Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
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Sonntag, 22. März 2009

Brücke zwischen Tradition und Einwanderungsland

Fortschritte auf dem Weg zum islamischen Religionsunterricht

Stuttgart (ars). Islamischer Religionsunterricht, wie er als Schulversuch in mehreren Bundesländern erteilt wird, leistet einen wichtigen Beitrag zur Identitätsbildung muslimischer Schülerinnen und Schüler und stößt bei diesen auf positive Resonanz. Dieses Fazit wurde auf der dritten bundesländerübergreifenden Fachtagung „Auf dem Weg zum Islamischen Religionsunterricht“ Mitte März an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart gezogen, an der 115 Fachleute teilnahmen.

Da Identität nicht als etwas Statisches, sondern als „Dauerbaustelle“ zu verstehen sei, wohne auch dem Islamischen Religionsunterricht eine große Dynamik inne, hieß es auf der gemeinsam mit den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Bayreuth veranstalteten und von der Robert Bosch Stiftung geförderten Tagung.
Der bei der Deutschen Bischofskonferenz für Islamfragen zuständige Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke plädierte für islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Dieser leiste einen wichtigen Beitrag zur Beheimatung in Deutschland und helfe jungen Menschen, „ihre eigenen Wurzeln, ihre Kultur und ihre Tradition zu erfahren und zugleich Deutschland als gemeinsames Zuhause zu erleben“. Daraus resultiere eine Vielfalt an Identitäten: „Deutschland ist keine Einheitsgesellschaft, sondern ein Land, in dem es viele Beheimatungen gibt.“
Die CDU-Politikerin und frühere Berliner Ausländerbeauftragte Barbara John sprach sich dafür aus, dass die Muslime in Freiheit eigene Wege gehen, um eine neue kulturelle Heimat zu finden. Deutschland sei keine Gesinnungs-, sondern eine Rechtsgemeinschaft, in der es unterschiedliche Meinungen geben dürfe. Die gemeinsame Anerkennung von Freiheit und Vernunft sei entscheidend.
Die Vorsitzende der Muslimischen Akademie Hamideh Mohagheghi hob die Elternarbeit als zentralen Teil der Bemühungen um Islamischen Religionsunterricht hervor. Die Eltern fühlten sich vielfach machtlos und überfordert angesichts eines Unterrichts, in dem entsprechend dem schulischen Bildungsauftrag alles in Frage gestellt werden könne. Es liege jedoch auch eine große Chance darin, die Eltern auf den durch den islamischen Religionsunterricht angestoßenen Weg mitzunehmen.
Harry Harun Behr, Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Erlangen-Nürnberg, betonte, islamischer Religionsunterricht müsse auf eine breite Basis gestellt werden und brauche auch ein solides theologisches Fundament. Eine Polarisierung von konservativ und liberal sei dabei nicht hilfreich. Vielmehr seien auch religiöse Organisationen, die sich vorrangig um die Bewahrung der Tradition bemühten, ein notwendiger Bezugspunkt für eine emanzipatorische Religionspädagogik.
Durch die ersten Schulbücher, Studiengänge und Lehrerfortbildungen wurde inzwischen ein professioneller Stand des Unterrichts erreicht. Laut Tagungsleiter Hansjörg Schmid von der Akademie sind bis zur Folgetagung im Jahr 2011 eine Ausweitung der Schulversuche und weitere Fortschritte in der religionspädagogischen Diskussion zu erwarten. (ars/kwh)



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