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Donnerstag, 23. November 2006

Aleksandr-Men-Preis geht an russischen Übersetzer

Solomon Apt hat sich als Vermittler der deutschen literarischen Klassik des 20. Jahrhunderts einen Namen gemacht / Preisverleihung am 29. November im Tagungszentrum Hohenheim

Stuttgart (ars). Der russische Übersetzer und Vermittler klassischer deutscher Literatur des 20. Jahrhunderts, Dr. Solomon K. Apt (85), erhält den Aleksandr-Men-Preis 2006. Die Auszeichnung wird dem Preisträger am Mittwoch, 29. November, im Tagungszentrum der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Hohenheim verliehen.

Der promovierte Altphilologe hat sich seit den 50er Jahren als Übersetzer griechischer Tragödien und dann vor allem auch der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts einen Namen gemacht. Zu den von ihm ins Russische übersetzten Autoren gehören Klassiker wie Thomas Mann, Berthold Brecht, Robert Musil, Franz Kafka und Hermann Hesse, aber auch Canetti, Dürrenmatt, Frisch, Grass, Stifter und die Märchen Wilhelm Hauffs. Gerühmt werden die „zauberhafte Leichtigkeit" all seiner Übersetzungen und seine „Liebe zum Spiel mit dem Wort".

Apt, der zahlreiche Ehrungen und Preise erhielt, darunter den Hermann-Hesse-Preis der Stadt Calw (1992), ist unter anderem korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt (1994). Die Preisverleihung nimmt der Vorsitzende des Kuratoriums der Akademie Professor Hans-Georg-Wehling, vor; die Laudatio hält die Berliner Journalistin Elfie Siegl.

Vorgestellt wird bei der Preisverleihung auch die deutsche Erstausgabe des Bestsellers „Der Menschensohn" zu Leben und Werk Christi von Aleksandr Men, das der russisch-orthodoxe Erzpriester 1969 pseudonym in Brüssel veröffentlicht hat. Schon vorher kursierende Teile der Arbeit bildeten, wie der Herausgeber, Pater Klaus Mertes, in seinem Vorwort anmerkt, „die wichtigste Quelle, aus der sich die russische Intelligenz mit ihrem neu erwachten Interesse an Religion über den Glauben informierte". Das 450-seitige Werk ist ein aus jahrelanger Meditation und akribischer Recherche hervorgegangene apologetische Darstellung Jesu Christi in Auseinandersetzung mit den (Pseudo-)Argumenten der antichristlichen russischen Propaganda, aber auch westlicher Religions- und Christentumskritik.

Der Aleksandr-Men-Preis „für die interkulturelle Vermittlung zwischen Russland und Deutschland im Interesse des friedlichen und humanen Aufbaus des Europäischen Hauses" wird jährlich in Erinnerung an den 1990 ermordeten Theologen gemeinsam von drei deutschen und drei russischen Einrichtungen verliehen, federführend ist die Akademie der Diözese. Zu den bisherigen Preisträgern seit 1995 gehören Lew Kopelew, Gerd Ruge, Michail Gorbatschow, Otto Graf Lambsdorff und Ernst-Jörg von Studnitz (2005). (ars/kwh)



Kontakt: Erika Dacke


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