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Mittwoch, 16. Januar 2008

Kulturpolitikerin Christina Weiss erhält Aleksandr-Men-Preis

Frühere Kultur-Beauftragte der Bundesregierung förderte in herausragender Weise gutnachbarliche Beziehungen zwischen Russland und Deutschland

Stuttgart/Moskau (ars). Die Kulturpolitikerin, Literaturwissenschaftlerin und Publizistin Christina Weiss erhält am 22. Januar in Moskau den Aleksandr-Men-Preis 2007. Die unter anderem von der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart getragene Auszeichnung wird der 54-Jährigen Professorin für ihren hervorragenden Beitrag als frühere Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien zu gutnachbarlichen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland  und zum Ausbau ihrer kulturell-sittlichen Grundlagen verliehen.


Die Preisverleihung findet am 22. Januar 2008 in der Allrussischen Bibliothek für Ausländische Literatur (Rudomino) in Moskau statt. Die Laudatio hält der ehemalige Kulturminister der Russischen Föderation, Michail Schwydkoj.
Christina Weiss war von 2002 bis 2005 als Kultur-Beauftragte (parteilos) der Bundesregierung in besonderer Weise mit den deutsch-russischen Kulturkontakten betraut. Während ihrer Amtszeit kam Bewegung in die bis dahin starre Position Russlands in Fragen der so genannten "Beutekunst", vor allem auch dank ihres russischen Verhandlungspartners Michail Schwydkoj. Mit ihm zusammen führte sie auch die deutsch-russischen Kulturbegegnungen: das "Russische Kulturjahr in Deutschland 2003" (mit Russland unter anderem als Hauptthema der Frankfurter Buchmesse) und das "Deutsche Kulturjahr in Russland 2004" (unter anderem mit dem Abschluss der Restaurierung der historischen Walcker-Orgel in Sankt Petersburg) zu einem unerwarteten Erfolg. Weder davor noch danach haben nach Einschätzung von Beobachtern die deutsch-russischen Kulturbeziehungen eine solche Dichte und Qualität, aber auch quantitative Breite erlebt.
Seit ihrem Ausscheiden aus der Bundesregierung ist Christina Weiss als politisch-kulturelle Publizistin tätig und lehrt als Honorar-Professorin für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. 2006 erhielt sie in Würdigung ihrer Verdienste für die deutsch-russischen Kulturbeziehungen bereits die Puschkin-Medaille.
Die Liste ihrer Tätigkeiten, Mitgliedschaften und öffentlichen Ämtern ist lang. Christina Weiss war unter anderem Redakteurin beim Kunstmagazin ART, Literatur- und Kunstkritikerin für die Süddeutsche Zeitung, die "Zeit", den Südwestfunk und den Deutschlandfunk, Moderatorin der Fernsehdiskussionsrunde "Café Größenwahn" und des "Literaturmagazins" im SWF-Fernsehen, Programmleiterin des Hamburger Literaturhauses, Kultursenatorin von Hamburg, zusätzlich (von 1993 bis 1997) Senatorin für die Gleichstellung, Juryvorsitzende bei den ARD-Hörspieltagen (2006 und 2007) sowie Mitglied der Akademie des Deutschen Buchpreises und von einer Reihe von Kulturstiftungen sowie Mitglied im PEN International. Seit 2006 gehört sie auch dem Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an. Studiert hat sie Vergleichende Literaturwissenschaft, Germanistik, Italienische Philologie und Kunstgeschichte an der Universität des Saarlandes. 1982 promovierte sie zum Dr. phil. mit einer Arbeit über die "Erweiterung des Textbegriffs in konkreten und nachkonkreten visuellen Texten". (ars/kwh)


Info: Der Aleksandr-Men-Preis erinnert an den am 9.9.1990 unter bis heute ungeklärten Umständen ermordeten russisch-orthodoxen Erzpriester Aleksandr Men. Der Preis wird seit 1995 auf Initiative des damaligen Akademiedirektors und jetzigen Bischofs der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, jährlich an eine Person, Gruppe oder Institution verliehen, die sich um "die interkulturelle Vermittlung zwischen Russland und Deutschland im Interesse des friedlichen und humanen Aufbaus des Europäischen Hauses" verdient gemacht hat.

Die Auszeichnung wird gemeinsam getragen von der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Stuttgart/Weingarten (Jury-Vorsitz), von der Allrussischen Bibliothek für Ausländische Literatur in Moskau, der Europäischen Akademie für Zivilgesellschaft in Moskau, dem Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde und dem Lehrstuhl für Slavische Philologie/Literaturwissenschaft am Slavischen Seminar  der Universität Tübingen sowie der Zeitschrift für Ausländische Literatur in Moskau. Prominente Preisträger bisher waren unter anderem Lew Kopelew (1996), Tschingis Aitmatow (1998), Gerd Ruge (1999), Michail S. Gorbatschow (2000) und Otto Graf Lambsdorff (2001); zuletzt erhielt die Auszeichnung der Moskauer Übersetzer Dr. Solomon K. Apt (2006).



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