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Montag, 3. März 2008

Christen und Muslime gemeinsam für eine „Ethik des Lebens“

Bischof Gebhard Fürst würdigt die Qualität des christlich-muslimischen Dialogs

Stuttgart (ars). Unter dem Titel „Verantwortung für das Leben“ diskutierten bis zum Sonntag (2. März) über hundert christliche und islamische Theologen aus zwölf Ländern drei Tage lang in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Hohenheim über christliche und islamische Ethik. Einigkeit bestand unter den Teilnehmern darin, dass beide Religionen auf verschiedene Gesellschaftssysteme hin offen sind und eine universale Ethik auf der Basis der Menschenwürde vertreten.

Gemeinsam, so hieß es, könnten sich Christen und Muslime daher für den Wert des Lebens in den Lebenswissenschaften sowie in Wirtschaft und Politik stark machen. Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst würdigte bei dem Kongress in einem Grußwort das „Theologische Forum Christentum – Islam“ als ein gelungenes Beispiel des christlich-islamischen Dialogs. Das Forum sei „das gangbare Gegenmodell zu jenem Ansatz von Parallelgesellschaften, der nicht nur inhaltlich bedenklich und nicht wünschenswert, sondern vor allem auch in den Auswirkungen zunehmend konfrontativ und undialogisch wäre“.
Erfreut zeigte sich der Bischof darüber, dass es zwischenzeitlich qualifizierte deutschsprachige Gesprächspartner auf Seiten der Muslime gibt, worin er ein „Heimischwerden von Muslimen in unserer Gesellschaft“ sieht. Gerade in ethischen Fragen sollten sich Christen und Muslime austauschen: „Die Herausforderung, vor die uns die Moderne stellt, ergeht an alle Menschen, gleich welcher Religion.“
Hadi Adanali von der Islamisch-Theologischen Fakultät der Universität Ankara hob die Vereinbarkeit der individuellen Menschenrechte mit dem Islam hervor. Der Beitrag islamischer Ethik zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten könne darin liegen, dass sie die Grenzen der Autonomie und Verfügbarkeit über das menschliche Leben betont.
Die muslimische Professorin Maysam al-Faruqi von der katholischen Georgetown-University (USA) kritisierte eine zu starke Anpassung des westlichen Christentums an säkulare Konzepte. Wahre Toleranz könne nur der Glaube an ein übergeordnetes Absolutes gewährleisten, so al-Faruqi. Der Hamburger evangelische Religionswissenschaftler Ulrich Dehn forderte die Kirchen dazu auf,  verstärkt die Konfrontation suchen und „die Normalität als Skandal zu brandmarken“, statt ethische Erklärungen abzugeben, die sich kaum von der herrschenden Meinung unterscheiden. Von den Muslimen erwarte er, dass sie sich nicht auf die Wahrnehmung ihrer Eigeninteressen beschränken, sondern sich auch an Diskussionen zu allgemeingesellschaftlichen Themen beteiligen.
Nader Purnaqcheband von der Universität Halle betonte, dass sich die Muslime von einer Haltung der Überheblichkeit gegenüber konfessionslosen Mitbürgern verabschieden müssten.
Der muslimische Theologe Abdullah Takim von der Universität Frankfurt forderte, der Islam müsse sich in Deutschland auch wissenschaftlich artikulieren, um hier heimisch zu werden. Das Theologische Forum Christentum – Islam leiste hierfür einen wichtigen Beitrag. – Das Forum wird gefördert vom Bundesministerium des Innern (ars/kwh)



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