Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
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Donnerstag, 19. Juni 2008

Gottes gerechte Bundestreue schafft Leben

Akademietagung in Weingarten zur Theologie des Apostels Paulus anlässlich der 2000-Jahr-Feier/ Glauben als wechselseitiges „Trauen“

Weingarten (ars). Das Verständnis der Erlösung bei Paulus und sein Begriff des Glaubens standen im Zentrum einer Tagung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart Mitte Juni in Weingarten anlässlich des Paulus-Jubiläumsjahres. Unter dem Titel „Eine neue Schöpfung in Christus“ wurden dabei unter anderem von der Neutestamentlerin Sr. Margareta Gruber die Grundlinien der Botschaft des Völkerapostels herausgearbeitet.

Überraschend waren Ansätze bei neuen Übersetzungen des griechischen Textes, die weitgehend auf die Arbeiten des Paulusforschers Norbert Baumert (Frankfurt/ Wien) zurückgehen und etwa den paulinischen Grundbegriff des Glaubens (griech. pistis) als ein wechselseitiges „Trauen“ verstehen. Im Römerbrief, so Sr. Margareta Gruber von der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Palottiner in Vallendar (bei Koblenz), entfalte der Apostel seine zentrale Frage, nämlich ob die Treulosigkeit oder der ‚Unglauben’ (apistia) der Menschen die Treue Gottes aufheben könne. Gott erweise aber seine unverbrüchliche Treue und Gerechtigkeit angesichts der Verlorenheit der Welt gerade nicht durch Strafe und Verurteilung, sondern durch das „Trauen“ und den Glaubensgehorsam Jesu. „Im neutestamentlichen Erlösungsgeschehen werden die Menschen, für die Jesus stirbt, selber in ihm zu Trauenden“, so die Franziskanerin, deren Heimatkloster in Sießen (Bad Saulgau) ist.
Der Theologin zufolge erweist Gott bei Paulus seine Leben schaffende Gerechtigkeit dadurch, dass er dem Menschen eine lebendige Beziehung zu sich eröffne und ihn so gerecht mache. Insgesamt führte die Neutestamentlerin fünf Deutungen des Kreuzestodes Jesu bei Paulus an, die aber innerlich zusammengehören: Jesu Tod offenbare als Dahingabe des Sohnes Gottes durch den Vater oder als Selbsthingabe Jesu Gottes Liebe; er geschehe stellvertretend für den gebrochenen, sündigen Menschen; er bedeute als Bundesopfer stellvertretende Sühne; er gebe teil am Leben Christi, „damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes werden“; und er ermögliche eine „neue Schöpfung“ in Christus.
Nach ihrer Auffassung versteht Paulus die Erlösung im Kreuzestod Jesu nicht so, dass ein durch die Sünde unendlich beleidigter Gott durch das Blut seines Sohnes Genugtuung wolle, wie die Erlösungslehre des Anselm von Canterbury (11. Jahrhundert) oft verkürzt verstanden worden sei. Vielmehr blicke der Apostel auf den Vater als Empfänger des Glaubensgehorsams seines Sohnes, in dem Gott seine gerechte Bundestreue „im Umsonst der Liebe“ offenbare. Diese Offenbarung der Liebe, so Sr. Margareta Gruber, sei das Ziel der ganzen „Heilsveranstaltung“ von Kreuz und Auferstehung. Im Gekreuzigten, der sich Gott ganz übergebe, könne sich jeder Mensch in seiner Gebrochenheit wieder erkennen und „im selben Augenblick und nicht erst hinterher die Identität des Sohnes empfangen und eine ‚neue Schöpfung’ werden“.
Die 2000-Jahr-Feier zum Gedenken an die die Geburt des Völkerapostels wird von Papst Benedikt XVI. am 28. Juni in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom feierlich eröffnet; in der Geburtsstadt Tarsus im Süden der Türkei eröffnet Kardinal Walter Kasper das Paulusjahr bereits am 21. Juni. Die katholischen Bischöfe der Türkei haben einen Brief an alle Katholiken des Landes zum Paulusjahr geschrieben. Die Deutsche Bischofskonferenz hat seit dem 17. Juni eine eigene Website zum Paulusjahr eingerichtet. Abgeschlossen wird das Jubiläumsjahr am 29. Juni 2009 mit dem Hochfest Peter und Paul. (ars/kwh)



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