07.08.2017, 15:00 Uhr - 10.08.2017, 13:00 Uhr, Weingarten
Philosophische Sommerwoche

Humanität, Freiheit und Sünde

Die philosophischen Grundlagen der Reformation

Die Theologie der Reformatoren hat zahlreiche philosophische Voraussetzungen: Welche Rolle spielt die Vernunft für den Glauben? Wie verhalten sich menschliche Freiheit und göttliche Allmacht bei Luther und Calvin, wie Freiheit und Wahrheit im Nominalismus? Und wie stehen Reformation und Humanismus zueinander? Zur Debatte steht auch der Einfluss der reformatorischen Wende auf die neuzeitliche Kunst.


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Die Reformation mit ihrem Auftakt vor 500 Jahren in der Veröffentlichung von Luthers 95 Ablassthesen bedeutete eine Zäsur – nicht nur für die katholische Kirche, sondern für ganz Europa. Sie fiel aber nicht einfach vom Himmel, sondern hatte Vorspiele und Voraussetzungen, so auch in der Philosophie.
Als eine Grundlage der Reformation gilt der Nominalismus, wie ihn Wilhelm von Ockham und Johannes Buridan vertreten haben, im Gegensatz zum platonischen Realismus von eigenständigen Ideen. Neben dem Universalienstreit war ein weiterer philosophischer Hauptstreitpunkt die Freiheit des Willens. Nach Luther bleibt auch der von Gottes Gnade gerechtfertigte Mensch ungerechter Sünder: "simul iustus et peccator". Gerecht ist er in den Augen Gottes aufgrund der im Glauben angerechneten Heilstat Christi am Kreuz, die Ungerechtigkeit der Sünde aber macht sein eigentliches Sein aus. Er selbst kann durch gerechte Werke nichts zu seinem Heil beitragen, weil sein Wille entweder von Gott oder vom Teufel fremdbestimmt (‚geritten’) wird: „Der Glaube allein wirkt in uns ohne uns, alle anderen Tugenden wirken in uns und durch uns“ (Weimarer Ausgabe 6, 530, 17).
Erasmus von Rotterdam, der „Fürst der Humanisten“, korrespondierte mit Luther und bat ihn um Mäßigung in seiner Kritik an der katholischen Kirche. Er selbst übte als Priester und Mönch ebenfalls scharfe Kritik an den Missständen in der Kirche, sah die Gefahren der Religionskriege voraus, trat für innere Reformen sowie eine relative Religionsfreiheit ein und zählt zu den Wegbereitern der europäischen Aufklärung. In seiner Schrift "De libero arbitrio" (Vom freien Willen) von 1524 wurde sein Bruch mit Luther besiegelt. Die Disputationen von damals haben unter neuen Bedingungen auch heute ihre große Bedeutung.

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