Verleihung des Aleksandr-Men-Preises im Jahr 2000

Michail Gorbatschow

Rede zur Übergabe der Urkunde

Prof. Dr. Günther Bien Vorsitzender des Kuratoriums der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Die respektvolle und um Verständigung bemühte Begegnung der Kulturen und ihr konstruktives Miteinander ist in einer globalisierten Welt zur Überlebensfrage geworden.

Anlässlich eines deutsch-sowjetischen Literatursymposions der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart wandte sich Aleksandr Men 1990 in Weingarten in seiner Rede über die Verantwortung der Kulturschaffenden für die Verständigung unter den Völkern an namhafte aus der damaligen Sowjetunion und Deutschland versammelte Schriftsteller. Aleksandr Men sagte, es gehe in der Begegnung von Kulturen um "die wunderbare Vielfalt der Menschen, die großartige Mannigfaltigkeit der Sprachen, Temperamente, Kulturen und Geschichten, die die Schönheit des Lebens erschaffen". (Wechselbekenntnisse, Hohenheimer Protokolle Bd. 39, 1992, S. 174). Dass diese kulturelle Vielfalt nicht "Anlass für Konfrontationen" (ebd.) werde, sondern zur gegenseitigen Bereicherung führe, ist der Sinn des Preises, den wir heute vergeben.

Der Preis wird jeweils "an eine Person verliehen, die sich um die interkulturelle Vermittlung zwischen Russland und Deutschland im Interesse des friedlichen und humanen Aufbaus des Europäischen Hauses verdient gemacht hat." (Statut) - Zu solchen Persönlichkeiten gehört zweifellos Staatspräsident a.D. Michail Sergejewitsch Gorbatschow.

Mitte der 80iger Jahre prägte Michail Gorbatschow das Wort vom Europäischen Haus, zu dem auch Russland gehöre. Seine auf Europa bezogene Politik hat sich wesentlich von dieser seiner Idee leiten lassen und große Veränderungen bewirkt. Das Europäische Haus ist noch nicht vollendet. Aber die zwischen Ost- und Westeuropa lange unüberwindlichen Grenzen sind überwunden und die Beziehungen sind auf ganz neue Grundlagen gestellt. Michail Gorbatschow hat wesentliche Voraussetzungen mitgeschaffen, die die Begegnung der unterschiedlichen Kulturen im Osten und Westen Europas auf eine ganz neue Weise ermöglicht. Wenn auch vieles vorbereitet war, jetzt erst kam eine neue Freizügigkeit, ein positives Interesse aneinander und in vielen Bereichen ein fruchtbares Miteinander zum Durchbruch.

Ohne Sie, sehr geehrter Herr Gorbatschow, hätten sich die Träger dieses Preises nicht zusammenfinden können, um gemeinsam einen Preis für die Ökumene der Kulturen zu stiften. In 10 Jahren enger Kooperation sind herzliche Freundschaften zwischen Russen und Deutschen entstanden. Menschliche Beziehungen, die immer die Basis bilden für kulturelle Begegnungen zwischen benachbarten Ländern.


Die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart,

die Zeitschrift für Ausländische Literatur, Moskau,

die Bibliothek für Ausländische Literatur, Moskau,

die Europäische Akademie für Zivilgesellschaft, Moskau,

der Freundeskreis Aleksandr Men, Moskau

und das Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde der Universität Tübingen,

verleihen

Michael Sergejewitsch Gorbatschow

in Anbetracht seiner großen Verdienste um die Verwirklichung der Idee des Europäischen Hauses und um die Ermöglichung der Begegnung der Kulturen Russlands und Deutschlands den

Aleksandr-Men-Preis

"Für die Ökumene der Kulturen" des Jahres 2000.


Sehr geehrter Herr Gorbatschow, ich beglückwünsche Sie im Namen der Träger des Aleksandr-Men-Preises und aller Anwesenden. Ich darf Ihnen nun die Urkunde und das damit verbundene Preisgeld übergeben.



Es gilt das gesprochene Wort!

Programm

Begrüßung
Msgr. Dr. Gebhard Fürst,
Direktor der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Grußwort
Weihbischof Dr. Johannes Kreidler
Administrator der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Grußwort
Dr. Walter Döring
Stellvertreter des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg

Grußwort
Dr. Ekaterina U. Genieva
Generaldirektorin der Bibliothek für Ausländische Literatur, Moskau
Vertreterin der Preisjury

Laudatio auf den Preisträger
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Dr. Hans-Dietrich Genscher,
Bundesaußenminister a. D.

Preisverleihung
Prof. Dr. Günther Bien,
Vorsitzender des Kuratoriums der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Dankesworte des Preisträgers
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Michail S. Gorbatschow,
Staatspräsident a.D.

Bericht Stuttgarter Nachrichten

Pressemitteilung

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