Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
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Dienstag, 6. März 2007

Religion nicht zur Legitimierung von Leid missbrauchen

Theologisches Forum Christentum – Islam fragt nach Deutungen menschlichen Leidens

Stuttgart (ars). Gegen den Missbrauch von Religion zur Legitimierung oder Verharmlosung von menschlichem Leid haben sich auf einer internationalen Fachtagung in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Hohenheim muslimische und christliche Theologen gemeinsam ausgesprochen. An der Tagung zum Thema "Christlich und islamische Deutungen menschlichen Leidens" am Wochenende nahmen 90 Fachleute aus zehn Ländern teil.

Die Theologen und Religionswissenschaftler setzten sich dabei mit kritischen Anfragen an christliche und muslimische Traditionen auseinander. Der schiitische Theologe Nader Purnaqcheband (Halle) erklärte, der Märtyrerkult seit der iranischen Revolution sei nicht als Bestandteil des Glaubens anzusehen, sondern als ein "Phänomen moderner Ideologisierung und kalkulierter Identitätspolitik". Der Religionswissenschaftler Peter Antes (Hannover) betonte, dass das Nachdenken über Gott nicht dazu führen dürfe, dass sich die Menschen ihrer Verantwortung für Kriege und Terroranschläge entzögen.

Ähnlich äußerte sich zuvor auch schon Dzevad Hodzić von der Islamischen Fakultät Sarajevo. Die Muslime, so Hodzić, dürften der eigenen Verantwortung nicht ausweichen, indem sie andere für ihre Nöte verantwortlich machen. Muslime müssten ihr vorherrschendes Verständnis des islamischen Gotteskonzepts kritisch hinterfragen, denn "Gott wirkt nicht nur im islamischen Staat und ist selbst dann nicht abwesend, wenn der Islam geschichtlich nicht dominant ist." Der Osnabrücker evangelische Theologe Arnulf von Scheliha unterstrich, "dass die religiöse Sinnstiftung im Leiden nicht durch schematische Anwendung von Stereotypen erfolgen kann, sondern dass um diesen Sinn gerungen werden muss." Ihm zufolge dürfe menschliches Leid nicht religiös überhöht und so etwa für die Erziehung instrumentalisiert werden.

Bei der gemeinsam von einer Gruppe christlicher und muslimischer Theologen vorbereiteten und vom Bundesministerium des Inneren geförderten Tagung handelt es sich um das einzige wissenschaftlich-theologische Forum zu christlich-islamischen Fragen im deutschsprachigen Raum. Erstmals gab es eine größere Zahl muslimischer Wissenschaftler in Deutschland, die als Gegenüber "für Gespräche auf Augenhöhe" zur Verfügung standen. Das Theologische Forum Christentum – Islam will mit seiner Arbeit zu einer Verständigung über theologische Kontroversen zwischen Christentum und Islam und damit zum gesellschaftlichen Zusammenleben beitragen.

Hinweis: Aus den zurückliegenden Tagungen sind bereits vier Buchpublikationen hervorgegangen, die neben den Vorträgen auch Diskussionsprozesse des Forums dokumentieren. Zuletzt erschienen ist der von Hansjörg Schmid, Andreas Renz, Jutta Sperber und Duran Terzi herausgegebene Band "Identität durch Differenz? Wechselseitige Abgrenzungen in Christentum und Islam" (264 S., Verlag Pustet, Regensburg 2007).



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