Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
StartPressearchiv
Donnerstag, 12. Oktober 2006

"Reform des Islam ist möglich"

Koran garantiert im Unterschied zur Scharia die Gleichberechtigung der Geschlechter/ Fachgespräch mit dem indischen Islamgelehrten Ashgar Ali Engineer

Stuttgart (ars). Die vom islamischen Modernismus geprägten Muslime Indiens können wichtige Impulse für die Islam-Diskussion in Europa geben. Dies zeigte sich bei einem Fachgespräch am 9. Oktober im Tagungszentrum Hohenheim der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit Ashgar Ali Engineer, der als einer der bedeutendsten islamischen Reformdenker der Gegenwart gilt.

Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt der indische Islamgelehrte vor zwei Jahren für sein Lebenswerk den alternativen Nobelpreis („Right Livelihood Award"). Bei der Veranstaltung mit 35 Experten aus Kirchen, Hochschulen und islamischen Organisationen sagte Engineer, Pluralismus und Säkularismus werde von Indiens Muslimen ohne Einschränkung akzeptiert. Sie verstünden sich als Partner bei der Gestaltung von Politik und einer multireligiösen Gesellschaft. Mit 140 Millionen Menschen bilden die Muslime in Indien wie Christen und Buddhisten eine Minderheit, stellen aber nach Indonesien die zweitgrößte muslimische Bevölkerung der Welt dar.

Dass die indische Verfassung das Familienrecht für Muslime nicht nach bürgerlichem Recht, sondern nach der Scharia regelt, hat laut Engineer eine Ungleichbehandlung der Frau zur Folge. Dagegen garantiere der Koran die Gleichberechtigung der Geschlechter. Deshalb sei eine Reform notwendig, die die Scharia in Einklang mit dem Koran bringe. Da vieles in der Geschichte des Islams dem Wandel unterlegen habe, sei er zuversichtlich, dass eine solche Reform gelingen könne. Zugleich warnte er aber vor zur großen Erwartungen: „Die Frauen müssen noch einen langen Weg gehen, um ihre Rechte durchzusetzen."

Gewalttaten, auch wenn sie religiös legitimiert werden, haben Engineer zufolge in der Regel einen politisch-wirtschaftlichen Hintergrund. „Es gibt keinen Zusammenprall der Kulturen und Religionen, es gibt nur einen Zusammenprall der ökonomischen Interessen", so der Reformer, der von der Theologie der Befreiung geprägt ist. Ein Problem sieht er allerdings darin, dass religiöse Führer die Identität der Religion überbetonten, die Ethik hingegen vernachlässigten. Der interreligiöse Dialog könne zu einer Deeskalation von Konflikten beitragen, wobei Muslime weder Christen noch Buddhisten oder Hindus als „Ungläubige" betrachten dürften.

Engineer leitet das „Institute of Islamic Studies" und das „Centre for Study of Society and Secularism" (CSSS) in Mumbai (http://www.csss-isla.com/). Das auch von Misereor und „Brot für die Welt" geförderte CSSS bietet Dialog- und Friedensseminare für Lehrer, Journalisten, Polizeikräfte und Jugendliche an. Ziel des Abends in der Akademie, der an Veranstaltungen mit bosnischen und türkischen Denkern anknüpfte, war es, die Gedanken Engineers bekannter und für den gesellschaftlichen Dialog in Deutschland fruchtbar zu machen. (ars/kwh)



Zurück


© Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Impressum

Neuerscheinung
Weltregionen im Wandel Bd. 8
Afrika und externe Akteure – Partner auf Augenhöhe?Afrika und externe Akteure – Partner auf Augenhöhe?
Veranstaltungen
Veranstaltungsprogramm
Veranstaltungsprogrammfür das kommende Halbjahr
KUNSTRAUM AKADEMIE
WeinGARTEN
KünstlergärtenKünstlergärten in Weingarten

Der Name von Kloster und Stadt inspirierte dazu, Künstlergärten in Weingarten entstehen zu lassen. Zeitgenössische Künstler gestalteten Gärten – recht artifiziell und organisch. Präsentiert werden diese in einem Parcours vom Martinsberg bis in die Stadt.

Vernissage
13. Juni 2010 um 11 Uhr

Ausstellungsdauer
13. Juni bis 19. September 2010

KUNST-RAUM-AKADEMIE
Tagungshaus Weingarten
Kirchplatz 7
88250 Weingarten
Telefon: 0751 5686-0
E-Mail:  weingarten@akademie-rs.de
 
Öffnungszeiten
werktags von 9-18 Uhr; samstags und sonntags auf Anfrage

Öffentliche Führungen
7. August, 14.00 Uhr
11. September, 14.00 Uhr

Referat Kunst