Stuttgart (ars). Christen und Muslime sind mit vergleichbaren Schwierigkeiten bei der Schriftauslegung konfrontiert – dieses Fazit wurde auf einer Fachtagung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart vom 6. bis 8. März über Fragen der Exegese von Bibel und Koran gezogen. Die Veranstaltung im Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim mit über 120 christlichen und isla-mischen Theologen aus zwölf Ländern stand unter dem Titel „Nahe ist dir das Wort …“
In Christentum und Islam, stellten die Wissenschaftler fest, hätten sich Deutungsmonopole herausgebildet, seien frauenfeindliche Interpretationen bevorzugt und kontextbezogene Auslegungen verdrängt worden. Konstitutiv sei in beiden Religionen eine große Pluralität der Methoden und Auslegungen. Die weitreichenden Parallelen zwischen Bibel- und Koranauslegung würden jedoch in der Öffentlichkeit zu wenig wahrgenommen. Auch in der Koranauslegung würden inzwischen historische Fragen verstärkt berücksichtigt. Zugleich wurde von christlichen wie muslimischen Exegeten betont, dass ein historischer Zugang zu den Texten allein nicht ausreicht.
Der katholische Systematiker Klaus von Stosch (Paderborn) vertrat die These, dass der Unterschied in der Verstehenslehre (Hermeneutik) heiliger Schriften innerhalb der Religionen größer sei als zwischen ihnen. Seiner Ansicht nach könnten christliche Theologen von einer ‚ästhetischen’ Koranauslegung lernen, die von der Schönheit Gottes und seines Wortes ausgeht.
Die Bibel als Verstehenshilfe des Korans – der Koran als Auslegung der Bibel
Diskutiert wurde auch darüber, dass die Hälfte des Korans aus biblischen und außerbiblischen jüdischen und christlichen Überlieferungen besteht, die der Koran eigenständig verarbeitet. Anstatt wie bislang die Unterschiede zwischen Bibel und Koran als jeweilige „Verfälschungen“ der Urbotschaft zu verstehen, solle die Bibel als Verstehenshilfe des Korans und der Koran als eine Auslegung der Bibel verstanden werden. Beide heilige Schriften schöpfen aus demselben ‚Pool’ von vor allem mündlichen Überlieferungen.
Der türkische Theologe Burhanettin Tatar aus Samsun hob die Freiheit eines jeden hervor, den Koran verantwortungsvoll auszulegen. Die religiösen Quellen des Islams müssten mit der Moderne in ein wechselseitiges Gespräch gebracht werden. Enes Karic, Koranwissenschaftler an der islamisch-theologischen Fakultät in Sarajevo und derzeit Gastprofessor in München, vertrat eine universale Auslegung des Korans auf der Grundlage der Menschenrechte und im Rahmen säkularer Staaten. Sie gewährten die Freiheit der Religion und seien daher aus muslimischer Sicht die zu bevorzugende Staatsform. Im Zeitalter der Globalisierung müssten die Muslime den Koran auch für und mit Angehörigen anderer Religionen erklären, so Karic. Universale Aussagen müssten gegenüber kontextbezogenen Aussagen in den Vordergrund gestellt werden.
Das „Theologische Forum Christentum – Islam“ ist ein seit 2003 bestehendes Netzwerk christlicher und muslimischer Theologen, das einen Beitrag zur Verständigung zwischen beiden Religionen sowie zur Herausbildung einer in Deutschland verankerten islamischen Theologie leisten möchte. Die Vorträge und Ergebnisse der Tagung werden wiederum in der Buchreihe „Theologisches Forum Christentum – Islam“ (Verlag Friedrich Pustet) veröffentlicht, in der bereits vier Bände erschienen sind. (ars/kwh)
Der Name von Kloster und Stadt inspirierte dazu, Künstlergärten in Weingarten entstehen zu lassen. Zeitgenössische Künstler gestalteten Gärten – recht artifiziell und organisch. Präsentiert werden diese in einem Parcours vom Martinsberg bis in die Stadt.
Vernissage
13. Juni 2010 um 11 Uhr
Ausstellungsdauer
13. Juni bis 19. September 2010
KUNST-RAUM-AKADEMIE
Tagungshaus Weingarten
Kirchplatz 7
88250 Weingarten
Telefon: 0751 5686-0
E-Mail: weingarten@akademie-rs.de
Öffnungszeiten
werktags von 9-18 Uhr; samstags und sonntags auf Anfrage
Öffentliche Führungen
7. August, 14.00 Uhr
11. September, 14.00 Uhr
