Stuttgart/Münsingen Ansprechpartner: Klaus Barwig

Nachhaltigkeit erlebbar gemacht

Eine Exkursion auf die Schwäbische Alb belegt: Auf eine intakte Natur und regenerative Energie zu setzen führt auf Dauer zum wirtschaftlichen Erfolg - ob beim Hausbau oder bei der Entmilitarisierung einer Stadt.

Die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat auch dieses Jahr wieder  – in enger Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern –  eine Sommer-Exkursion  zu Orten besonders nachhaltigen Handelns organisiert. Im Mittelpunkt stehen dabei  jeweils Aspekte zukunftsfähiger Energiegewinnung und -versorgung. Dieses Jahr führte die Exkursion auf die Schwäbische Alb. Auf dem Programm standen eine Betriebsbesichtigung bei „SchwörerHaus“ und ein Besuch im Biosphärengebebiet bei Münsingen.  
 

Nachhaltigkeit beim Hausbau

Das schwäbische Familienunternehmen kümmert sich bei der Herstellung von Fertighäusern innovativ um Energiesparkonzepte. Unmengen von Holz sind dafür notwendig, die die Exkursionsteilnehmer ebenso bestaunten wie eine hochmoderne zentrale Produktionssteuerung. Im Fokus des Interesses standen  dabei die sogenannten Plus-Energiehäuser, die in ihrer Jahresbilanz mehr Energie erzeugen, als sie für Heizung, Warmwasser und Haushaltsstrom selber benötigen. Firmeninhaber Johannes Schwörer berichtete, dass sein Unternehmen inzwischen bundesweit diese besonders nachhaltigen Häuser ausliefere. Er schilderte, dass die Herausfordereng für sein Traditionsunternehmen auch darin bestehe, den Jahrzehnte lang gehegten Wunsch vieler Bürger nach einem Einfamilienhaus angesichts des problematischen Flächenverbrauchs und der rasant steigenden Grundstückspreise nachhaltiger und kostengünstiger in mehrgeschossige Lösungen umzusetzen. Außerdem setze sein Unternehmen auf das Mehrgenerationenhaus, das flexibel den Wohnbedürfnissen unterschiedlicher Generationen und Menschen mit Handicaps angepasst werden kann. Schwörer, dessen Unternehmen etwa 280 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht, sagte, dieses nachhaltige Unternehmenskonzept ließe sich wohl nur in einem Familienunternehmen umsetzen, bei dem die Rendite nicht der einzige Maßstab sei. In einer Aktiengesellschaft sei solch eine innovative Produktion wohl kaum realisierbar.
 

Biosphärengebiet statt Truppenübungsplatz  in Münsingen

Biosphärenreservate sind Modellregionen mit hoher Aufenthalts- und Lebensqualität, die  aufzeigen sollen, wie sich Aktivitäten im Bereich der Wirtschaft, der Siedlungstätigkeit und des Tourismus zusammen mit den Belangen von Natur und Umwelt gemeinsam innovativ fortentwickeln können. Ein wichtiger Bestandteil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb ist der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen. Nach der Besichtigung des Biosphärenzentrums und einer geführten Tour durch das Biosphärengebiet, auf dem heute noch alte Soldatengräber sowie verlassene Gemeindeeinrichtungen zu besichtigen sind,   berichtete der Münsinger Bürgermeister Mike Münzing über diese Form der Nachhaltigkeit aus kommunaler und regionaler Sicht. Münzing ist schon seit 20 Jahren Münsinger Bürgermeister und bewertet dies als positiv, weil seiner Meinung nach die Kontinuität dazu geführt habe, Menschen gerade im Bereich der Nachhaltigkeit mitzunehmen und damit viel zu erreichen. So engagierten sich heute  1600 Münsinger Bürger ehrenamtlich für ihr Gemeinwesen. Angesprochen auf die zahlreichen Windräder, die inzwischen auf der Alb stehen, sagte Münzing, es habe große Widerstände gegeben, aber im direkten Gespräch mit den Bürgern habe man viele Bedenken ausräumen können.  Auch frühere Abwanderungstendenzen von der Schwäbischen Alb seien gestoppt. Sowohl bei den Arbeitsplätzen als auch durch private Zuzüge könne Münsingen inzwischen einen Zuwachs verzeichnen. Der Bürgermeister sagte, er erwarte einen weiteren positiven Trend durch die Realisierung der geplanten Stadtbahn. (Barbara Thurner-Fromm)