08.04.2017, 11:00 Uhr - 17:00 Uhr, Stuttgart-Hohenheim
Regionaltreffen der Gesellschaft der Freunde christlicher Mystik

Charles de Foucauld und Madeleine Delbrêl

Wegbereiter heutige Spiritualität
Zum 100. Todestag von Charles de Foucauld (1858-1916)

Hundert Jahre nach dem Tod des Einsiedlers Charles de Foucauld, der am 1. Dezember 1916 in der Sahara-Region erschossen wurde, gehören zu seiner "geistlichen Familie" zwanzig Institute des geweihten Lebens mit 13 000 Mitgliedern. Der "Bruder aller Menschen" inspirierte durch seine Art, das Evangelium allein durch sein Leben zu verkünden. Auch die ‚Alltags-Spiritualität' der mystisch begabten Sozialarbeiterin Madeleine Delbrêl (1904-1964) ist davon stark beeinflusst.


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  • Ilona Biendarra: Leben, die sich berühr(t?)en: Charles de Foucauld und Madeleine Delbrêl (Tagungsbeitrag, Download)
  • Anton Stadlmeier: Die Spiritualität von Nazaret. Leben und Glaubensweg des Charles de Foucauld (1858–1916) (Tagungsbeitrag, Download)

Der Gottsucher, Beter und Mystiker Charles de Foucauld (1858–1916) inspiriert bis heute zahlreiche Christen und christliche Gemeinschaften. Sein großes Ideal war das ‚verborgene’ Leben Jesu in Nazareth. Nach seiner Bekehrung vom fettleibigen Lebemann und undisziplinierten Offizier zum Glauben trat er zunächst bei den Trappisten ein; 1901 wurde er zum Priester geweiht. Vier Jahre lebte er als Hausbursche in Nazareth in einem Bretterverschlag neben einem Klarissen-Kloster: „Jesus genügt: Wo er ist, fehlt nichts.“ Um in der dauernden Gegenwart Gottes zu leben, kniete er stundenlang vor dem Tabernakel. Er wollte „Bruder aller“ (frère universel) sein, und jeder Christ sollte „Apostel sein für alle, die in Reichweite leben“.

Ihm schwebte eine kleine Fraternität des Gebets vor, die nahe bei den Menschen bleibt, „eine kleine Familie, welche die Tugenden des Herrn so vollkommen nachahmt, dass alle in der Umgebung anfangen, den Herrn zu lieben“. Er selbst ging dazu in der französischen Kolonie Algerien bis zu den muslimischen Tuareg, um für sie zu beten. Am 1. Dezember 1916 wurde er – während in Europa der Erste Weltkrieg tobte – im Alter von 58 Jahren in der Sahara-Wüste erschossen. Seine Hände waren dabei an seine Fußknöchel gebunden: „Diese letzte kniende Anbetung im Sterben brachte Bruder Karl auf plötzliche und unvorhergesehene Weise dem nahe, für den er ‚ganz da sein wollte’: Jesus von Nazareth“ (Paula Link).

Diese Nähe zu Jesus und zu den Menschen in der Nachbarschaft war auch – nach dem Vorbild von Charles de Foucauld – das Anliegen der Sozialarbeiterin, Poetin und Mystikerin Madeleine Delbrêl (1904–1964). Zunächst Kommunistin, begann sie durch ihren Freund, der dann Dominikaner wurde, sich für den Glauben zu interessieren. Sie gründete eine kleine Gemeinschaft, um in der „Schule des hoffenden Jesus“ auf das Hoffen der Menschen zu lauschen und das eigene Herz immer mehr dem Herzen Jesu anzugleichen. In seiner Nachfolge wollte sie „ein Feuer sein, das sich in kleinen Funken versprüht“. So wurde auch sie zu einer „Pionierin des christlichen Glaubens in einer säkularisierten Welt“ (Annette Schleinzer).