Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
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Montag, 17. März 2008

Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Missverständnisse

Der deutsch-jüdische Historiker Michael Wolffsohn äußerte sich zur Frage: „Wie jüdisch ist das christliche Europa?“

Stuttgart (ars). Der deutsch-jüdische Historiker und Politologe Michael Wolffsohn (München) hat dazu aufgerufen, trotz viel Trennendem zwischen Juden und Christen die Gemeinsamkeiten zu sehen: „Was als elementar trennend erscheint, beruht auf einer gemeinsamen Substanz“, so der Historiker bei einem Gesprächsabend unter dem Titel „'Das christliche Europa ist jüdisch' - Neue Thesen zur Geschichte von Juden und Christen“ am 12. März im Tagungszentrum der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Hohenheim vor über 70 Teilnehmern.

Wolffsohn, Professor für Neuere Geschichte in München, forscht seit langem schwerpunktmäßig auf dem Gebiet der israelischen und deutsch-jüdischen Geschichte; unlängst veröffentlichte er das Buch „Juden und Christen – ungleiche Geschwister. Die Geschichte zweier Rivalen“. Nach seiner Ansicht besteht zwischen der christlich-deutschen und der jüdisch-israelischen Welt eine „elementare Distanz“, die er politisch und religiös begründete. So sei die Kirche seit ihrer Etablierung als Staatsreligion zunehmend gewaltbereiter geworden, während sich das Judentum mehr und mehr als Religion des Gewaltverzichts erwiesen habe. Erst die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts hätten zu einem Umdenken geführt: die Juden wollten „nie wieder Opfer“, die Christen „nie wieder Täter“ sein.
Erschwerend für eine Begegnung in gegenseitigem Respekt und Wertschätzung und einem Dialog auf Augenhöhe ist Wolffsohn zufolge der christliche Absolutheitsanspruch. In diesem Zusammenhang kritisierte er die Karfreitags-Fürbitte für die Juden im „außerordentlichen Karfreitagsritus“. Der christlich-jüdische Dialog sei in 60 Jahren nicht sehr weit gekommen, auch deshalb, weil häufig nur oberflächlich ein harmonisches Miteinander zelebriert und propagiert wurde, statt die Gegensätze auszusprechen und auszuhalten.
Die Repliken des ehemaligen Stuttgarter Landesrabbiners Dr. Joël Berger und von Prof. Matthias Morgenstern von der Universität Tübingen machten die innerjüdische Pluralität hinsichtlich theologischer Fragen deutlich. Radikaler als Wolffsohn stellte Berger die Notwendigkeit des interreligiösen Lernens als Voraussetzung für ein tolerantes und menschliches Miteinan-der überhaupt entschieden in Frage. Nach den Worten Morgensterns hingegen benötigt das Judentum zum eigenen Selbstverständnis auch die Beschäftigung mit dem Christentum und nicht allein umgekehrt. Der Diskussionsabend wurde von der Akademie der Diözese in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Bad Boll veranstaltet. (ars/kwh)



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