Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
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Donnerstag, 20. November 2008

Islamischer Religionsunterricht und Koranschulen kein Widerspruch

Tagung mit Imamen sowie kirchlichen und gesellschaftlichen Multiplikatoren zum Verhältnis von religiöser Erziehung und gesellschaftlicher Verantwortung

Stuttgart (ars). Angebote religiöser Unterweisung in Moscheen und islamischer Religionsunterricht an öffentlichen Schulen sind kein Widerspruch, sondern ergänzen einander – so das Fazit eines Podiums bei der Tagung „Religiöse Erziehung – gesellschaftliche Verantwortung“ Mitte November im Tagungszentrum Hohenheim der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Während es in den Moscheen um Glaubenspraxis geht, stehe in der Schule religiöses Wissen und die Auseinandersetzung mit existentiellen Lebensfragen im Mittelpunkt.
An der von der Bundeszentrale für politische Bildung geförderten Tagung nahmen rund vierzig Imame aus ganz Baden-Württemberg sowie über sechzig Mitarbeiter von Kirchen, Kommunen und sozialen Einrichtungen teil. Die Imame gehören dem Dachverband „Verband der Islamischen Kulturzentren“ (VIKZ), einem der vier größten islamischen Verbände in Deutschland an. Erstmals fand auf diese Weise eine Diskussion mit Imamen über das Verhältnis von Religionsunterricht an öffentlichen Schulen und Koranschulen statt.
Die Stuttgarter Lehrerin Huriye Top-Beydogan, die an einer der zwölf Modellschulen unterrichtet, hob hervor, dass durch den islamischen Religionsunterricht die muslimischen Schülerinnen und Schüler in religiösen Belangen auf Deutsch sprachfähig werden. Yavuz Kazanc, Vorsitzender des baden-württembergischen Landesverbandes des VIKZ, betonte, dass in den Schulen weit mehr Kinder und Jugendliche erreicht werden könnten als in den Moscheen. Er wünschte sich, dass die Moscheevereine in einen intensiveren Austausch mit den Schulen kämen.
Barbara Lichtenthäler vom baden-württembergischen Ministerium für Kultus, Jugend und Sport verwies darauf, dass sich gegenüber dem Vorbereitungsstadium seit Beginn des Modellprojekts vieles verändert habe. Sie zeigte sich erfreut über die Dialogbereitschaft der Imame in diesen Fragen. Der evangelische Schuldekan Ulrich Ruck sprach von einer Notwendigkeit verschiedener Lern-Orte, die einander ergänzten.
Im Rahmen der zweitägigen Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und dem Verband der Islamischen Kulturzentren fanden Vorträge, Diskussionen und Arbeitsgruppen zu Fragen des Verhältnisses von Staat und Religion, zur religiösen Erziehung und zu konkreten Arbeitsfeldern wie Gefängnisseelsorge oder Jugendarbeit statt. Peter Panes, Leiter des Goethe-Instituts in Schwäbisch-Hall, stellte ein Projekt zur Verbesserung der Deutschkenntnisse von Imamen vor, das auf sehr positive Resonanz stieß.
Nach Angaben des Tagungsleiters Hansjörg Schmid spielen Imame eine zentrale Rolle für die Glaubensunterweisung und Seelsorge in islamischen Vereinigungen, würden aber in der Öffentlichkeit – von vereinzelten „Hasspredigern“ abgesehen – noch wenig wahrgenommen. Auf der Tagung sei deutlich ein Wandel des Selbstverständnisses der Imame zum Ausdruck gekommen: „Sie sind für den Dialog und die Außenbeziehungen von Moscheevereinen inzwischen unverzichtbar geworden.“ (ars/kwh)



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