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Jaschke mahnt zur Wachsamkeit gegenüber rechtsradikalen Tendenzen

Hamburger Weihbischof: Religionen müssen „Anwälte der Religionsfreiheit“ sein

Stuttgart. Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke hat die Religionen in Deutschland zur Überwindung von Fremdenfeindlichkeit aufgerufen und zur Wachsamkeit gegenüber rechts-radikalen Tendenzen gemahnt. Bei einer Fachtagung des Theologischen Forums Christentum – Islam am 9. März in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Hohenheim hob Jaschke zudem die Rolle der Religionen als „Anwälte der Religionsfreiheit überall auf der Welt“ hervor.

Jaschke sprach in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Unterkommission der Deutschen Bi-schofskonferenz für den Interreligiösen Dialog ein Grußwort vor 115 christlichen und muslimi-schen Theologen aus zehn europäischen Ländern. Durch ihre „weltweite Friedenskraft“ könnten die Religionen nach Ansicht des Weihbischofs zur Überwindung der Gegensätze beitragen. Da-bei warnte er auch vor einem politischen Missbrauch von Religion. 

Angesichts von Entwicklungen in der arabischen Welt, in Afrika und in Asien betonte der Weih-bischof die Rolle der Religionen als „Anwälte der Religionsfreiheit überall auf der Welt“. „Jeder religiöse Zwang muss entschieden von den Verantwortlichen der Religionen verurteilt werden“, sagte Jaschke. Dem Weihbischof zufolge gründet die Weltverantwortung von Juden, Christen und Muslimen in der Überzeugung, „dass Gott immer unendlich größer bleibt als alles, was wir sagen und denken können, aber sich gleichzeitig auch zu erfahren gibt und sich offenbar macht.“ 

Die Tagung stand unter dem Thema „Die Boten Gottes – Prophetie in Christentum und Islam“. Die Mainzer Sozialethikerin Christiane Tietz bezeichnete Prophetie als „Forderung zur Selbst-überprüfung“. Der muslimische Theologe Mark Chalil Bodenstein von der Universität Frankfurt stellte im Anschluss an Albert Camus Prophetie und Revolte in eine enge Verbindung. Diese Revolte müsse sich aber stets daran messen lassen, dass sie Leben und Freiheit der Menschen achtet, so Bodenstein. In zahlreichen Foren und Diskussionsrunden wurden unterschiedliche Prophetentraditionen und Verständnisse von Prophetie aus der Sicht beider Religionen miteinan-der verglichen.

Das vom Bundesministerium des Innern geförderte „Theologische Forum Christentum – Islam“ ist ein seit 2003 bestehendes Netzwerk christlicher und muslimischer Theologen, das einen Bei-trag zur Verständigung zwischen beiden Religionen sowie zu einer in Deutschland verankerten islamischen Theologie leisten möchte. Die Vorträge und Ergebnisse der Tagung werden wieder-um in der Buchreihe „Theologische Forum Christentum – Islam“ im Verlag Friedrich Pustet ver-öffentlicht, in der bereits sieben Bände erschienen sind.