Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
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Zukunft der Arbeit
Gestaltungsräume für Caritas und Diakonie

Dr. Manfred W. Lallinger


Begrüßung

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Herr Prof. Ruh, Herr Glaser!
Im Namen der Mitveranstalter - Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Caritasverband Stuttgart, Evangelische Akademie Bad Boll, Diakonisches Werk Württemberg, Katholische Betriebsseelsorge Stuttgart, Evangelische Betriebsseelsorge Böblingen - begrüße ich Sie am heutigen Buß- und Bettag ganz herzlich in Stuttgart-Hohenheim zu unserem Fachtag. Als Direktor einer Institution, die den Dialog als Prinzip ihres Arbeitens gewählt hat, freue ich mich sehr, daß diese Kooperationsveranstaltung eine derart breite Resonanz gefunden hat.

Meine Damen und Herren! In unserem Hause ist es gute Tradition, sich Gedanken über die Bedingungen, Strukturen und Entwicklungen des sozialen, politischen und wirtschaftlichen Handelns zu machen, und zwar nicht nur im Hinblick auf ihre umfassende gesellschaftliche Dimension, sondern auch in Bezug auf ihre Auswirkungen auf einzelne Individuen und Bevölkerungsgruppen. Der Inhalt dessen, worüber wir heute sprechen wollen, ist die Frage nach der Zukunft der Arbeit, die wiederum - wer wollte dies bezweifeln - überlagert wird von der Frage nach der Zukunft unserer Gesellschaft und der sozio-ökonomischen Ordnung.

An der Schwelle des 21. Jahrhunderts befindet sich Deutschland - wie zahlreiche andere Industriestaaten auch - in einer elementaren Krise. Während fast das ganze Jahrhundert hindurch organisierte Erwerbsarbeit Gesellschaft konstruiert und stabilisiert hat, ist die Arbeit nun zu einem "Faktor der Desintegration" geworden, wie der Publizist Claus Koch unlängst geschrieben hat.

Immer mehr Menschen werden langfristig aus dem Erwerbsarbeitsprozeß ausgegrenzt und damit - oft irreversibel - an die Peripherie der Gesellschaft gedrängt. Arbeit, von Marx noch als eine "von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen" beschrieben, schrumpft in weiten Teilen des Subsystems Wirtschaft unter den dort herrschenden Bedingungen von fortschreitender Substitution des Faktors "Human-Kapital" durch "High-Tech-Kapital" zur unbedeutenden Residualgröße.

Bundespräsident Herzog warnte bereits in seiner Weihnachtsansprache 1996 die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft vor einem Versagen gegenüber der Arbeitslosigkeit, die er "als brennendste Wunde in unserer Wohlstandsgesellschaft" bezeichnete. Es ist leicht einsichtig, daß Menschen sich nicht nur mit hehren Vokabeln sagen lassen wollen, daß sie gebraucht werden - sie wollen auch mit Kopf und Händen gebraucht werden. Die Folgen der Massenarbeitslosigkeit sind hinlänglich bekannt: soziale Segregation auf der individuellen Seite, sinkende Steuereinnahmen und Erosion der sozialen Sicherungssysteme auf der gesamtgesellschaftlichen Seite. Diese negative Entwicklung außer acht zu lassen, bedeute, so Herzog, "das soziale Gemeinwesen aufs Spiel" zu setzen. So kann und darf es nicht weitergehen! Es ist höchste Zeit, daß Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, d.h. wir alle, Kräfte und Mittel darauf konzentrieren, eine Trendwende am Arbeitsmarkt herbeizuführen.

Die derzeit diskutierten Strategien und Rezepte zur Zurückdrängung der Massenarbeitslosigkeit sind höchst unterschiedlich. Sie reichen von Ansätzen, die den Arbeitsmarkt durch Erwerbsarbeitsumverteilung zu entlasten versuchen, über spezielle Programme und Maßnahmen für besonders benachteiligte Erwerbspersonen bis hin zu Modellen, die sich der Arbeit und ihrer Zukunft anders nähern und als Therapeutikum eine Umprogrammierung der Gesellschaft von Arbeit auf Tätigkeit (R. Münch) in einem umfassenden Sinn empfehlen.

Der heutige Fachtag will die Diskussion über Entwicklung und Perspektiven der Arbeitsgesellschaft in Caritas und Diakonie befördern. Gefragt werden soll - auch und vor allem -, welche Gestaltungsräume Caritas und Diakonie, die größten nichtstaatlichen Arbeitgeber unseres Landes, bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit besetzen können. Wir dürfen uns freuen, für die heutige Veranstaltung Referenten und Moderatoren gewonnen zu haben, die sich schon längere Zeit mit der Thematik "Die Arbeit und ihre Zukunft" befassen. Wir sind gespannt, was sie uns an Impulsen mit auf den Weg geben.

Ich danke allen an der Organisation des Fachtags Beteiligten für dessen Vorbereitung und wünsche ihm eine guten Verlauf. Ich gebe nun das Wort an den Hauptgeschäftsführer des Diakonischen Werkes Württemberg, Herrn Timm, weiter.


Dr. Gebhard Fürst,
Direktor der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart




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