Stuttgart (ars). Jeder Mensch hat auf Grund seines Menschseins Anspruch auf eine materielle Absicherung ohne Arbeitszwang. Diesen Grundsatz vertrat Götz W. Werner, Professor an der Eliteuniversität Karlsruhe (TH) und Unternehmer, bei der Tagung "Bedingungsloses Grundeinkommen – Allheilmittel oder Sozialstaatsutopie?" am 13. November im Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim.
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Drogeriemarktkette dm und Inhaber des Lehrstuhls für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe (TH) postulierte eine Abkehr von einer „jahrhundertealten repressiven Arbeitsethik". Das biblische Wort: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen" stehe für ein negatives Menschenbild und müsse überwunden werden, so Werner.
Ihm zufolge stellt der aktuelle Sozialstaat keine emanzipatorische Veranstaltung dar. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Krise der Erwerbsarbeitsgesellschaft, die selbst in Zeiten guter konjunktureller Entwicklung Vollbeschäftigung unmöglich mache und immer mehr Menschen als Freelancer in projektorientierte, das heißt befristete und nicht selten unzureichend dotierte Arbeitsverhältnisse zwinge, produziere das Sozialsystem Armut, soziale Ausgrenzung, Vormundschaft, Demütigung und Stigmatisierung. Menschen in die Abhängigkeit von Hartz IV zu treiben, bedeute nichts anderes, als sie zu „kujonieren".
Beruhe das hinter Hartz IV stehende Menschenbild auf dem Lenin zugeschriebenen Gedanken: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser", so halte der Anthroposoph Werner es lieber mit Freiherr von Stein: „Zutrauen veredelt den Menschen. Ewige Vormundschaft hemmt sein Reifen". Werners revolutionär anmutende Alternative zur bestehenden Ausprägung von Sozialstaatlichkeit: ein Einkommen in der Höhe von derzeit etwa 800 Euro monatlich für jeden Staatsbürger und jede Staatsbürgerin ohne Bedarfsprüfung und ohne Arbeitszwang.
Laut Werner benötigt in einer von der absoluten Fremdversorgung geprägten Gesellschaft jeder ein als „Kulturminimum" definiertes Einkommen, um Leistungen anderer in Anspruch nehmen und Teilhabe erleben zu können. Dieses kulturelle Einkommen, finanziert durch ein auf Konsum basierendem Steuersystem (bei deutlich erhöhter Mehrwertsteuer) und über die partielle Streichung von bestehenden Sozialleistungen, würde den Menschen mehr Sicherheit geben. Gleichzeitig könnte es deren Bereitschaft befördern, Leistung in Form von (sinnvoller) Erwerbsarbeit zu erbringen.
Dem Ansatz Werners lieg die Hoffnung zugrunde, dass der Mensch sein soziales und tätiges Wesen dann entfaltet, wenn er sich nicht mehr um seine eigene Existenz sorgen muss. Auf die Frage eines Teilnehmers, wann mit der Realisierung eines bedingungslosen Grundeinkommens gerechnet werden könne, antwortete Werner, dass die Gesellschaft diese Idee erst mehrheitsfähig machen müsse; dann könne man sich auf den Opportunismus der Politiker verlassen: „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist", resümierte der Referent mit dem französischen Dichter Victor Hugo.
Zu der Fachtagung hatten die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die Evangelische Akademie Bad Boll sowie das Regionalforum Württemberg des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik eingeladen. Dabei traten auch Gutachter auf, die die Idee und Umsetzbarkeit eines Grundeinkommens aus unterschiedlichen fachlichen Blickwinkeln beurteilten. Das Fazit des volkswirtschaftlichen Gutachters: das bedingungslose Grundeinkommen sei zwar grundsätzlich finanzierbar, es blieben aber Fragen, so etwa hinsichtlich der Finanzierbarkeit der Gesundheitskosten oder zusätzlicher Leistungen für besonders bedürftige Personen. (ars/kwh)
Der Name von Kloster und Stadt inspirierte dazu, Künstlergärten in Weingarten entstehen zu lassen. Zeitgenössische Künstler gestalteten Gärten – recht artifiziell und organisch. Präsentiert werden diese in einem Parcours vom Martinsberg bis in die Stadt.
Vernissage
13. Juni 2010 um 11 Uhr
Ausstellungsdauer
13. Juni bis 19. September 2010
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