Jubeljahr 2000.
Ein Aufruf zu sozialer Gerechtigkeit
Dr. Manfred Lallinger, Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Vorwort
Das zweite christliche Jahrtausend neigt sich seinem Ende zu. Mit der Öffnung der Heiligen Pforte am Petersdom durch den Papst in der Weihnachtsnacht 1999 beginnt das Heilige Jahr 2000. Rom, die Ewige Stadt, erwartet im kommenden Jahr eine Invasion von mehreren Millionen Pilgern, für die symbolisch-geistliche Akte zentrale Elemente der Feierlichkeiten darstellen werden. Wird die feierliche Durchführung des Großen Jubiläums den Gläubigen auch Zeit und Raum lassen für einen Blick auf die soziale und ökonomische Realität im Hier und Jetzt?
Ansätze zu einer irdisch-sozioökonomischen Ausrichtung in der aktuellen Jubeljahrsthematik gibt es. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang insbesondere die in Wuppertal ins Leben gerufene Kampagne "Erlaßjahr 2000 - Entwicklung braucht Entschuldung", die eine völkerrechtlich verbindliche Neugestaltung der Finanzbeziehungen im Sinne eines fairen Interessenausgleichs zwischen Schuldnerländern und Gläubigerländern postuliert.
Die Tradition des Jubeljahres reduziert sich indes nicht auf die Entschuldungsthematik. Sie bietet eine ganze Reihe weiterer Impulse und Anregungen für die Gestaltung einer Kultur humanen Miteinanders: Beachtung von Rythmen im Leben - etwa bei der Arbeitszeit (Stichwort: Einhaltung der Sonntagsruhe), eine Orientierung, die angesichts der linearen Beschleunigung in unserer (westlichen) Welt wieder stärkere Beachtung finden müßte. Zu denken ist ferner an das Prinzip der ökologischen Verantwortlichkeit, das für unser Überleben zwingend ist und sich beispielsweise in einer naturgemäßen Landwirtschaft oder in energie- und ressourcensparsamen Lebensstilen zeigt.
Ziel der Veranstaltung war es, die Tradition des Jubeljahres zu vermitteln sowie aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und mögliche Folgerungen für die soziale und wirtschaftliche Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens im 21. Jahrhundert zu bedenken und zu formulieren. Hauptzielgruppen waren sozial- und wirtschaftpolitisch interessierte Bürger und Bürgerinnen.
Den Referenten und Referentinnen sei an dieser Stelle nochmals gedankt für ihre Beiträge. Die in diesem Materialienband abgedruckten Texte geben im wesentlichen die auf der Tagung gehaltenenen Vorträge und Impulsreferate wieder. Die Podiumsdiskussion, die - unter der Leitung von Frau Ingeborg Ammon - von Prof. Dr. Erhard Gerstenberger, Dr. Christoph Körner und Prof. Dr. Roland Geitmann bestritten wurde, und die Diskussionsbeiträge aus dem Plenum konnten leider nicht dokumentiert werden.
Mein besonderer Dank gilt dem Mitorganisator und -moderator der Tagung, Prof. Dr. Roland Geitmann.
Marion Gehrmann danke ich für die tatkräftige Unterstützung bei den Korrekturarbeiten.
Dr. Manfred W. Lallinger, Akademiereferent
Stuttgart, im Dezember 1999
© Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
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