Stuttgart (ars). Der emeritierte Tübinger Dogmatiker Peter Hünermann hat in der Frage der Aufhebung der Exkommunikation der vier Traditionalistenbischöfe der Piusbruderschaft dem Papst einen „skandalösen Amtsmissbrauch im theologischen Sinn“ vorgeworfen. Bei einem Vortragsabend am Montag, 16. Februar, in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart forderte Hünermann vor mehr als 350 Teilnehmern, der Amtsmissbrauch müsse von Benedikt XVI. eingestanden und korrigiert werden. Das Vertrauen der gläubigen Katholiken in den Dienst des Petrusamtes sei dadurch „zutiefst erschüttert“.
Nach Auffassung Hünermanns geht es in der ganzen Frage um Autorität und Verständnis von wesentlichen Aussagen des II. Vatikanischen Konzils, die von der schismatischen Piusbruderschaft nicht akzeptiert würden, so zur Religionsfreiheit, zur ökumenischen Annäherung der Kirchen und zu den Beziehungen zu den anderen Religionen. Auch wenn es sich dabei nicht um förmliche Dogmen handle, so seien diese Aussagen doch „für die Kirche in der geschichtlichen Situation der Moderne nicht hintergehbar“. Im Konsens des Konzils zeige sich die „Stimme des Heiligen Geistes“, wie er heute zu den Gemeinden spricht. Von einer Annahme dieser Aussagen könne der Papst deshalb auch nicht dispensieren.
Die Aufhebung der Exkommunikation, ohne die Akzeptanz des Konzils in vollem Umfang zu verlangen, stelle einen gravierenden Amtsmissbrauch dar, auch weil die für eine Aufhebung notwenige Reue bei den von Marcel Lefebvre geweihten Traditionalistenbischöfen nicht erkennbar sei. Wer (wie einer der vier Bischöfe) zudem den Holocaust leugne, sei ein „öffentlicher Sünder“, dessen Wiederzulassung zu den Sakramenten ohne Akt der Reue eine Missachtung der Bußordnung der Kirche darstelle.
Hünermann sprach auf Einladung der Akademie zum Thema „Zurück hinter das II. Vatikanische Konzil? Theologische und kirchenpolitische Reflexion zur gegenwärtigen Krise.“ Eine ausführliche Analyse der gegenwärtigen kirchenpolitischen Situation von Peter Hünermann erscheint unter dem Titel „Excommunicatio – Communicatio“ in Heft 3 der „Herder-Korrespondenz“ (Freiburg). kwh/ars
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Vernissage
13. Juni 2010 um 11 Uhr
Ausstellungsdauer
13. Juni bis 19. September 2010
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Öffentliche Führungen
7. August, 14.00 Uhr
11. September, 14.00 Uhr
