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Montag, 24. Juli 2006

Sozialarbeit muss politisch sein

Albert Mühlum: Leitbild der sozialen Gerechtigkeit erfordert sozialpolitisches Engagement

Stuttgart (ars). Soziale Arbeit müsse politisch sein, auch und vor allem wegen der ihr zugrunde liegenden Leitidee der "sozialen Gerechtigkeit". Dies hat Albert Mühlum, Professor für Sozialpolitik, Sozialethik und Soziarbeitswissenschaft an der Fachhochschule Heidelberg, bei der Fachtagung „Repolitisierung der Sozialen Arbeit“ am Wochenende in Stuttgart-Hohenheim gefordert. Vor dem Hintergrund der zunehmenden gesellschaftlichen und sozialstaatlichen Verwerfungen wurde auch eine Option für die Schwächeren angemahnt.

Mühlum, der auch Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Sozialarbeit ist, betonte vor Praktikern und Lehrenden aus dem ganzen Bundesgebiet die Notwendigkeit eines sozialpolitischen Engagements der Sozialen Arbeit. Depolitisierung führe auf die Verliererstraße, dagegen bedeute Repolitisierung, die Leitidee der sozialen Gerechtigkeit offensiver und planvoller zu gestalten. Für die Verwirklichung des Zieles, Anwalt der Schwächeren und Promotor sozialer Gerechtigkeit zu sein, benötige die Soziale Arbeit neben Methoden und Strategien vor allem Selbstbewusstsein, wissenschaftliche Fundierung, Gestaltungswillen und sozialprofessionelle Kompetenz, so Mühlum bei der Tagung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
 
Günther Rieger, Professor für Sozialarbeitswissenschaft und Methoden im Studienbereich Sozialwesen der Berufsakademie Stuttgart, bestimmte die politische Rolle der Sozialen Arbeit anhand des "Governance-Konzepts", das in den Sozialwissenschaften immer mehr an Bedeutung gewinnt. Politisierung in der Sozialen Arbeit im Sinne von (Social-) Governance umzusetzen heiße, Soziale Arbeit als Profession zu sehen, die politische Entscheidungen im Sinne der Klienten der Sozialen Arbeit beeinflusse. Voraussetzung für Sozialarbeitspolitik sei das Beherrschen der Klaviatur politischer Methoden, betonte Rieger. Neben Lobbyarbeit, Gremienarbeit und Politikberatung umfasse das Methodensetting politische Netzwerkarbeit, Demonstrationen und soziale Aktionen. Deshalb stehe die Aus- bzw. Fort- und Weiterbildung vor der Aufgabe, Studierenden und Praktikern der Sozialen Arbeit Methoden politischen Handelns zu vermitteln. (ars/kwh)              
 
Hinweis: Die Tagungsbeiträge, ergänzt um zusätzliche Textbeiträge von weiteren Experten für das Thema "Soziale Arbeit und Politik", sollen zu Beginn des nächsten Jahres in Buchform einer breiteren Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht werden.



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