Bei der Eröffnung der Ausstellung am Montag (20. Februar) erklärte der ehemalige Rektor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Professor Paul Uwe Dreyer, dem im vergangenen Jahr verstorbenen Bildhauer und Maler sei es darum gegangen, Kunst in die Gesellschaft hinein zu transportieren.
Hajek habe wie viele Künstler seiner Generation die Trennung von Kunst und Kultur und damit der Zivilisation aufheben wollen. Immer wieder sei er für eine wechselseitige Öffnung und Integration eingetreten, habe er gemahnt, protestiert und angeregt, um die als Krankheit erkannte wechselseitige Sprachlosigkeit zu überwinden. Dabei sei sein unermüdlicher Einsatz für die soziale Absicherung des Berufsstandes der Künstlerinnen und Künstler als erster Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes (bis 1979) “eine einzige Plattform seiner künstlerischen Tätigkeit” gewesen, betonte Dreyer, der einer der vielen Weggefährten Hajeks war. Diesen Einsatz habe er in seinen zahlreichen Reisen nach Osteuropa auch auf die dortigen Künstler ausgeweitet. Die Künstlerlandschaft und der öffentliche Diskurs hierzulande hätten ihm viel zu verdanken.
Die Kunstreferentin der Diözesanakademie, Ilonka Czerny, hob die Platz- und Architekturgestaltung Hajeks hervor. Durch seine Plastiken und Skulpturen habe er Kulminationspunkte geschaffen und damit öffentliche Räume zu sozialen Kunsträumen strukturiert. Mit seinen Stadt- und Wegezeichen sowie seinen Bildern – vorwiegend in den drei Grundfarben Rot, Gelb (Gold) und Blau – habe er Denk-Male gesetzt, die Synthesen zwischen Architektur, Malerei und Plastik darstellten. Sein erst 2004 geschaffener Zyklus von Regenbogenbildern greife das biblische “Zeichen für eine versöhnte Verbindung von Himmel und Erde” auf und setze so auch ein persönliches Zeichen “zwischen ihm und einer göttlichen Dimension, an die Hajek zeit seines Lebens geglaubt hat”.
Musikalisch umrahmt wurde die feierliche Vernissage mit über 300 Teilnehmern vom Posaunenchor der Stuttgarter Musikhochschule, der unter anderem ein Stück “in memoriam Herbert Hajek” uraufführte. Für die Komposition verwendet hat Professor Amin Rosin ein böhmisches Volkslied, das dem Wahl-Stuttgarter Hajek - ein “böhmischer Mensch mit Residenz auf dem Hasenberg” (Dreyer) - besonders am Herzen hing. Zu den ausgestellten Bildwerken gehört auch ein Bild aus dem ‘Ankara-Zyklus’, mit dem Hajek die Enttäuschung verarbeitete, dass sein schon weit gediehenes Projekt der Gestaltung eines großen Platzes in der türkischen Hauptstadt nach einem Regierungswechsel nicht mehr realisiert werden konnte.
In der Einladung zur Ausstellung hieß es, Otto Herbert Hajek habe für seine Kunst gelebt, die sein Lebenselexier gewesen sei. Pionierarbeit habe der deutsche Bildhauer von internationalem Rang für die Kunst in öffentlichen Räumen geleistet. Seine Werke seien Orte der Begegnung und der Kommunikation, die ihren Anspruch erst da erfüllten, wo sie Gemeinschaft stiften. Der programmatische Titel der Ausstellung “Kunst ist die Möglichkeit des Unmöglichen”, der zugleich für Hajeks ganzes Lebenswerk steht, deutet an, dass Kunst mehr als die geschaffenen, bleibenden Kunstwerke umfasst. Mit der Ausstellung würdigt die Akademie nicht nur einen der größten deutschen Künstler, sondern auch das Kuratoriums-Mitglied des Vereins der Freunde und Förderer der Akademie, das er seit vielen Jahren war.
Die Ausstellung wurde noch mit dem Künstler selbst mehr als ein halbes Jahr vor seinem Tod (im April 2005) zusammen geplant. Die KUNST-RAUM-AKADEMIE ist so konzipiert, dass vorwiegend Exponate des bildnerischen Œuvres präsentiert werden. Dazu zählen großformatige Werke, die chronologisch gesehen zu Hajeks letzten Arbeiten gehören und seine späte Schaffensphase repräsentieren. In die Ausstellungsfläche wird erstmals auch der Innenhof der Akademie einbezogen. Zwei Modelle, die zur Verwirklichung des Stadtzeichens Stuttgart (platziert in der Theodor-Heuss-Strasse) dienten, stehen stellvertretend für mehrere vergleichbare Ausführungen und verdeutlichen, wie sich der Künstler langsam der endgültigen Fassung näherte. (ars/kwh)
Info:
Die Ausstellung bis 30. April ist werktags von 9 bis 16 Uhr geöffnet (samstags und sonntags auf Anfrage unter 0711 451034 600).
Der Name von Kloster und Stadt inspirierte dazu, Künstlergärten in Weingarten entstehen zu lassen. Zeitgenössische Künstler gestalteten Gärten – recht artifiziell und organisch. Präsentiert werden diese in einem Parcours vom Martinsberg bis in die Stadt.
Vernissage
13. Juni 2010 um 11 Uhr
Ausstellungsdauer
13. Juni bis 19. September 2010
KUNST-RAUM-AKADEMIE
Tagungshaus Weingarten
Kirchplatz 7
88250 Weingarten
Telefon: 0751 5686-0
E-Mail: weingarten@akademie-rs.de
Öffnungszeiten
werktags von 9-18 Uhr; samstags und sonntags auf Anfrage
Öffentliche Führungen
7. August, 14.00 Uhr
11. September, 14.00 Uhr
