19.11.2016, 11:00 Uhr - 16:00 Uhr, Stuttgart-Hohenheim
Regionaltreffen der Gesellschaft der Freunde christlicher Mystik

Im Bild das Bildlose darstellen

Zum 650. Todestag des seligen Heinrich Seuse

Der bei den Dominikanern in Konstanz im Alter von 13 Jahren eingetretene Seuse wirkte vor allem in den Frauenkonventen seines Ordens am Oberrhein und in der Schweiz; er starb am 25. Januar 1366 in Ulm. Gerühmt wird sein reicher und differenzierter Wortschatz sowie seine Reflexion des Grundproblems mystischer Rede, im Bild das Bildlose darzustellen. Grundlegend für Seuses Frömmigkeit war die Verehrung des Namens Jesu.


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  • Katharina Oost, Freiburg i. Br.: Gottes Bild – Bild ohne Bild. Von der Lehre der Gelassenheit zur Bildtheologie Meister Eckharts (Tagungsbeitrag, Download)

Heinrich Seuse (latinisiert Suso), geboren am 21. März 1295 oder 1297 als Sohn vermögender Eltern in Überlingen oder in Konstanz, wurde schon in jungen Jahren in das neu gegründete Dominikanerkloster St. Nikolaus auf der „Insel“ in Konstanz gegeben. Er absolvierte die ordensübliche Ausbildung bis zur Profess. Aufgrund seiner Begabung wurde er für drei Jahre zum Studium Generale der Dominikaner nach Köln geschickt, wo er zum engsten Schülerkreis von Meister Eckhart gehörte, der einen nachhaltigen Einfluss auf ihn ausübte und dessen Lehre er beim HäresieProzess um 1326/27 gegen Eckhart entschieden verteidigte.

Zu dieser Zeit kehrte er für die nächsten zwei Jahrzehnte in seinen Heimatkonvent nach Konstanz zurück, durfte aber ab 1329 das Amt des Lektors (aufgrund von Häresieverdächtigungen im Umfeld des Eckhart-Prozesses) nicht mehr ausüben (Rehabilitierung 1334). Er widmete sich einer aktiven Missions- und Seelsorgetätigkeit im Sinn einer gelebten, mystagogischen Spiritualität, vor allem in den dominikanischen Frauenkonventen in der Rheingegend, im Elsaß und in der Schweiz.

Die letzten 15 Jahre seines Lebens verbrachte er im Dominikanerkloster in Ulm, wo er sein deutschsprachiges schriftstellerisches Werk in eine ‚Ausgabe letzter Hand‘, das so genannten „Exemplar“, brachte. Er starb am 25. Januar 1366 in Ulm; 1831 wurde er aufgrund anhaltender Verehrung besonders in Überlingen von Papst Gregor XVI. ohne formalen Prozess selig gesprochen.

Seuse war ein besonders stilbewusster Autor über den mystischen Aufstieg und die Einübung in die „ganze, vollkommene Gelassenheit“ mit zahlreichen Neuprägungen; sein Wortschatz gilt als „der reichste und differenzierteste von allen Mystikern“. Insbesondere reflektierte er das Grundproblem der Mystik, wie man „Bildloses im Bilde darstellen“ kann: „Denn was man dem auch für Gleichnis gibt, so ist es doch tausendfältig ungleicher, als es gleich ist.“ Diese Schwierigkeit soll bei dem Regionaltreffen der Gesellschaft der Freunde der christlichen Mystik besonders behandelt werden – herzliche Einladung an alle Mystik-Interessierte!