Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
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Mittwoch, 16. September 2009

„Dienst an der intellektuellen Diakonie unserer Kirche“

Bischof Gebhard Fürst verabschiedet Akademiedirektor Abraham P. Kustermann in den Ruhestand/ „Leuchtturm unter den katholischen Akademien“

Stuttgart (ars). Der Direktor der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Abraham P. Kustermann, ist am Dienstagabend (15. September) an seinem 65. Geburtstag von Bischof Gebhard Fürst in den Ruhestand verabschiedet worden. Seine Tätigkeit seit 1987 als Akademiereferent, seit dem Jahr 2000 als Direktor würdigte der Bischof vor 350 Gästen mit Kustermanns eigenen Worten als „Dienst an der intellektuellen Diakonie unserer Kirche“.

Mit diesem Dienst habe sich der scheidende Direktor „in eine Linie der besten und unverwechselbaren Traditionen unserer Diözese“ gestellt, sagte Fürst, der selbst vor seiner Bischofsweihe 14 Jahre die Akademie geleitet hat und mit Kustermann durch den gemeinsamen Doktorvater seit langem eng verbunden ist. Kustermann habe dieses Amt mit stetig erweiterten Aufgaben und Verantwortungsbereichen „zuverlässig, engagiert, kompetent und menschenfreundlich“ ausgeübt. Das „ambitionierte und herausragende Selbstverständnis“ der Akademie, eine Stätte des Dialogs zwischen Kirche und Gesellschaft zu sein, habe Kustermann auch unter sich verändernden Bedingungen eingelöst und „zukunftsfähig“ gemacht, so Fürst.

Die gegenwärtige Tendenz, die Frage nach der Wahrheit eher auszuklammern oder ganz zu suspendieren, bezeichnete der Bischof als Herausforderung gerade für eine kirchliche Akademie, deren auf Dialog verpflichtete Arbeit dadurch „schwieriger, aber zugleich auch notwendiger denn je“ sei. Kustermann habe sich dem „Diktat der Beliebigkeit“ nie gebeugt, sondern „die christlichen Grundüberzeugungen und die Wertorientierung christlichen Glaubens in einer kommunikationsfähigen Sprache“ ohne institutionellen Nachdruck in das Zeitgespräch eingebracht. Die diözesane Einrichtung sei auch von daher eine „Akademie erster Klasse in der Landschaft der katholischen Akademien“, würdigte Fürst die Arbeit des Direktors sowie der acht Akademiereferenten.

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Leiterkreises der katholischen Akademien in Deutschland, Peter Reifenberg (Mainz), der die Stuttgarter Akademie als „Leuchtturm“ unter den vergleichbaren Schwestereinrichtungen bezeichnete. Er hob besonders die intellektuelle Redlichkeit sowie die Frömmigkeit Kustermanns hervor, der vor seinem Theologiestudium einige Jahre Benediktinermönch mit zeitlicher Bindung war (der Name „Abraham“ ist Kustermanns beibehaltener Ordensname aus dieser Zeit). Joachim Beck, Direktor der evangelischen Akademie Bad Boll, würdigte zudem den Humor, die Formulierungsgabe und die sprachliche Klarheit des scheidenden Kollegen. Studienleiter Albrecht Esche, langjähriger Freund Kustermanns noch aus dessen Zeit als ‚ökumenischer Gaststipendiat’ im Evangelischen Stift Tübingen, verwies auch auf die Last des Amtes eines Akademiedirektors, die ihm zunehmend zu schaffen gemacht habe.

Kustermann seinerseits wünschte sich für seinen Ruhestand vor allem mehr Zeit, Freiheit und Muße, dass für ihn „künftig der Sonntag auch Sonntag sein möge“. Er bekannte sich in seinem Dankeswort zur theologischen Prägung durch das Zweite Vatikanische Konzil und die Katholische Tübinger Schule. Er habe sein Amt stets als Dienst verstanden, aber es sei ihm auch darum gegangen, als freier Mensch aufrecht zu stehen.

Weites Themenspektrum
Der am 15. September 1944 in Rottweil geborene Kustermann hatte in Innsbruck Philosophie, Psychologie und Soziologie studiert, bevor er 1967 in Tübingen das  Theologiestudium aufnahm. Seine theologische Promotion legte er 1988 im Fach Fundamentaltheologie ab. 1987 wurde er Akademiereferent für „Theologie, Kirche, Religion“. Sein weites Themenspektrum reichte dabei vom Interreligiösen Dialog zwischen Christentum, Judentum und Islam über die Ökumenische Theologie, Kirchenrecht, Staatskirchenrecht und Staatliches Religionsrecht bis hin zur Theologiegeschichte und zur Historischen Theologie. Zu den „Großprojekten“ der Akademie unter seiner Leitung gehörten das Thema „Zwangsarbeit in der Kirche“ sowie der umfangreiche Umbau und die Sanierungsarbeiten am Tagungshaus Hohenheim. Außerdem wurde der Aleksandr-Men-Preis der Akademie für die interkulturelle Vermittlung zwischen Russland und Westeuropa  in guter Kooperation mit den russischen Partnern weiter etabliert.

Nachfolgerin Kustermanns in der Leitung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart wird Verena Wodtke-Werner, derzeit Leiterin der Katholischen Erwachsenenbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sie wird am Dienstag, 27. Oktober, in Stuttgart-Hohenheim in ihr neues Amt eingeführt. (ars/kwh)



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