Vorträge zum Thema Migration in Deutschland wurden durch die Schilderungen der Situation in den Nachbarländern ergänzt und ermöglichen so einen Blick über den eigenen Horizont hinaus. Die österreichische Professorin Answin Weißenborn erläuterte in einem Vortrage, nicht alle illegalen Einwanderer wüssten, dass Österreich ein eigenes Land und nicht ein Teil von Deutschland sei. Ruedi von Fischer, Professor aus der Schweiz, referierte zum Thema Einwanderung in der Schweiz und verdeutlichte die Problematik am Einsatz afrikanischer Arbeiter beim Tunnelbau in der Schweiz. Aus den Beiträgen von Studierenden, Professoren und Referenten erwuchs ein internationales Seminar mit Teilnehmern aus verschiedenen Nationen: eine Thematik, die zum Zuhörerkreis passte.
Ece Wendler, Psychologin in der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Stuttgart-Wangen, referierte über Rollenmuster und Wertewandel in Migrationsfamilien und stellte unter anderem den Konflikt türkischer Frauen zwischen Eheproblemen und der Solidarität mit ihrer Familie dar. Die Position der Migranten im sozialen Gefüge der baden-württembergischen Landeshauptstadt stellte Martha Aykut von der Stabsabteilung Integrationspolitik der Stadt Stuttgart dar. Dr. Ralph Göbel-Zimmermann, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Gießen, gab in seinem Vortrag den Studierenden einen Überblick über das deutsche Aufenthaltsrecht.
Die Akzeptanz verschiedener Kulturen bekam durch ein Planspiel zum Thema „Islam in Deutschland“ einen besonderen Platz im Seminar: Die Studierenden wurden in verschiedene Gruppen, die zum fiktiven Bau einer Moschee in Stuttgarts Innenstadt Position beziehen sollten, aufgeteilt. In einer gespielten Zusammenkunft standen sich die islamische Gemeinde, der Stadtrat, eine vermittelnde Bürgervereinigung sowie eine Bürgerinitiative, die den Bau verhindern will, gegenüber. In einer gepielten Zusammenkunft trafen augenscheinlich unvereinbare Interessen verschiedener Gruppen aufeinander. Mangelndes Wissen, Ängste und gegenstäzliche Positionen ließen eine Einigung über interreligiöse und interkulturelle Themen kaum möglich erscheinen.
Für Prof. Dr. Hans Dieter Walz war es aus Altersgründen voraussichtlich die letzte interkulturelle Studienwoche. Er ergriff die Initiative und ermöglichte "seinen" Studierenden 1992 erstmals die Teilnahme an dem Seminar, das auch nach 25 Jahren weiterhin mehr interessierte Studierende hat, als die Akademie aufnehmen kann. Für die Zeit nach seiner Pensionierung hat Walz bereits für Ersatz gesorgt: „Wir sind froh, dass wir in Prof. Dr. Stephan Buchloh von der Hochschule Ravensburg-Weingarten einen Nachfolger gefunden haben“, erklärte Klaus Barwig, Referent der gastgebenden Akademie bei der Verabschiedung von Professor Walz. Stephan Buchloh nahm ebenfalls an der Studienwoche teil.
– Anabell Eisele, Weingarten –