Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
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Donnerstag, 20. November 2008

Christen und Muslime gemeinsam für Geschlechtergerechtigkeit

Tagung mit Vertretern von Dialoginitiativen in Stuttgart-Hohenheim

Stuttgart (ars). Auf der Tagung „Männerfreundlich, frauenfeindlich? Ein christlich-islamischer Dialog über Geschlechterrollen“ Mitte November im Tagungszentrum Hohenheim der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart bestand unter den rund hundert Teilnehmern aus Dialoginitiativen, Kirchen, Wissenschaft und Integrationsarbeit weitgehender Konsens darin, dass an den Wurzeln von Islam und Christentum geschlechtergerechte Traditionen stehen. Diese seien jedoch oftmals durch andere Traditionen überdeckt worden.
Die muslimische Religionspädagogin Rabeya Müller (Köln) forderte daher eine neue Diskussionskultur, die alternative Interpretationen von Korantexten zulässt und bei der auch Christen offen dafür sind, von der islamischen Schriftauslegung zu lernen. Muslimische Frauen, die sich um geschlechtergerechte Lesarten des Korans bemühen, würden jedoch sowohl von Muslimen als auch von Nichtmuslimen mit Misstrauen betrachtet, so Müller. Der Leiter der Fachstelle für Männerarbeit der deutschen Bistümer, Andreas Ruffing, sprach sich ebenfalls gegen eine theologische Absicherung asymmetrischer Geschlechterverhältnisse aus.
Die Tagung, auf der erstmals Männer- und Frauenrollen in christlich-muslimischer Perspektive betrachtet wurden, machte deutlich, dass angesichts des Verschwimmens klarer Konzepte von Männlichkeit und Weiblichkeit beide Religionen zu einer Neubestimmung des Geschlechterverhältnisses herausgefordert sind. Die Leiterin der Gleichstellungsabteilung des Bundesfamilienministeriums, Eva-Maria Welskop-Deffaa, unterstrich, dass gerade aus religiösen Milieus oft die größten Widerstände gegen eine aktive Gleichstellungspolitik kämen.
Ihr Referat über die Leitlinien der gegenwärtigen Familien- und Geschlechterpolitik leitete die Abschlussdiskussion der vom Bundesministerium des Innern geförderten Tagung. Vertreter der Kirchen und des Islams hoben in der Diskussion hervor, dass die derzeitigen Maßnahmen wie Elterngeld und Erweiterung der Kindertagesbetreuung eine atmosphärische Veränderung bewirkt hätten. In der muslimischen Öffentlichkeit müssten sie allerdings noch besser kommuniziert werden.
Mehr als zwanzig Referenten stellten in verschiedenen Podien und Workshops neuere Positionen der Geschlechterforschung, der theologischen Reflexion sowie Praxisberichte vor. Die Historikerin Claudia Opitz-Belakhal (Basel) stellte die Wurzeln des Bildes von der unterdrückten muslimischen Frau als Teil der vermeintlichen „orientalischen Despotie“ dar, die in der Aufklärungszeit als Gegenbild zur westlichen Demokratie erfunden wurde. Die Sozialwissenschaftlerin Ülger Polat (Hamburg) belegte mit empirischem Material, wie sehr sich Geschlechterrollen eingewanderter Muslime in Deutschland gewandelt haben. (ars/kwh)



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13. Juni 2010 um 11 Uhr

Ausstellungsdauer
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