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"Kirche ist wichtige Stimme für Vielfalt"

Beim Herbstfest der Akademie in Hohenheim betont Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) die wichtige Rolle der Kirchen für Verständigung und Gemeinsinn.

"Zusammenhalt in Vielfalt",  so lautete  der Titel des Festvortrags von Landtagspräsidentin Muhterem Aras beim diesjährigen Herbstfest der Akademie im Tagungszentrum Hohenheim. Vor den vielen Gästen im vollbesetzten Saal  erinnerte die Politikerin der Grünen daran, dass der 30. Mai der Internationale Tag der Vielfalt ist – indes, viele würden ihn nicht wahrnehmen, weil sie sich nicht betroffen fühlen.  „Dabei ist Vielfalt nicht nur ein Bestandteil, sondern die Basis der Gesellschaft“, die sonst nicht funktioniere. Aras verwies auf die sehr anschauliche Aktion einer Supermarktkette, die aus ihren Regalen alle Produkte nahm, die nicht aus Deutschland kommen um durch leere Regale zu demonstrieren,  wie viel ärmer unser Land doch ohne den Beitrag anderer Länder ist. „Vielfalt ist die Voraussetzung für Lebensqualität“, lautete das Fazit von Aras, „aber wir denken nicht daran, aus wie vielen Quellen und Ländern sich unser Wohlstand speist.“

 

Grünen-Politikerin fordert "Anerkennungskultur"

Aras verwies in diesem Zusammenhang den Artikel 3 des Grundgesetzes ins Bewusstsein, in dem es heißt:  Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.  Männer und Frauen sind gleichberechtigt.   Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.  Sie fordert eine „Anerkennungskultur“ und sagte, die Deutschen seien zu Recht stolz auf das Qualitätsmerkmal „Made in Germany“, aber das bedeute eben auch „made by Jugoslawen, Griechen oder Italienern", die als Gastarbeiter das deutsche Wirtschaftswunder mit ermöglicht hätten. „Vielfalt ist  kein weicher Faktor“, sagte die Landtagspräsidentin, „sondern der harte Kern unserer Stärke“. Deshalb gehöre das Thema in die Mitte der öffentlichen Debatte.

Die Gesellschaft diskutiere angesichts rasanter Veränderung über Fragmentierung und frage sich: Was ist der Kern, der uns zusammenhält?  Für die türkischstämmige Stuttgarterin  geht es bei dieser Debatte darum, den Wert der Vielfalt herauszustellen:  sie sei unabdingbar für eine erfolgreiche Zukunft, weil sie wegführe von Spaltung: „Zusammenhalt entsteht nicht durch Abkapselung, denn diese verstärkt nur die Ängste“, sagte Aras und verwies auf „gated communities“, bei denen die sozialen Codes verloren gingen, ohne die Integration scheitere. Vielfalt sei deshalb zuallererst ein Gebot der Vernunft.

 

"Grundgesetz ist auf Vielfalt angelegt"

Auch das Grundgesetz sei auf Vielfalt angelegt und biete dafür einen Sockel  fester Werte,  sagte Aras. Das Grundgesetz setze auf Offenheit, Pluralität, Freiheit, Gemeinsinn und die Toleranz, Unterschiede zu akzeptieren.  „Vielfalt ist  allerdings nicht kunterbunt und lustig, sondern Herausforderung  für die Auseinandersetzung um den roten Faden des Grundgesetzes“, sagte Aras. Die Kirchen, so ihre Forderung, sollten dabei eine tragende Rolle spielen. Das Grundgesetz trenne zwar Staat und Religion, aber beide formten die Gesellschaft.  Die Religionsfreiheit in Artikel 4 des Grundgesetzes gelte für alle Religionen;  „Religion gehört in den öffentlichen Raum; sie kann wertvolle Beiträge für die Integration leisten durch den interreligiösen Dialog“, sagte Aras und fügte hinzu: „Die Kirchen sollen  eine starke Stimme für die Grundwerte sein“. Sie seien zudem weltumspannend mit einem großen kulturellen Erbe und damit besonders geeignet als Ansprechpartner für kulturelle Integration. (Barbara Thurner-Fromm)