten Begegnung zunächst besser kennenzulernen. Die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart möchte dieses Kennenlernen fördern, neue Wege gehen und ihren Beitrag durch das Projekt „Schatz des Orients“ leisten.

Das Hauptziel dieses Projekts ist es zuvorderst, dieser „Unsichtbarkeit“ der altorientalischen und orthodoxen Kirchen entgegenzuwirken. Um diesem Defizit konstruktiv zu begegnen, werden von der Akademie verschiedene Veranstaltungen organisiert, die das Kennenlernen und die Präsentation der Ostkirchen und ihrer Christen sowie ihrer Strukturen nach außen hin ermöglichen. Erst wenn die orthodoxen und altorientalischen Christen tatsächlich mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und in den Medien erreicht haben, ist es möglich, mit ihnen gemeinsam an weiteren Projekten zu arbeiten. Ein letztes, weiterführendes Ziel ist es, die altorientalischen und orthodoxen Christen mitsamt ihren Strukturen an kommunale sowie ehrenamtliche Flüchtlings- und Integrationsarbeit heranzuführen und somit gesellschaftlich zu aktivieren.

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart – Hauptabteilung VII – Glaubensfragen und Ökumene, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Baden-Württemberg (ACK), dem Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (DiMOE) und dem Internationalen Konvent christlicher Gemeinden Württemberg (IKCGW) verwirklicht. Es bestehen zudem zahlreiche weitere Anknüpfungspunkte für Kooperationen mit staatlichen Institutionen aus Politik, Recht, Wissenschaft sowie eine Chance auf interkonfessionelle, interreligiöse und interkulturelle Zusammenarbeit.

Projektleitung

Photo of Dr. Vladimir  Latinovic
Dr. Vladimir Latinovic
Projektleiter
Tel.: +49 711 1640 756
Fax: Fax: +49 711 1640 844
latinovic@akademie-rs.de


„Ostkirchlichen Woche“ vom 25. Juni bis 2. Juli 2017

 Veranstaltungen bei den ostkirchlichen Gemeinden

© A. Davey (Flickr)Die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart wird zusammen mit den Vertretern der Ostkirchen im Rahmen einer „Ostkirchlichen Woche“ vom 25. Juni bis 2. Juli 2017 verschiedene Veranstaltungen organisieren, die das Kennenlernen dieser Christen und die Präsentation ihrer Kirchen ermöglichen. Während dieser Woche werden fünf Tage lang in den ostkirchlichen Gemeinden an verschiedenen Orten dezentrale Veranstaltungen organisiert.

So können Interessierte im Rahmen dieser Veranstaltungen unter anderem verschiedene altorientalische und orthodoxe Gemeinden im Raum Stuttgart (aber auch in anderen Städten) bei einem „Tag der offenen Tür“ besuchen. Zudem werden Vorträge und Führungen, Jugendveranstaltungen und eine Stunde der Ikonenmalerei angeboten. Während dieser Woche soll nicht nur der – für sie selbst immens bedeutungsvolle – Glaube dieser Christen zur Sprache kommen, sondern auch ihr kulturelles Erbe in seiner Eigenheit und Vielfalt erlebbar werden.

Daneben gibt es verschiedene kulturelle Veranstaltungen, die vorzugsweise mit einem Aspekt ostkirchlicher Religion verbunden sind, z. B. Konzerte geistlicher (Chor-)Musik. Welche konkreten Veranstaltungen wir geplant haben, sehen Sie unten in der Rubrik „Veranstaltungen“. Diese Liste wird aktualisiert; bis Ende Juni werden weitere Veranstaltungen hinzukommen.

 

Tagung 1. bis 2. Juli 2017 Schatz des Orients 

Begegnung mit Glaube, Kultur und Leben der altorientalischen und orthodoxen Christen

© Saint-Petersburg Theological Academy (Flickr)Zum Abschluss der Ostkirchlichen Woche findet vom 1. bis 2. Juli 2017 im Tagungszentrum Hohenheim eine Tagung mit dem Titel „Schatz des Orients: Begegnung mit Glaube, Kultur und Leben der altorientalischen und orthodoxen Christen“ statt. Sie wird stark die persönlichen, biografischen Erfahrungen und Geschichten der orthodoxen und altorientalischen Christen in den Blick nehmen. Teilnehmer erhalten die seltene Gelegenheit, ein anderes, persönlicheres Gesicht der Ostkirchen kennenzulernen, welches man nicht allein aus Büchern und Statistiken erfahren kann.

Um das Kennenlernen dieser Christen zu ermöglichen, werden wir bei der Tagung verschiedene Facetten des altorientalischen und orthodoxen Gemeindelebens präsentieren. Es werden thematische Podien zu den Themen Jugend-, Kinder- und Laienarbeit sowie zum orthodoxen Religionsunterricht stattfinden. Als Referenten konnten wir Personen gewinnen, die mit christlichen Flüchtlingen aus dem Nahen Osten arbeiten sowie orthodoxe Wissenschaftler und Bischöfe. Besonders hervorheben möchten wir eine Sitzung, in der wir die Rolle der Ehefrau des Priesters in den ostkirchlichen Gemeinden thematisieren und darstellen. Daneben gibt es verschiedene Möglichkeiten, bei denen die Tagungsteilnehmer direkt ins Gespräch mit Flüchtlingen, Laien, Sozialarbeitern und ostkirchlichen Studenten kommen können. 

Neben den altorientalischen und orthodoxen Christen werden wir auch diejenigen einheimischen Christen einladen, die ihr Leben und ihre Karriere der Beziehung zu den Ostkirchen und ihren Gläubigen gewidmet haben. Wir wollen, dass diese Menschen, die Brückenbauer zwischen West- und Ostkirchen sind, uns über ihren Weg und ihre Erfahrungen bei der Arbeit mit den Ostkirchen berichten. So werden verschiedene evangelische und katholische Projekte vorgestellt, die die Unterstützung der altorientalischen und orthodoxen Christen zum Ziel haben. Neben weiteren prominenten Gästen werden an diesen Podien auch Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg) und Landesbischof Frank Otfried July (Stuttgart) sowie mehrere ostkirchliche Bischöfe teilnehmen.

Programm und Anmeldung

Bei Fragen können Sie sich gerne an den Projektleiter, Herrn Dr. Vladimir Latinovic wenden.
latinovic@akademie-rs.de

 

Arbeitsgruppe

Flüchtlings- und Integrationsarbeit

© Trocaire (Flickr)In den letzten Jahren wurde in den Medien oft darüber berichtet, dass Christen in den Flüchtlingsunterkünften unter Übergriffen und Beleidigungen zu leiden hätten. Obwohl man einigen dieser Berichte zunächst mit Vorsicht begegnen sollte, ist eines wohl sicher: Die Christen und Muslime, die aus dem Nahen Osten nach Deutschland kommen, transportieren in gewissem Maße auch die Konflikte ihrer Heimat in die deutsche Aufnahmegesellschaft. Dadurch besteht eine große Konfliktgefahr, besonders bei denjenigen Christen, die jahrzehnte- und manchmal sogar jahrhundertelang unter Repressionen von Muslimen gelitten hatten. Dieselbe Gefahr besteht natürlich auch seitens der Flüchtlinge mit muslimischem Hintergrund, die noch lernen müssen, Christen in Deutschland als gleichberechtigte Partner wahrzunehmen, was sie in ihren Heimatändern meistens nicht waren.

Die beschriebene Situation stellt alle Teile der Gesellschaft in Deutschland, insbesondere aber uns als einheimische Christen und Kirchen, vor gewaltige Herausforderungen, denen wir in ökumenischer Verantwortung durch gemeinsames Handeln begegnen müssen. Wir sind diesen Menschen, die aus dem Ursprungsgebiet des Christentums stammen und bei uns als Flüchtlinge Schutz suchen, in besonderer Weise verpflichtet. Eines der weiterführenden Ziele dieses Projektes ist es, die altorientalischen und orthodoxen Christen, Kirchen und Strukturen tiefer in kommunale sowie ehrenamtliche Flüchtlings- und Integrationsarbeit zu vermitteln und somit gesellschaftlich zu aktivieren.

Mit der Ankunft der christlichen Flüchtlinge befinden sich diese Kirchen in Deutschland in einer neuen, ihnen bisher unbekannten Situation, da von ihnen nun auch soziales und karitatives Engagement in einem höheren Maße als zuvor gefordert wird. Die Komplexität der rechtlichen und gesellschaftlichen Situation in der Bundesrepublik macht es ihnen aber nahezu unmöglich, diese Aufgabe ohne Unterstützung zu bewältigen. Konkret haben wir vor, eine eigene ACK-Arbeitsgruppe „Altorientalische und Orthodoxe Kirchen“ zu bilden, in der die Vertreterinnen und Vertreter der Ostkirchen eingebunden werden. Diese Arbeitsgruppe soll längerfristig den informellen Rahmen für weitere Flüchtlings- und Integrationsarbeit bilden sowie einen Gesprächspartner für die staatlichen und kirchlichen Institutionen und Projekte in diesem Bereich darstellen.