Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
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Mittwoch, 22. November 2006

Islam 2020: Auch Ängste thematisieren

Gesellschaftlicher Dialog zwischen Christen und Muslimen erfüllt wichtige Aufgabe/ Kirchliches Engagement ungebrochen

Stuttgart (ars). Der interreligiöse Dialog kann eine wichtige Rolle für das Zusammenleben spielen, sofern dabei auch Ängste thematisiert werden und der Dialog nicht von Tabus besetzt ist. Dieses Fazit wurde auf der Tagung „Islam 2020" der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart am vergangenen Wochenende (17. bis 19. November) gezogen, auf der rund 150 Akteure aus muslimischen Verbänden, Kirchen, Wissenschaft, Dialoginitiativen und Integrationsarbeit die Zukunft des Islams und das Zusammenleben in der multireligiösen Gesellschaft diskutierten.

Der katholische Islamexperte Christian Troll hob hervor, dass das Engagement der Kirchen im christlich-islamischen Dialog ungebrochen sei. Der Dialog sei aber nur auf der Basis einer für alle geltenden Religionsfreiheit möglich, die die katholische Kirche mit dem 2. Vatikanischen Konzil anerkannt habe. Murat Aslanoglu, muslimischer Vorsitzender des „Koordinierungsrates der Vereinigungen des christlich-islamischen Dialoges in Deutschland" (KCID) und Mitveranstalter der Tagung, wies darauf hin, dass nach seiner Einschätzung ohne die bisherigen Dialogbemühungen sich die Muslime stärker aus der Gesellschaft zurückgezogen hätten. Ralph Güth vom nordrhein-westfälischen Integrationsministerium sprach in diesem Zusammenhang von einer „gemeinsamen Leitkultur", zu der auch die Muslime einen Beitrag leisten sollten.

Die auf der Tagung diskutierten Zukunftsszenarien für das Jahr 2020 waren naturgemäß umstritten. So betonte der ägytischstämmige Soziologe Fuad Kandil, dass die Rückkehr des Religiösen ein Wunschbild sei, das nicht dem realen gesellschaftlichen Wandel entspricht. Der Direktor des Münsteraner Instituts für Sozialwissenschaften, Karl Gabriel, sieht hingegen ein zunehmendes Sichtbarwerden von Religion in Medien und Öffentlichkeit. Gerade in der globalisierten Welt komme den Religionen eine neue öffentliche Rolle zu. Konsens war, dass sich auch der Islam teilweise entsprechend wie die christlichen Kirchen wandeln werde.

Die Journalistin und Autorin Hilal Sezgin hob die Vielfalt muslimischer Glaubensstile hervor. Immer mehr Muslime verstünde ihren Glauben im Sinne einer „Patchwork-Identität". Wie das Christentum würde auch der Islam von jeder Generation neu entdeckt und „erfunden". Der Vorsitzende des Rates für Migration, Michael Bommes, begrüßte die Einführung von islamischem Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Wenn die Muslime jedoch starken Wert auf religiöse Erziehung legten, müssten sie sich künftig auf eine konfliktreiche Auseinandersetzung mit individueller Autonomie einstellen, erklärte Bommes.

Diskutiert wurde auch die Frage, ob bis zum Jahr 2020 die Muslime zu neuen Organisationsstrukturen als Ansprechpartner für den Staat finden werden. Ismail Altintas, Dialogbeauftragter der „Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion" (DITIB), sprach von einem möglichen „gemeinsamen demokratischen Kompromiss zu einer Partnerschaft der muslimischen Verbände". Dem bisher nicht ausreichend geführten innerislamischen Dialog komme in Zukunft eine höhere Bedeutung zu, hieß es.

Umstritten war allerdings die Frage, welche Rolle nicht organisierte Muslime dabei spielen sollen. Wünschenswert sei, ein breites Spektrum an Muslimen in den Dialog einzubeziehen, wozu die Tagung selbst einen Anfang gemacht habe. Nach Ansicht von Pfarrer Bernd Neuser, Leiter der Beratungsstelle für christlich-islamische Begegnung in Wuppertal, wird das „Machtgefälle" im Dialog zwischen Christen und Muslimen in Zukunft abnehmen. Schließlich komme man „weg von einem betreuenden Dialog mit diakonischem Gefälle". (ars/kwh)



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