Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
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Dienstag, 17. Juli 2007

Seelenbegriff bleibt unverzichtbar

Akademietagung „Abschied von der Seele?“ stellt sich der naturwissenschaftlichen Herausforderung

Stuttgart (ars) Machen die naturwissenschaftlichen Erklärungsansprüche den geisteswissenschaftlichen Begriff der Seele überflüssig? Auf der Akademietagung „Abschied von der Seele? Oder: Was den Menschen zum Menschen macht" in Weingarten konnte man sich vom Gegenteil überzeugen.

Als kontraproduktive Immunisierungsstrategie bezeichnete Josef Quitterer vom Institut für Christliche Philosophie der Universität Innsbruck den Versuch, den Begriff „Seele" als für das naturwissenschaftliche Denken und Sprechen unzugänglich zu erweisen. Auch in der kirchlichen Tradition werde die Seele nicht notwendigerweise als etwas angesehen, das völlig außerhalb der natürlichen Phänomene anzusiedeln wäre, betonte Quitterer. Ihm zufolge, dessen Innsbrucker Arbeitsgruppe das Thema „Seele und die naturalistische Herausforderung" behandelt, erfährt der christliche Seelenbegriff seine wesentliche Bestimmung aus der aristotelisch-thomistischen Tradition. Danach wird die Seele als Lebensprinzip eines lebendigen Organismus angesehen.

Von seinem eigenen Selbstverständnis her ist damit der christliche Seelenbegriff nicht schon von vornherein jeder naturwissenschaftlichen Zugangsweise entzogen. Quitterer machte vielmehr deutlich, dass ein aristotelisch fundierter Seelenbegriff an die modernen neurobiologischen Hypothesen gut anschlussfähig und mit hoher Erklärungskraft ausgestattet ist. Sie sei damit als reales und wirksames Prinzip rehabilitiert. Ebenfalls vom aristotelischen Seelenbegriff ausgehend erklärte der Naturphilosoph Hans-Dieter Mutschler, dass der Seelenbegriff nicht nur beim Menschen unverzichtbar ist. Auch vormenschliches Leben lasse sich nicht naturalistisch reduzieren. So sei von einer gestuften Anwesenheit des Psychischen auch in der Natur auszugehen, was die besondere Stellung des Menschen nicht leugnen müsse.

Auch der Neandertaler hatte eine Seele

Dieser Besonderheit als Beseelung des Menschen ging die Archäologin Amei Lang vom Institut für vor- und frühgeschichtliche Archäologie der Uni München aus evolutiver Perspektive nach. Auf Beseelung könne spätestens ab dem stammesgeschichtlichen Zeitpunkt geschlossen werden, von dem an sich durch Bestattungsrituale Individualität, Personalität und Transzendenzbewusstsein archäologisch manifestieren. Insofern könne man davon ausgehen, dass auch der Neandertaler eine Seele hatte.

Die Freiburger Philosophin Regine Kather ging von einer Phänomenologie der mystischen, erfahrungshaften Gotteserkenntnis aus und machte deutlich, dass die Frage nach der menschlichen Seele letztlich mit der Frage nach dem Sinn von Religion überhaupt zusammen fällt. Auch aus dieser umfassenden Perspektive erweise sich der Begriff der Seele als unverzichtbar. (ars/kwh)



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